RE:Balsamem

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,2 (1896), Sp. 2839–2840
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Balsamem (so Plaut. Poen. 1027 nach der besten Überlieferung), Βεελσάμην (aramaeische Form. Philo Bybl. FHG III 566), Baalsamen (August. quaest. in Iud. 16 p. 797 Migne), Βαλσάμης (Wessely Zauberpapyri Denkschr. Akad. Wien XXXVI 1888, v. 1020. 1061), Balsamus (Hieron. epist. 75, 3; contra Vigilant. 7 p. 393; in Esaiam 64). Baʿal schammim ,der Herr des Himmels‘ ist auf Inschriften aus Phoinikien (Umm el Awamid, CISem. I 7) und aus den phoinikischen Colonien (Sardinien, CISem. 139; Karthago, ebd. 379) mehrmals erwähnt. Er wurde als der höchste Gott angesehen, so wie Astarte, die ‚Königin des Himmels‘ (Jerem. VII 18, vgl. Astarte), als die höchste Göttin, und daher mit Zeus identificiert (Philo a. a. O.). Wenn wir also von einem Tempel des Zeus Olympios in Tyros hören (Dios bei Joseph. cont. Ap. 113), so ist ohne Zweifel von B. die Rede (vgl. Movers Phönizier I 176ff.). In ganz Syrien wurde derselbe Gott unter dem Namen Beʿel schamīn, Beʿel schmajīn verehrt, in Harrān (d. h. Carrhae; Iacob von Serug ZDMG XXIX 131), in Nisibis (Isaac Antioch. I 209 v. 78ff. Bickell B. princeps deorum Nisibi adhuc aperte [2840] tympanis et cornubus celebratur), in Palmyra (de Vogüé Inscr. sémitiques 19 nr. 16. 50 Anm. 1. 53 nr. 73. Euting Ber. Akad. Berlin 1885, 669. 4), im Hauran (de Vogüé a. a. O. 94 nr. 2. 106 vgl. Syrie centrale architecture I 36 und CISem. II 163. 176). Der Βαρσαμήνης (Barschimnia, Parschamin, Parscham), der im Dorfe Thortan in Armenien einen berühmten Tempel hatte (Agathang. 131 mit de Lagarde’s Anm.), ist wohl kein anderer als der semitische B. Sein Standbild aus Elfenbein, Kristall und Silber soll nach Moses von Khoren durch Tigranes aus Mesopotamien zurückgebracht worden sein, und auch sonst wusste man, dass die Syrer diese Gottheit besonders verehrten (Langlois Historiens de l’Arménie I 24. 40. 166. II 66. 88). Die grosse Verbreitung des Kultus in diesen Ländern ist auch dadurch bewiesen, dass die syrischen Schriftsteller das Wort Zeus zuweilen mit B. übersetzen (so II Makkab. 6, 2. Isocrates bei Lagarde Analecta syriaca 1858, 176 Z. 24). Aber trotz dieser allgemeinen Verehrung sind die Angaben über diesen Gott sehr spärlich, und wir bekommen von seinem Charakter nur ein sehr unbestimmtes Bild (s. Baal). In den Inschriften wird er als ,Herr der Welt‘ (oder der Ewigkeit nach Meyers Vermutung, s. de Vogüé nr. 73), als ,guter und belohnender Gott‘ (Euting a. a. O.) gepriesen, und er wird bald dem Zeus μέγιστος κεραύνιος (de Vogüé 50 = Le Bas III 2631), bald dem Ἥλιος (de Vogüé nr. 16) gleichgestellt. Dieser schwankenden Übersetzung entspricht auch der Bericht des Philo. Er erklärt B. als κύριος οὐρανοῦ und fasst ihn zugleich als Sonnengott auf, was einige Gelehrte zur falschen Etymologie Balsames = Baʿal schemesch (Sonne) verleitet hat. Aber Augustin giebt schon die richtige Bedeutung (Balsamen quasi Dominum coeli Punici intelliguntur dicere), und sie ist selbst in den Zauberpapyri nicht vergessen (Wessely 1020 εἰμὶ ὁ πεφυκὼς ἐκ τοῦ οὐρανοῦ, ὄνομά μοι Βαλσάμης. 1061 Χώρει κύριε εἰς ἰδίους οὐρανούς). Nicht nur die Zauberlitteratur, sondern auch die Gnostiker hatten den populären Gott übernommen (Hieron. a. a. O.). Da der Name von B. in Palmyra mit Zeus μέγιστος κεραύνιος übersetzt wird, ist man versucht, anzunehmen, dass die zahlreichen Widmungen Διὶ κεραυνίῳ (Le Bas III 2195. 2557 a) und Διὶ μεγίστῳ (Le Bas 2116. 2140. 2289. 2292. 2339. 2340. 2412 d; vgl. 2407), welche man in Syrien findet, alle dem B. gestiftet waren. Dies kann richtig sein, aber es sind in diesem Lande auch andere Götter Zeus κεραύνιος genannt worden (de Vogüé Mélanges d’archéol. orient. 1868, 19. 79ff.; vgl. App. Mithr. 58 und dazu Drexler in Roschers Lex. II 1117), so dass die Identificierung unsicher bleiben muss. Höchst unwahrscheinlich ist es, B. dem Zeus ὕψιστος von Palmyra gleich zu setzen (vgl. Hypsistos). Chwolsohn Die Ssabier II 158ff. Ed. Meyer in Roscher Lex. I 2872. 2875. Bäthgen Beiträge zur semit. Religionsgeschichte 23f. 102f.