RE:Damon 18

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2074
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18) Ein Pythagoreer aus Syrakus, bekannt durch seine Freundschaft mit Phintias. Hierüber berichtete Aristoxenos, der die Geschichte aus dem Munde des jüngeren Dionysios, als dieser sich nach seiner Vertreibung in Korinth aufhielt, selbst gehört haben will, folgendes: Unter den Vertrauten des Dionysios entstand einst ein Streit darüber, ob wohl die vielgepriesene Freundschaft der Pythagoreer sich in der Gefahr als echt erweisen würde. Um die Probe zu machen, beschuldigte man den Pythagoreer Phintias fälschlich eines Anschlages gegen das Leben des Tyrannen, und dieser verurteilte ihn zum Tode. Vergebens beteuerte Phintias seine Unschuld. Als er sah, dass sein Schicksal nicht zu ändern sei, bat er nur um Frist bis zum Abend, um seine häuslichen Angelegenheiten noch vor seinem Tode zu ordnen. Sein Freund D. werde mit dem eignen Leben dafür bürgen, dass er sich rechtzeitig wieder einstelle. Wirklich erklärte sich dieser dazu bereit, und Dionysios nahm die Bürgschaft an. D. wurde allgemein wegen seines leichtsinnigen Vertrauens auf die Treue des Freundes verspottet, allein zum grössten Erstaunen aller kehrte Phintias zurück, als schon die Sonne im Begriffe war unterzugehen. Der Tyrann war so gerührt über diese Treue, dass er die beiden Männer umarmte und küsste und sie bat, ihn als dritten in ihren Freundschaftsbund aufzunehmen; jedoch dazu liessen sie sich auf keine Weise bewegen. So berichtet Iamblich. vit. Pyth. 233 (127. 267) aus der Schrift des Aristoxenos über das pythagoreische Leben. Ebenso Porphyr, vit. Pyth. 60 und Diodor. frg. X 4, 3–6. Cicero (de offic. III 45; Tusc. V 63; de fin. II 79) überträgt den Vorgang in die Zeit des älteren Dionysios; vgl. ferner Val. Max. IV 7, 1. Hygin (fab. 257), dem Schiller in seiner bekannten Ballade folgt, berichtet ganz Ähnliches von Moiros und Selinuntios, Polyaen (strateg. V 21) in stärker abweichender Version von Euephenos und Eukritos.