RE:Alexandros 84

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 1447–1448
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84) Alexandros, Sohn des Satyros und der Stratokleia (Suid.), aus Pleuron in Aitolien, zum Unterschiede von Namensvettern gewöhnlich ὁ Αἰτωλός genannt, ist der einzige aitolische Dichter (γραμματικός Suid.), von dem wir Kunde haben. Um 315 geboren, lebte er zuerst (etwa 285/83) in Alexandreia, wo er im Auftrage des Ptolemaios Philadelphos als Bibliothekbeamter mit der Ordnung der Tragödien und Satyrdramen beschäftigt war (Ritschl opusc. I 124.199, 206), später (276) in Makedonien am Hofe des Antigonos Gonatas (Vita Arat. III p. 58 West, nach der Schrift des Königs περὶ Ἱερώνυμον) mit Arat und Antagoras zusammen. Zu seiner bibliothekarischen Thätigkeit empfahl ihn wohl sein Ruf als tragischer Dichter (ὁ τραγῳδοδιδάσκαλος, Polemon frg. 45 Pr.), der ihm auch die Aufnahme in die Πλειάς verschaffte (Suid. Schol. Hephaistion. p. 182 West.). Wir kennen aber nur den Titel eines einzigen Stückes Ἀστραγαλισταί, welches die Jugendgeschichte des Patroklos behandelte (Meineke An. Alex. 217. Nauck FTG² 817); möglicherweise war es ein Satyrdrama (K. Schenkl Wiener Stud. X 327). Über die schwache Spur einer anderen Tragödie (Ἀντιγόνη?) s. Kaibel Ath. Bd. III praef. X; auch der Schol. MO Eurip. Androm. 32 Schw. genannte A. ist wohl der Aitoler. In der Abfassung der Tragödien scheint ihn Timon von Phleius unterstützt zu haben (Wachsmuth Sillogr. Graec. reliq. 18; anders Hiller DLZ 1886, 472). Als vielseitiger Dichter versuchte sich A. auch in den anderen Arten der Poesie. Von seinen epischen Gedichten werden genannt Ἁλιεύς (Ath. VII 296 e, 5 Hexameter über den Meergott Glaukos) und Κρίκα, letzteres nicht sicher beglaubigt (Ath. VII 283 a: εἰ γνήσιον τὸ ποιημάτων, folgen zwei Hexameter über den Fisch πομπίλος); von seinen elegischen kennen wir den Ἀπόλλων und die Μοῦσαι. In dem ersteren weissagte der Gott selbst die künftigen Schicksale unglücklich Liebender (erhalten sind 34 Verse bei Parthen. 14); die Einkleidung und zum Teil auch die Sprache erinnert an Lykophron, die Erzählung ist nur trockenes Referat. Die Musen enthielten das Lob verschiedener Dichter – gleichsam litterarische Studien in Distichen. Ein merkwürdiges Bruchstück über Euripides, massgebend für die antike Biographie des Tragikers (v. Wilamowitz Eurip. Herakl. I 12), ist in Anapaesten abgefasst (Gell. XV 20, 8). Ausserdem verfasste A. Φαινόμενα, wahrscheinlich nach dem Vorbilde seines Freundes Aratos (Sext. Empir. adv. math. Till 204. Meineke anal. Alex. 241. Maass Herm. XVI 386; Aratea [Philol. Untersuch. XII] 149) und Epigramme, die Meleagros in seinen Kranz einfügte [1448] (prooem. 39); erhalten ist noch Anth. Pal. VII 709 (meleagr. Reihe, namenlos bei Plut. de exil. 2). Anth. Plan. IV 172 (? schwerlich echt). Endlich schrieb er κίναιδοι in der Weise des Sotades ἐν ψιλῷ λόγῳ) (Strab. XIV 648. Ath. XIV 620 e).

Höchst wahrscheinlich gehörte Α. in Jugend dem koischen Bukolikerbunde mit Theokritos an und führte mit Beziehung auf seinen Vater den Spitznamen Tityros (Haeberlin carm. figur. 51). So wird er also der Tityros des Komos (Theokr. III 2) und der Thalysien (72) und die daselbst angedeuteten Sagen von Daphnis und Komatas gehen wahrscheinlich auf seine eigenen Dichtungen zurück, zumal da die Behandlung der Daphnissage von ihm bezeugt ist (Argum. zu Theokr. VIII und Schol. Ambros. zu VIII 1. Haeberlin a. a. O., dagegen richtig J. Schmidt Rh. Mus. XLV 148). Vgl. noch Reitzensteinined. poet. graec. frgm. II (Rostock 1891) 5, der freilich weit über das Ziel hinausschiesst. O. Crusius Jahrb. f. Philol. CXLIII 387. Susemihl Gesch. d. alex. Litt I 187. Haeberlin Philol. N. F. III 650 (unnötige Künsteleien). Maass Aratea 149. 320 (gewagte Kombinationen). Fragmentsammlung von Α. Capellmann (Bonn 1829) veraltet und überholt von Meineke anal. Alex. 215–251. Charakteristik bei Couat poésie Alex. 105–110. Beiträge zur Kritik: Haupt opusc. II 96 (Ἀπόλλων) Diels Herm. XXIII 287 (Ἁλιεύς).