RE:Brisai

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 855–856
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Brisai (Βρίσαι oder Βρῖσαι? sind göttliche Wesen, denen die Bereitung des Honigs obliegt; der Name wird mit βλίττειν aor. βλίσαι zusammengestellt. Sie lehrten ihre Kunst dem Aristaios, den sie auf Keos aufgezogen haben sollen (Arist. Κείων πολιτεία frg. 511 [Schol. Theocr. V 53. Heraclid. Pont. IX 2. Hesych. Et. M.], vgl. Bd. II S. 854). Dass man die B. zur Britomartis in Beziehung setzte, mag etymologische Spielerei sein (Et. M. s. Βριτόμαρτις). Bereits die Alten brachten diese keïschen B. mit dem lesbischen Dionysos zusammen, der auf dem Vorgebirge Βρῆσα als Βρησαγένης (Collitz Dial.-Inschr. I 292), auch in Smyrna als Βρεισεύς oder Βρησεύς verehrt wurde (Preller-Robert Gr. Myth. I 678, 5) und auch Βρισαῖος (Et. M.) oder Brīsaeus (Pers. sat. I 76) heisst. Nach dem Scholiasten des Persius a. a. O. hatte eine Nymphe Brisa diesen Dionysos genährt, v. Wilamowitz, der diese und andere Beziehungen verfolgt (Homer. Untersuchungen 409, vgl. auch Briseis), schreibt deshalb die B. mit langem ι. Ursprünglich und wirklich bezeugt ist nur die Localsage von Keos und die Beziehung zu Aristaios; das Übrige ist meist mehr oder weniger sichere Speculation, in der wir den Alten folgen und die wir auch durch manche Argumente wahrscheinlicher machen können (z. B. dadurch, dass auch Dionysos die Bienenzucht beschützt, Ovid. fast. III 735f. Preller-Robert [856] I 676, 2, und dass überhaupt Dionysos und Aristaios als Beschützer der Baumkultur und alles dessen, was damit zusammenhängt, verwandte Götter sind), die aber doch noch der urkundlichen Bestätigung harrt.