RE:Codex

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 159–160
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Codex, bedeutet ebenso wie die daneben vorkommende lautliche Variante caudex zunächst einen Klotz vom Baumstamme, ein Scheit Holz (Lyd. de mens. p. 14, 6: κώδιξ ... ὁ φιτρὸς παρ’ αὐτοῖς [scil. τοῖς Ῥωμαίοις] καλεῖται), dann alles, was aus Holzbrettern gefertigt ist. So sagt Seneca (de brev. vitae 13, 4): Claudius is fuit, Caudex ob hoc ipsum adpellatus, quia plurium tabellarum contextus caudex apud antiquos vocatur, unde publicae tabulae Codices dicuntur et naves ... codicariae vocantur. Im besonderen heisst C. die Schreibtafel, die aus einem mit Wachs überzogenen Holzbrettchen bestand; Cato bei Fronto ep. ad Antoninum imp. I 2 p. 99 N.: iussi caudicem proferri, ubi mea oratio scripta est. Wenn mehrere solcher Holzbrettchen durch einen Bindfaden zusammengebunden wurden, dann entstand das Notizbuch, das gleichfalls C., oder in der Deminutivform codicilli (s. d.) genannt wird; Catull im 42. Gedicht identificiert die codicilli mit den pugillaria: das ist der pugillus, den Charisius p. 97 K. definiert pugillus, qui plures tabellas [160] continet in seriem consutas. In späterer Zeit stellte man solche Büchlein nicht nur aus Holz, sondern auch aus anderem Material her; eine Aufzählung giebt Ulpian in den Digesten XXXII 52: quodsi [libri] in codicibus sint membraneis vel chartaceis vel etiam eboreis vel alterius materiae, vel in ceratis codicillis, an debeantur videamus. Wir sehen hieraus deutlich, dass C. hier nicht mehr das Material bezeichnet, sondern das Format: es ist das fertige Buch, wie es durch das Zusammenheften tafelförmiger Lagen entstanden ist; das Buchformat, das bestimmt war, im ausgehenden Altertum die Rolle aus dem Gebrauche zu verdrängen. Die Hss. des Mittelalters sind dem Aussehen nach alle codices, dem Stoffe nach zunächst hauptsächlich membranei (s. Pergament). Nach seinem Inhalte hat der C. eine wichtige Bedeutung erlangt, einmal als Buch im kaufmännischen Sinne (s. Codex accepti et expensi), Soll und Haben; und dann als Sammelwerk rechtlicher Bestimmungen, benannt nach den Kaisern, von denen die Herausgabe veranlasst war, C. Theodosii, Iustiniani (s. d.). Litteratur: Th. Birt Antikes Buchwesen 95ff. Fr. Blass Palaeographie, Buchwesen und Handschriftenkunde, Iw. v. Müllers Handbuch I² 336ff.