RE:Dionysios 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 882904
Dionysios I. von Syrakus in der Wikipedia
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Dionysios (Διονύσιος). 1) Dionysios I., der Ältere, Tyrann von Syrakus. Er war Syrakusaner, Sohn des Hermokrates (Xen. hell. II 2, 24. Diod. XIII 91, 3. Polyaen. V 2, 2. Diog. Laert. III 18), und zwar nicht vornehmer, aber guter bürgerlicher Herkunft. Isokr. V 65. Polyb. XV 35, 2. Cic. Tuscul. V 59. Plut. apophth. p. 156 D. Wenn Helladios bei Phot. bibl. p. 530 a 30 ihn zum Sohn eines Eseltreibers macht, so ist darauf nichts zu geben. Geboren um 432 v. Chr. machte er sich zuerst bemerklich als Gegner der herrschenden demokratischen Richtung in Syrakus; er schloss sich dem verbannten Hermokrates an, dem Sohne Hermons; als dieser gewaltsam nach Syrakus zurückzukehren versuchte, war er sein Helfer und ward im Gefechte verwundet. Seine Verwandten sagten ihn tot, und so entging er der Strafe (Diodor. XIII 76, 408/7 v. Chr.). Er muss damals schon angesehen gewesen sein und einflussreiche Freunde gehabt haben. Bald darauf brachte ihn der Krieg mit den Karthagern und die schwere Gefahr, in die das sicilische Hellenentum geriet, an die Oberfläche und an die erste Stelle. Er wurde Soldat und diente zur Zeit der Kämpfe um Akragas als Schreiber beim Collegium [883] der Strategen (Demosth. XX 161. Diod. XIII 96, 4. XIV 66, 4. Polyaen. strat. V 2, 2). Der Krieg ward unglücklich geführt; Ungeschick der Führer, Mangel an Geld und Hülfsmitteln, wie man behauptete auch Verrat und Bestechung bewirkten, dass trotz anfänglichen Erfolgen Akragas von den verbündeten Hellenen nicht behauptet werden konnte, sondern den Karthagern preisgegeben ward (Winter 407/6 v. Chr.). Als damals die verjagten Akragantiner in Syrakus erschienen und über Verrat schrieen, stimmte D. in ihre Anklage ein und beantragte, die Strategen sofort, noch vor Ablauf der Amtszeit, abzusetzen. Er ward in Strafe genommen, da aber, wie man erzählt, ein reicher Freund, Philistos, für ihn die Strafe zahlte, so durfte er weiter reden, und er verstand es, das Volk, das vor den Karthagern voll Angst war, so aufzuregen, dass die Strategen in der That abgesetzt und neue gewählt wurden. D. selbst war einer von diesen, die Mehrzahl jedoch scheint seinen Widersachern angehört zu haben; denn wir finden den D. sogleich in Gegensatz zu ihnen; er bemühte sich erfolgreich, ihr Ansehen zu untergraben und sich als den rechten Mann hinzustellen. Es war damals vor allem nötig, zur Abwehr der Karthager alle Kräfte aufzubieten; nach Italien wie in den Peloponnes gingen dazu Hülfgesuche ab. Da setzte es nun D. durch, dass seine verbannten Freunde, die Anhänger des Hermokrates, zurückkehren durften,: unternehmende Leute, von denen er sich wirksame Beihülfe versprach, da sie von ihm in ihre Besitztümer wieder eingesetzt zu werden hofften.

Zuerst ward er nun in das zunächst bedrohte Gela gesandt, wo schon der Lakedaimonier Dexippos mit einigen Söldnern stand. In Gela lagen die Optimaten mit der Bürgerschaft in Streit; dabei spielten auch die Kriegskosten eine Rolle; denn wir hören, dass die Leute des Dexippos nicht bezahlt wurden. Hier griff nun D. mit rücksichtsloser Strenge zu Gunsten der Menge ein, liess die Reichen hinrichten, zog ihr Vermögen ein, zahlte den schuldigen Sold und konnte seinen eigenen Leuten eine bedeutende Zulage versprechen. Dexippos zwar liess sich nicht gewinnen, aber beim Volke in Gela ward D. höchst populär und die Geloer verkündeten sein Lob in Syrakus und liessen ihn ungern ziehen, als er nach einiger Zeit mit seinen Leuten nach Syrakus zurück ging. Hier begann er sofort den offenen Kampf gegen seine Amtsgenossen, besonders Daphnaios (Aristot. polit. V 1310 b 30, vgl. 1305 a 26). Er behauptete, dass sie ven den Karthagern Geld genommen hätten; um seine Anschuldigung zu beweisen, erzählte er, dass Himilkon, der karthagische Feldherr, sich auch an ihn gemacht habe. Er erklärte, dass er mit ihnen nicht zusammen dienen könnte, sondern lieber sein Amt niederlegen würde. D. ward von seinen Freunden, besonders von dem vornehmen Hipparinos, erfolgreich unterstützt (Aristot. polit. V p. 1306 a 1), das Volk beschloss, die Strategen bei späterer Gelegenheit zur Rechenschaft zu ziehen, zunächst aber dem D. die Leitung des Krieges anzuvertrauen, und wählte ihn mit Hipparinos zum leitenden Strategen (στρατηγὸς αὐτοκράτωρ). Hipparinos ward dem D. als älterer College und Berater an die Seite gestellt; er sollte vielleicht in Syrakus bleiben, während [884] D. ins Feld zog. Die beiden Machthaber traten ihr Amt sogleich an, und das erste, was geschah, war die Verdoppelung des Soldes, um dadurch brauchbare Mannschaften zu gewinnen. D. versicherte, er würde das Geld leicht schaffen (Diod. XIII 91ff.). Dass Hipparinos College des D. war, ist unzweifelhaft bezeugt (s. Plat. epist. 8 p. 353 B. Plut. Dio 3. Aristot. polit. V p. 1306 a 1), und mit Unrecht leugnet es Holm II 428. Hipparinos tritt neben D. zurück, und wir wissen nicht, wie lange er im Amte blieb; er ist übrigens bald gestorben.

Nachdem D. an die Spitze der Gemeinde gestellt war, suchte er seine Stellung gegen die zahlreichen Gegner zu befestigen und sich vor allem eine Leibwache zu schaffen. Er entbot das Bürgerheer in Waffen nach Leontinoi; hier behauptete er, von Mördern überfallen zu sein, und erwirkte sich von der Volksversammlung die Erlaubnis, sich zu seinem Schutze nach eigener Auswahl eine Truppe von 600 Mann zu bilden (Aristot. polit. III p. 1286 b 39; rhetor. I p. 1357 b 31. Polyaen. V 2, 2). Nunmehr war er im Besitz der Gewalt; er besetzte sofort die Befehlshaberstellen im Heere mit seinen Freunden und verbündete sich fest mit dem Anhange des Hermokrates, dessen Tochter er heiratete, während er seine Schwester mit Polyxenos, dem Schwager desselben, vermählte. Dann machte er sich daran, seine Widersacher zu beseitigen, Daphnaios und Demarchos wurden verurteilt und hingerichtet, Dexippos, der Lakedaimonier, heimgesandt. Seine Wohnung nahm er im Arsenal am Kriegshafen. Damit tritt D. seine Herrschaft an im Alter von 25 Jahren, Olymp. 93, 3 = 406/5 v. Chr., bald nach der Eroberung von Akragas. Vgl. Diodor. XIII 95ff. Dion. Hal. VII 1. Xen. hell. II 2, 24. Cic. Tuscul. V 57. Ephoros bei Polyb. XII 4 a, 3. Vgl. Tim. bei Plut. quaest. conviv. VIII 1, 1 und dazu Ed. Schwartz Herm. XXXIV 486 Anm.

Bald ging der Krieg gegen die Karthager wieder an, und D. hatte seine Fähigkeiten darzuthun. Das karthagische Heer hatte in Akragas überwintert, griff im Sommer 405 v. Chr. Gela und Kamarina an und begann, Gela zu belagern. D. kam mit ansehnlicher Macht zu Hülfe; ausser Syrakusiern und andern Sikelioten waren aus Italien und dem Peloponnes Hülfstruppen angelangt, zusammen an 40 000 oder nach anderer Nachricht gar 60 000 Mann und 40 Kriegsschiffe. Nach längerem Warten und kleineren Gefechten beschloss er in Verbindung mit der Flotte in drei verschiedenen Abteilungen einen allgemeinen Angriff auf das karthagische Heerlager. Er selbst führte die mittlere Heersäule, die mitten durch Gela hindurch marschieren musste. Allein der Weg durch die Strassen der Stadt nahm so viel Zeit in Anspruch, dass D. erst auf dem Schlachtfelde eintraf, als die beiden Flügel bereits geschlagen und auf dem Rückzuge begriffen waren. Ohne zum Kampfe gekommen zu sein, zog er sich nach Gela zurück, und nun ward beschlossen, auch dieses zu räumen. Sämtliche Bewohner mussten die Stadt verlassen; D. deckte den Rückzug, der von den Karthagern nicht gestört ward, nötigte dann ebenfalls die Kamarinaeer, ihre Stadt zu räumen; die beiden Bürgerschaften fanden in Syrakus Aufnahme (Diodor. XIII 108–111).

[885] D. war also nicht glücklicher gewesen ab seine Vorgänger, und noch auf dem Rückzüge brach im Heer eine Empörung gegen ihn aus, an deren Spitze sich die syrakusische Ritterschaft befand. Ein Versuch ihn zu töten misslang, da D. auf der Hut war und sich von seinen Söldnern geleiten liess. Dann eilten die Ritter voraus in die Stadt, wo man von nichts wusste, überfielen das Haus des D. bei den Schiffshäusern und misshandelten und entehrten seine Frau. Sie glaubten ihn verloren, aber er eilte ihnen mit den Söldnern nach, drang um Mitternacht in Syrakus ein und überraschte seine Gegner vollständig. Nach kurzem Kampfe zogen die Ritter ab nach Katane, um sich später in Aitne niederzulassen; wenn die Nachricht, die bei Xenophon (hell. II 3, 5) erhalten ist, in richtiger Fassung vorliegt, hat D. sie ziehen lassen. Vgl. Diodor. XIII 113, 8. XIV 8, 7. 9, 5. 15, 2. Als die Masse des Heeres in Syrakus eintraf, war D. schon wieder Herr in der Stadt. Es scheint also, dass Bürgerschaft und Bundesgenossen in ihrer Mehrheit an ihm festhielten. Nur die Geloer und Kamarinaeer trennten sich von Syrakus und siedelten sich in Leontinoi an, das jetzt wieder selbständig ward; vermutlich schlossen sie mit den Karthagern ein Abkommen (Diodor. XIII 112ff. Xen. hell. II 3, 5, vgl. Iustin. V 8, 7). Nun erschienen die Karthager vor Syrakus und fingen an, die Stadt zu belagern. Nähere Nachrichten fehlen hier, da im Texte Diodors eine Lücke ist. Wir erfahren nur, dass die Karthager von Krankheiten befallen wurden und mehr als die Hälfte ihrer Leute verloren, so dass Himilkon die Hand zum Frieden bot. Es wurde ein Vertrag geschlossen, der den Karthagern den Westen der Insel, die Elymer und Sikaner überliess. Die Bewohner der zerstörten griechischen Städte Selinus, Himera, Akragas, Gela und Kamarina erhielten Erlaubnis, in ihre Städte zurückzukehren, durften sie aber nicht befestigen und mussten den Karthagern Tribut entrichten. Syrakus ward dem D. überlassen; die Sikeler, ferner Leontinoi und Messana wurden als autonom anerkannt. Die erbeuteten Kriegsschiffe und Gefangenen sollten beiderseits zurückgegeben werden. Hierauf zog das karthagische Heer von Syrakus ab (405/404 v. Chr.). Inwieweit die übrigen Sikelioten und Italioten, die am Kriege teilgenommen hatten, am Frieden mitwirkten, wird nicht gesagt. Diodor. XIII 114, vgl. das Inhaltsverzeichnis des Buchs. Iustin. XIX 2, 7. R. v. Scala Die Staatsverträge des Altertums I 89. D. hatte durch den erfolgreichen Widerstand die zerstörten hellenischen Städte wenigstens notdürftig wiederhergestellt, er ging jetzt an die Befestigung seiner Herrschaft und richtete auf der Insel Ortygia seine Burg ein. Das Ganze ward durch eine starke Mauer von der Stadt getrennt. Hier lagen die Wohnungen seiner Freunde, die Quartiere der Söldner, hier sein eigener grosser Palast, der noch als Akropolis besonders befestigt war, in die auch die Schiffshäuser und Arsenale am kleinen Hafen eingeschlossen waren. Auch in der Bürgerschaft gab es grosse Veränderungen, wie die letzten Ereignisse sie nötig machten. D. stattete seine Freunde mit Land aus, ergänzte die Bürgerschaft durch Söldner, Fremde, selbst durch freigelassene Sclaven, [886] die Neubürger (νεοπολῖται) genannt und mit Wohnstätten versehen wurden; durch die Hinrichtung und Verbannung zahlreicher Begüterter gab es genug zu verteilen (Diodor. XIV 7).

D. fühlte sich durch den Vertrag mit den Karthagern nicht lange gebunden, sondern wandte sich sogleich gegen die Sikeler, die ja früher den Syrakusiern grossenteils unterworfen und jetzt sämtlich autonom geworden waren. Er belagerte die benachbarte Stadt Herbessos; dabei kam es aber zu einem gefährlichen Aufstand der Bürgertruppen, die nun sofort die Ritter aus Aitne zur Hülfe riefen. D. hob die Belagerung von Herbessos auf und kehrte eilig nach Syrakus zurück. Die Aufständischen hatten vollständig die Oberhand, zumal da Rhegion und Messana ihnen mit 80 Kriegschiffen zu Hülfe kamen. D. ward in der Ortygia belagert, manche seiner Söldner gingen zu den Gegnern über, und er ward so stark bedrängt, dass er Verhandlungen mit den Belagerern anknüpfte, die sich bereit erklärten, ihm mit fünf Schiffen freien Abzug zu gewähren. Es wird bei dieser Gelegenheit erzählt, dass D. schon daran dachte, die Tyrannis aufzugeben, dann aber durch ein treffendes Wort zur Besinnung gebracht wurde (Diodor. XIV 8, 4ff. XX 78. Plut. Cat. mai. 24; an seni 1 p. 483 D; Dion 35; apophth. reg. 175 D. Liv. XXIV 22, 8). Eine ältere Erzählung verlegt diesen anekdotischen Vorgang mit besserem Recht in die Zeit der karthagischen Belagerung. Isokr. VI 44. Aelian. v. h. IV 8. Die Belagerer glaubten schon alles beendet und entliessen einen Teil ihrer Leute, besonders die Ritter, und liessen die Vorsicht ausser acht;, wahrscheinlich fiel es ihnen schwer genug, ihr grosses Heer zusammenzuhalten. Inzwischen warb D. campanische Söldner, die im Dienste der Karthager gestanden hatten und vom letzten Kriege her noch auf karthagischem Gebiet in Sicilien standen. Sie kamen, 1200 Mann, zur Hülfe und schlugen sich durch die feindlichen Linien zu D. hindurch. Auch trafen aus dem Peloponnes frische Truppen ein, und da jetzt unter den syrakusischen Führern Uneinigkeit ausbrach, so gelang es dem D., die Belagerer in einem Treffen bei der Neapolis zu besiegen und die Stadt wieder zu gewinnen. Er benutzte seinen Sieg mit Schonung und bot den Geschlagenen, die sich in der Stärke von 7000 Mann in Aitne gesammelt hatten, Verzeihung und Heimkehr an; ein Teil siedelte sich in der That wieder in Syrakus an und fand gute Aufnahme. Die Campaner entliess D. reich beschenkt; sie machten sich bald darnach in Entella ansässig (404/3 v. Chr., Diodor. XIV 8f. 10, 3). Er konnte jetzt seine Herrschaft durch Befestigung der Burg, durch Entwaffnung der Bürgerschaft und Anwerbung neuer Söldner weiter sichern, wobei ihm die Unterstützung der Lakedaimonier sehr nützlich war. Ihr Gesandter Aristos (oder Aretes nach Diodor. XIV 70, 3) half ihm, die Missvergnügten aufzuspüren und unschädlich zu machen. Zu den Freunden des Tyrannen gehörte besonders Lysandros, der auch einmal als Gesandter bei ihm war. Die Freundschaft mit Sparta hat während der ganzen Zeit des D. unwandelbar gedauert zum beiderseitigen Vorteil; der Tyrann bezog seine Anführer von Sparta, Soldaten aus dem Peloponnes, die spartanische [887] Kriegszucht ward durch ihn in Sicilien eingeführt (Diodor. XIV 10. 44. 58. 62. 70, 3. Plut. Lysand. 2; Pelop. 31. Polyaen. strat. II 31. Isokr. IV 126). D. hat die Lakedaimonier wiederholt in ihren Kriegen unterstützt.

In den nächsten Jahren nach Befestigung der Tyrannis sehen wir ihn am Werke, die benachbarten chalkidischen Städte und die Sikeler zu unterwerfen. Diese Städte waren der Zufluchtsort für die zahlreichen verbannten und vertriebenen Syrakusier, deren Nähe für D.s Herrschaft gefährlich war. Leicht konnte also der Krieg daraus entstehen, zumal da ja schon von früherer Zeit her Syrakus und die chalkidischen Städte meist in Feindschaft lebten, und dazu die Sikeler zum Teil unter syrakusischer Herrschaft gestanden hatten. Die Absichten des D. wurden dadurch gefördert, dass er überall Anhänger fand, die an ihm gegen ihre einheimischen Widersacher eine Stütze suchten. Zunächst eroberte er Aitne, wo sich die verbannten Ritter niedergelassen hatten; in der Nähe gründete er bald darnach am Fusse des Aetna die neue Stadt Hadranon (Diodor. XIV 37, 5, 400/399 v. Chr.). Nach einem Versuch auf Leontinoi wandte er sich dann ins Binnenland, gewann Henna, und schloss mit Archonidas von Herbita Freundschaft, nachdem er zuerst auf ihn einen Angriff unternommen hatte. Von hier zog er gegen Katane und Naxos, die er beide durch Verrat ihrer Führer Arkesilaos und Prokles gewann und besetzte. Beide Städte wurden geplündert und zerstört, die Bewohner verkauft oder vertrieben, Naxos ward den benachbarten Sikelern überlassen, die sich bald darnach in Tauromenion niederliessen, Katane campanischen Söldnern. Schliesslich ward Leontinoi genötigt, sich zu fügen; D. führte die Bewohner nach Syrakus hinüber und machte der Selbständigkeit der Stadt wieder ein Ende (403/2 v. Chr. nach Diodor. XIV 14f., vgl. Polyaen. strat. V 2, 5). Das Schicksal der chalkidischen Städte erregte besonders lebhafte Teilnahme und Besorgnis im stammverwandten Rhegion, wo zugleich viele syrakusische Verbannte lebten, welche die alte Feindschaft gegen D. wach hielten und jetzt die Rheginer in die Waffen brachten. Sie rechneten dabei auf eine Erhebung der Syrakusaner. Auch die messenischen Staatsmänner wurden für das Unternehmen gewonnen, und eine ansehnliche messenisch-rheginische Streitmacht, Heer und Flotte, zog gegen D. aus. Aber noch ehe die syrakusische Grenze überschritten ward, gingen die Messenier wieder nach Hause; ihr Auszug war ohne Zustimmung der Volksversammlung erfolgt; und da die Rheginer allein nicht ausreichten, so ward das Unternehmen vereitelt. Vielleicht hatte D. hiebei seine Hände im Spiel. Vgl. Polyaen. strat. V 2, 18. Beide Städte entschlossen sich jetzt, mit D. ihren Frieden zu machen, und der Tyrann ging darauf ein; denn schon hatte er ein neues grosses Unternehmen vorbereitet, den Krieg gegen die Karthager, auf den er sich bald nach Unterwerfung der Nachbarstädte rüstete (399/8 v. Chr. Diodor. XIV 40).

Der karthagische Krieg war in Syrakus und überhaupt dem griechischen Sicilien höchst populär; die Karthager standen in drohender Nähe; ein grosser Teil der griechischen Städte war ihnen [888] unterthan, die furchtbaren Leiden der letzten Kriege waren noch frisch in aller Gedächtnis und forderten Vergeltung. D. selbst war als Feldherr gegen sie zur Herrschaft gelangt und konnte nur durch einen karthagischen Sieg seine Tyrannis in den Augen des Volkes rechtfertigen. Auch fanden seine Gegner oft bei den Karthagern Zuflucht und Rückhalt (Diodor. XIV 41). Schon durch seine letzten Eroberungen hatte er den Frieden durchbrochen; die Karthager hatten es sich gefallen lassen; denn sie hatten, wie berichtet wird, durch eine mehrjährige verheerende Krankheit, die ihr Heer aus Sicilien nach Africa mitgebracht, schwere Verluste erlitten und waren zum Kriege weder gerüstet noch geneigt (Diodor. XIII 114, 2, vgl. Iustin. XIX 2f.). Diese Lage nutzte D. aus. Er bereitete den Krieg sorgfältig vor, um allen Zufällen gewachsen zu sein. Zunächst erweiterte er schon 402/1 v. Chr. die Befestigung von Syrakus, indem er Epipolai, von wo die Athener angegriffen hatten, und zwar zuerst die Nordseite, ummauerte. Die gewaltige Arbeit ward durch Aufgebot vieler Arbeiter, angeblich 60 000, in verhältnismässig kurzer Zeit unter steter persönlicher fördernder Teilnahme des Herrschers vollendet. Den Abschluss bildete im Westen das grosse, starke Castell des Euryalos. Es ist wahrscheinlich, dass damals schon ganz Epipolai ummauert worden ist, nicht blos, wie manche aus Diodor geschlossen haben, die nördliche Hälfte. Die Vollendung des Ganzen hat jedoch ohne Zweifel länger gedauert, und auch in späteren Jahren wird D. daran gebaut haben, ebenso wie er noch andere Stücke der Stadtmauer ausgebaut oder hinzugethan hat (Diodor. XIV 18. XV 13, 5. Holm Gesch. Sic. II 433. Cavallari-Holm Die Stadt Syrakus, deutsch von B. Lupus, 166ff.)

Als die von Rhegion drohende Gefahr beseitigt war, begannen die weiteren Rüstungen für den Krieg (Diodor. XIV 41ff., vgl. Philistos frg. 34, FHG I 188). Von allen Seiten wurden Arbeiter und Handwerker aufgeboten, Waffen geschmiedet, Schiffe ausgebessert und gegen 200 Kriegschiffe neu gezimmert. Es wurden damals zuerst statt der sonst üblichen Trieren Schiffe grösseren Umfangs, Tetreren und Penteren, gebaut. Eine besondere Sorgfalt ward den Kriegsmaschinen zugewandt; damals wurden die Geschütze (Katapulten) erfunden. Die nötigen Mannschaften für Heer und Flotte kamen teils aus Syrakus, teils von auswärts, auch aus dem Peloponnes. Auch bemühte sich D. um die Freundschaft der Rheginer und Messenier. Letztere gewann er durch Abtretung einiger Grenzgebiete; den Rheginern versprach er ähnliche Vorteile, ward aber entschieden abgewiesen. Dafür schloss er ein festes Bündnis mit den Lokrern, den Nachbarn und Feinden Rhegions, den alten Bundesgenossen der Syrakusier. Er hat Lokroi völlig und für die ganze Zeit seiner Regierung in seine Hand gebracht; er herrschte hier wie in Syrakus und gewann so einen festen Stützpunkt auf italischem Boden (vgl. Plut. Timol. 6. Aristot. polit. V p. 1307 a 38. Polyb. XII 10, 8. Iustin. XX 5. 1). Aber auch andere Italioten leisteten ihm gegen die Karthager Bundeshülfe. Um diese Zeit war es, dass er sich wieder vermählte, wobei er [889] die enge Verbindung mit den beiden beherrschten Städten, Syrakus und Lokroi, zum Ausdruck brachte. Seine erste Frau, die Tochter des Hermokrates, hatte sich nach dem ihr angethanen Schimpf das Leben genommen. Er heiratete jetzt die Syrakusanerin Aristomacha, Tochter seines verstorbenen Freundes Hipparinos, die ihm dieser durch Testament bestimmt hatte, und die lokrische Doris. Um die vollkommene Gleichberechtigung beider Frauen zu zeigen, wurden beide Hochzeiten gleichzeitig, an demselben Tage gefeiert. D. sorgte dafür, wie man erzählt, dass man nicht wusste, mit welcher Frau er sich zuerst vermählt habe. Es geschah unter grossen Festlichkeiten, an denen die ganze Bürgerschaft teilnahm. Auch sonst zeigte er sich milde und bemühte sich, seine Herrschaft möglichst wenig drückend zu machen (Diod. XIV 44. Plut. Dio 3. Schol. Plat. epist. 320 A. Cic. Tuscul. V 59. Aelian. v. h. XIII 10). Als er seine Rüstungen vollendet hatte, schlug er los. Auf seinen Antrag beschlossen die Syrakusier den Krieg zur Befreiung der hellenischen Städte Siciliens. Dann fiel man in Syrakus und anderswo, selbst in den griechischen Städten des karthagischen Gebiets, über die zahlreich angesessenen karthagischen Kaufleute her, brachte sie um und plünderte ihre Habe zur Vergeltung der vielen von den Karthagern verübten Grausamkeiten der früheren Kriege. Dies hatte, wie man sagt, die heilsame Wirkung, dass in Zukunft die Karthager sich vorsahen und menschlicher verfuhren. Zugleich ward den Karthagern der Krieg erklärt, wenn sie nicht bereit seien, die eroberten hellenischen Städte freizugeben. Sie lehnten diese Forderung ab, und die Feindseligkeiten wurden eröffnet (Ol. 95, 4 = 397/6 v. Chr , Diod. XIV 45, 2ff.).

Da die Karthager nichts vorbereitet hatten, so war D. zuerst weit überlegen. Er zog wahrscheinlich im Sommer 397 v. Chr. mit stattlichem Heer in den karthagischen Westen. Die griechischen Gemeinden der karthagischen Herrschaft schlossen sich ihm sämtlich an und leisteten Zuzug, auch aus Italien kamen Hülfstruppen, so dass D. sein Heer auf 80 000 Mann Fussvoik und 3000 Reiter brachte. Die Hauptmacht wandte sich gegen Motye, das zu Lande und zu Wasser mit aller Macht belagert und nach langer Verteidigung und manchen Wechselfällen erobert und zerstört ward. Vergebens hatte die karthagische Flotte Entsatz zu bringen und den D. durch einen plötzlichen Angriff auf den Hafen von Syrakus abzuziehen versucht. Es unterwarfen sich ferner die Sikaner, auch Eryx und andere Städte wurden erobert, nur wenige, wie Egesta, leisteten erfolgreichen Widerstand (Diodor. XIV 47ff. Polyaen. strat. V 2, 6). Im nächsten Jahre erschien D. aufs neue im Felde, um die Eroberung des Westens zu vollenden. Jedoch inzwischen hatten die Karthager ein überlegenes Heer gerüstet und landeten unter Himilkon in Panormos. D. sandte ihnen seinen Bruder Leptines mit einer Flottenabteilung entgegen, konnte aber die Landung nicht hindern. Nunmehr musste D. die eroberten Landschaften wieder räumen und zog auf Syrakus zurück. Vorsichtig verzichtete er auf eine Feldschlacht und richtete Stadt und Landschaft zur Verteidigung ein, wozu er alles aufbot, selbst Sclaven nahm er [890] auf die Flotte. Die Campaner in Katane mussten in das festere Aitne übersiedeln. Leontinoi und andere Castelle der Landschaft wurden befestigt (vgl. Polyaen. V 2, 9). Die Karthager rückten in der That zum Angriff vor, eroberten und zerstörten das schwach verteidigte Messana und zogen weiter, die Sikeler traten grösstenteils (ausgenommen die Assoriner) auf ihre Seite und leisteten Zuzug. Da sich wegen eines frischen Ausbruchs des Aetna bei dem weiteren Vormarsch die karthagische Landmacht von der Flotte trennen musste, versuchte D. sich auf die letztere zu werfen, aber eine Seeschlacht bei Katane fiel ungünstig aus, und er zog sich jetzt ganz nach Syrakus zurück, wo er bald eingeschlossen und zu Lande und zu Wasser belagert ward. Anfangs war seine Lage sehr bedrohlich, zumal da sich bei dem üblen Verlaufe des Krieges in Syrakus seine Gegner regten; ein Redner, Theodoros, stand auf und forderte ihn vor allem Volk auf, die Herrschaft niederzulegen, auch die Söldner wurden zum Teil schwierig (Diodor. XIV 65f. 72, 2). Aber es zeigte sich zunächst, dass Syrakus durch die neue Befestigung ausserordentlich widerstandsfähig geworden war, es konnte nicht einmal blockiert werden, sondern die Verbindung mit der Aussenwelt blieb bestehen. Aus Italien und dem Peloponnes, auch aus Korinth kamen für D. Verstärkungen, Mannschaften und Schiffe mit dem spartanischen Nauarchen Pharakidas. Die populäre Bewegung blieb ohne Erfolg, da Pharakidas fest zu D. hielt. So gewann der Widerstand neue Kraft. Die Belagerten unternahmen glückliche Streifzüge, dagegen im karthagischen Lager in der ungesunden Niederung am grossen Hafen entwickelten sich verheerende Krankheiten. Schliesslich gelang es dem D., durch Überfall einen Teil des feindlichen Schiffslagers zu nehmen, viele Schiffe in Brand zu stecken oder zu erobern. Er konnte daran denken, den Karthagern den Rückweg zu verlegen, und Himilkon sah sich genötigt, zu capitulieren. Gegen Zahlung von 300 Talenten erhielt er für sich und die karthagischen Bürger freien Abzug, die übrigen überliess er ihrem Schicksal. Das Heer fiel auseinander, die meisten kamen um oder wurden gefangen, nur die Sikeler retteten sich bei Zeiten, und die Iberer blieben fest zusammen. Mit diesen schloss D. einen besonderen Vertrag und nahm sie in seine Dienste (396/5 v. Chr. Diodor. XIV 54–76. Trogus prol. 19, vgl. Isokr. VI 44f.).

Dieser Erfolg befestigte zugleich die Herrschaft des Tyrannen und gewährte ihm zunächst die Mittel, seine störrischen Söldner zu befriedigen; ihr Führer, der Lakedaimonier Aristoteles, ward in die Heimat zurückgesandt, die Mannschaften beschwichtigt und in Leontinoi angesiedelt. Er bildete sich dann durch neue Werbungen ein anderes Heer. Die Karthager waren (stark geschwächt und in den nächsten Jahren durch einen Aufstand der Numider gelähmt, wurden sogar eine Zeit lang belagert (vgL Iustin. XIX 3). So hatte denn D. Musse, das Verlorene zurück zu gewinnen. Er brachte zunächst das östliche und nordöstliche Sicilien in seine Gewalt und hat die dortigen Gemeinden gründlich umgestaltet. Er gewann Messana zurück (nach Polyaen. V 2, 18 durch Eroberung und mit Hülfe [891] innerer Zwistigkeiten, was zweifelhaft erscheint, da Messana schon vorher dionysisch war) und verstärkte die Bürgerschaft durch Colonisten aus Lokroi und Medma. Bald darnach gründete er mit peloponnesischen Messeniern auf der Nordküste Siciliens eine neue Stadt Tyndaris. Die Sikeler wurden wieder zur Unterwerfung gebracht, ihre bedeutendsten Fürsten traten wieder mit ihm in Bündnis, Kephaloidion, Solus und Henna, vielleicht auch Himera wurden erobert (396/5 v. Chr., Diodor. XIV 77f. Polyaen. V 2, 10. (Frontin. strat. VII 4, 4; vgl. Aen. poliorc. 10 p. 23 Herch.). Diese Fortschritte des D. erweckten aufs neue die Feindschaft der Rheginer, die sich im Kriege gegen Karthago, wie es scheint, neutral verhalten hatten. Rhegion war immer noch die Zuflucht der Tyrannenfeinde, und vergeblich hatte sich D. früher um ihre Gunst bemüht. Ehe er die lokrische Frau nahm, soll er ein Mädchen aus Rhegion zur Ehe begehrt haben, aber schnöde abgewiesen worden sein. Die Tochter des Henkers soll man ihm geboten haben (Diodor. XIV 107, 3. Strab. VI 258). Jedenfalls bestand zwischen D. und den Rheginern unversöhnliche Feindschaft. Die Rheginer siedelten ihre Schützlinge, die vertriebenen Naxier und Katanaeer, in Mylai auf dem Gebiete Messanas an und versuchten selbst Messana zu besetzen, wurden aber abgeschlagen und verloren dabei auch Mylai. D. war um diese Zeit mit den Sikelern beschäftigt, denen er früher Naxos angewiesen, die dann später Himilkon ins benachbarte feste Tauromenion verpflanzt hatte. Er belagerte Tauromenion bis tief in den Winter hinein. In einer hellen Nacht versuchte er schliesslich die Stadt zu überrumpeln und drang wirklich ein, wurde aber mit bedeutendem Verlust wieder herausgeworfen und wäre beinahe in Gefangenschaft geraten. Infolge dieses Unfalls sagten sich Akragas und Messana von ihm los, müssen aber beide, wenigstens Messana, bald wieder ihm zugefallen sein (394/3 v. Chr. nach Diodor. XIV 88; dort gilt § 5 Μεσσήνιοι für verderbt, Holm II 124. 438 denkt an Kamarina).

Hierin darf man vielleicht schon eine Einwirkung der Karthager sehen, die um 393 v. Chr. unter Magon wieder ins Feld rückten und vielen Zulauf hatten. Zunächst kämpfte D. mit Erfolg; bei Abakainon besiegte er den Magon, wandte sich nach diesem Siege unerwartet gegen Rhegion, verheerte das Land und nötigte die überraschten Rheginer, auf ein Jahr Waffenstillstand zu schliessen (Diodor. XIV 90). Aber im nächsten Jahre ward Magon ansehnlich verstärkt und zog ins Binnenland gegen die Sikeler zu Felde. Am Flusse Chrysas bei Agyrion lagerte ihm D. längere Zeit gegenüber, und es gelang ihm mit der Unterstützung des Agyris, des mächtigsten unter den Sikelerfürsten, dem karthagischen Heer die Lebensmittel abzuschneiden und es in starke Bedrängnis zu bringen. Die Syrakusaner drangen in ihren 6 Herrscher, durch einen entschlossenen Angriff den Feind zu vernichten, aber D. wollte sich auf eine Feldschlacht nicht einlassen, sondern die Karthager durch Hunger bezwingen. Darüber gerieten, wie berichtet wird, die Syrakusaner in solche Empörung, dass sie das Heer verliessen. Aber D. rief nun die Sclaven der Syrakusaner zur Freiheit, vermutlich um sie ins Heer einzustellen, schickte [892] sie aber bald nach dem Friedenschluss ihren Herrn wieder zurück. Denn von dem Zwist im syrakusischen Lager hatten die Karthager den Vorteil; sie wurden aus der Not befreit. Andrerseits war bei der aufsässigen Haltung der Syrakusaner dem D. der Friede erwünscht, und als nun Magon ihm Anerbietungen machte, nahm er sie gern an. Die Bedingungen, über die man sich einigte, waren die früheren von 404 v. Chr., nur dass jetzt die Sikeler ausdrücklich dem D. zugesprochen wurden. Ob zugleich, wie vermutet worden ist (Beloch L’imp. Sicil. di Dionisio 6; Gr. Gesch. II 163), die Oberherrlichkeit über sämtliche hellenische Städte, auch Sclinus, Akragas und Gela, von den Karthagern auf D. überging, ist zweifelhaft, einen sicheren Beweis dafür giebt es nicht. Mit den Sikelern kam nun auch Tauromenion in die Gewalt des D., der die Bewohner meist vertrieb und seine Söldner ansiedelte (392/1 v. Chr., Diodor. XIV 95f.).

In der nächsten Zeit wird sich D. damit beschäftigt haben, seinen Besitz zu befestigen und auch die Sikeler vollständig zu unterwerfen. Es lässt sich bemerken, dass seitdem von Sikelerfürsten, die vorher eine ansehnliche Rolle spielten, nicht mehr die Rede ist. Bald gab dann der karthagische Friede dem Tyrannen die Möglichkeit, sich gegen seine Gegner in Italien zu wenden, vor allem die Rheginer. Es war die Zeit, wo die Lukaner in Unteritalien schon festen Fuss gefasst und sich den Italioten so furchtbar gemacht hatten, dass diese sich zu einem Bunde zusammenschlossen, an dem besonders die achaeischen Städte, Thurioi, Kroton und Kaulonia, teilnahmen (vgl. Polyb. II 39, 6, wo vielleicht dies Bündnis gemeint ist). Von Lokroi aus unternahm D. 390/89 v. Chr. den ersten Angriff auf Rhegion, musste aber wieder abziehen, da die Krotoniaten zur Hülfe kamen, auch die ungünstige Jahreszeit herannahte. Er verbündete sich mit den Lukanern, die nun einen Kriegszug gegen Thurioi rüsteten. Als sich jedoch die Streitkräfte der übrigen Italioten sammelten, gaben sie den Angriff wieder auf, worauf sich die Thurier allein zu einem Zuge quer über die Halbinsel gegen Laos entschlossen. D. sandte damals den Lukanern eine Flottenabteilung unter seinem Bruder Leptines zur Hülfe, und vor dessen Augen vollzog sich bei Laos die grosse Niederlage der Thurier, von denen sich ein Teil auf die syrakusischen Schiffe rettete. Leptines nahm sich ihrer an und vermittelte einen Frieden mit den Lukanern, sehr zum Missvergnügen des D., der die Lukaner noch weiter gegen die Italioten benutzen wollte, den Leptines vom Commando entfernte und durch Thearidas, einen andern Bruder, ersetzte (Diodor. XIV 100ff., vgl. Dion. Hal. XX 7). Schon im nächsten Jahr (388 v. Chr.) nahm er von Messana aus das italische Unternehmen wieder auf. Nachdem er durch Thearidas bei den liparaeischen Inseln zehn rheginische Schiffe abgefangen hatte, schritt er zum Angriff auf Kaulonia. Die Italioten kamen den Angegriffenen zur Hülfe; ihr Landheer setzte sich unter Befehl des Heloris, eines syrakusischen Verbannten, von Kroton aus in Bewegung. D. zog ihnen entgegen und schlug sie durch einen überraschenden Angriff am Flusse Elleporos vollständig (vgl. Polyb. I 6, 2. Polyaen. V 3, 2). Heloris [893] fiel, ein grosser Teil des feindlichen Heeres ward auf einer Anhöhe eingeschlossen und musste sich am nächsten Tage bedingungslos ergeben. D. übte unerwartete Milde und liess die Gefangenen frei; dafür verstanden sich die Italioten zum Frieden und schlossen mit D. Freundschaft, vielleicht sogar Bündnis; denn bald danach sendet D. syrakusische und italische Schiffe nach Hellas (Xen. hell. V 1, 26). Aber sie mussten Rhegion und Kaulonia dem D. preisgeben, der nun sogleich vor Rhegion erschien. Die Stadt bequemte sich zu den härtesten Bedingungen; sie musste eine grosse Summe Geldes zahlen, ihre Kriegsflotte, 70 Schiffe, ausliefern und Geiseln stellen. Dann ward Kaulonia umlagert, erobert und zerstört; die Bewohner mussten nach Syrakus übersiedeln, wurden aber im übrigen schonend behandelt; D. bewilligte ihnen auf fünf Jahre Steuerfreiheit. Ihr Gebiet ward zu Lokroi geschlagen. Damals oder später haben auch die Krotoniaten Skylletion an Lokroi abtreten müssen (389/8 v. Chr. Diodor. XIV 103ff. Strab. VI 261). Dasselbe Schicksal wie Kaulonia hatte im nächsten Jahre Hipponion (Eiponion, Dion. Hal. XX 7), und dann schritt D. zum endlichen Angriff auf Rhegion, das nunmehr, seiner Flotte beraubt, weniger widerstandsfähig war. Er brach, wie erzählt wird, eine Gelegenheit vom Zaune, schickte die Geiseln zurück, erklärte den Krieg und begann die Stadt mit aller Macht zu belagern; er baute dabei Maschinen von ungewöhnlicher Stärke. Die Rheginer verteidigten sich aufs äusserste, D. selbst wurde ernstlich verwundet; erst nach elfmonatlicher Gegenwehr wurden sie durch Hunger bezwungen und grausam bestraft. D. liess seinem Hasse gegen Rhegion freien Lauf; keine Stadt scheint er mit gleicher Härte behandelt zu haben (387 v. Chr., Diodor. XIV 111f. Frontin. strat. III 4, 3. Aristot, Oecon. II p 1349 b 17. Philostrat, vit. Apollon. VII 2. Suid. s. Ῥηγίνους; die Nachrichten zeigen im einzelnen manche Abweichungen). Die Stadt hörte auf als selbständige Gemeinde zu existieren, wurde aber schwerlich ganz zerstört, da wir hören, dass D. daselbst einen Palast besass; es blieb also in Rhegion jedenfalls eine dionysische Ansiedelung und Festung. Theophr. h. pl. IV 5, 6 und daraus Plin. n. h. XII 7.

Die Zeit der Belagerung und Eroberung Rhegions wird bestimmt durch den von Polyb. I 6, 2. Diodor. XIV 110. 113 überlieferten Synchronismus, wonach die Belagerung Rhegions gleichzeitig mit der Eroberung Roms durch die Gallier im Jahre des antalkidischen Friedens Ol. 98. 2 = 387/6 v. Chr. sich ereignete. Die Belagerung wird also Mitte 387 angefangen haben und in der ersten Hälfte 386 v. Chr. zu Ende gegangen sein. Darnach wird man den Sieg am Elleporos 388 zu setzen haben.

Mit der Eroberung Rhegions sind die langen Kämpfe, die D. um seine Herrschaft zu bestehen hatte, in der Hauptsache zu Ende. Er war jetzt anerkannter Herr der Sikeler und fast sämtlicher griechischer Gemeinden der Insel; Zweifel bestehen nur bei den Städten der Südküste, die vielleicht wenigstens zum Teil noch unter karthagischer Oberherrlichkeit standen. Dazu kam das südlichste Stück Italiens bis zur Grenze des [894] krotoniatischen Gebietes. In den nun folgenden Friedensjahren dehnte D. sein Herrschaftsgebiet noch weiter aus. Vor allem wandte er sich dem adriatischen Meere zu, wo bereits eine Reihe von hellenischen Plätzen und Factoreien bestanden. Er gründete an der illyrischen Küste Lissos, auch Issa, eine syrakusische Colonie, mag von ihm besiedelt sein (Skyl. 23. Scymn. 413 und dazu C. Müller, der bei Diodor für Lissos Issa herstellen will), er schloss mit den Illyriern Freundschaft und führte mit ihrer Hülfe den Molosser Alketas, seinen Schützling, nach Epirus zurück. Seine Besatzung in Lissos rettete bald darauf Pharos, die Colonie der Parier, vor einem überlegenen Angriff der benachbarten Illyrier (385/4 v. Chr., Diod. XV 13). Er setzte sich an den Pomündungen fest und trat mit den Galliern in Verbindung; sie gaben ihm Söldner und sollen ihm eine Gesandtschaft geschickt haben. Die fossa Philistina, ein Mündungscanal des Po, hat in dieser Gegend das Andenken an D. lange erhalten. Adria war seine Colonie; auch mit den Venetern stand er in Verkehr; sie lieferten ihm Rennpferde. An der umbrischen Küste entstand unter ihm Ankon, das spätere Ancona, wo sich Syrakusier niederliessen, die sich seiner Tyrannis entziehen wollten (Iustin. XX 5,4. Plin. III 121. Etym. M. s. Ἀδρίας. FHG IV 407. Strab. V 212. 241). Ob jedoch Numana (a Siculis condita Plin. III 111) von D. angelegt ist, ist sehr zweifelhaft. Ohne Zweifel hat er am adriatischen Meere mit den Etruskern zu thun gehabt, den alten Feinden seiner Stadt und berüchtigten Seeräubern, die auch nach der gallischen Invasion einen Teil der Küste behaupteten. Er hat sie aber besonders am tyrrhenischen Meere aufgesucht. Mit grosser Macht ist er 384/3 v. Chr. gegen sie ausgezogen. Sein Hauptziel scheint Korsika gewesen zu sein. Unterwegs landete er bei Pyrgoi, dem Hafenort Agyllas (oder Caeres), eroberte ihn, schlug die zur Hülfe eilenden Agyllaeer und machte grosse Beute. Besonders der Tempel einer weiblichen Gottheit, Eileithyia oder Leukothea genannt, musste seine reichen Schätze hergeben (Diod. XV 14, 3. Strab. V 226. Aristot. oecon. II p. 1349 b 33. Polyaen. V 2, 21. Aelian. v. h. I 20).

Auf Sicilien herrschte einige Jahre Friede, aber nicht auf lange; denn bald stiess D. wieder mit den Karthagern zusammen, die auf der Insel immer noch sehr mächtig waren und wahrscheinlich auch einige hellenische Städte der Südküste beherrschten. Es scheint, dass ihre sicilischen Unterthanen sich gegen sie empörten und sich an D. wandten, dieser nahm sie in sein Bündnis auf und wies die Vorstellungen der Karthager ab. So kam es zu einem neuen, dem dritten Kriege (383/2 v. Chr.). Diesmal fanden die Karthager in Italien Bundesgenossen und schickten Truppen dahin; es ist daher in Italien und auf Sicilien gekämpft worden. Die karthagische Hauptmacht ging unter Magon nach Sicilien. Der schlechte Zustand unserer Überlieferung gestattet nicht, vom Verlaufe der Ereignisse ein deutliches Bild zu geben. Auf Sicilien siegte D. bei Kabala (unbekannter Lage) in einer grossen Schlacht, in der Magon fiel und die Karthager solche Verluste hatten, dass sie um Frieden baten. D. verlangte von ihnen die Räumung Siciliens, also sehr viel, [895] sie aber wussten durch scheinbare Nachgiebigkeit Zeit zu gewinnen und neue Kräfte zu sammeln. Der Sohn und Nachfolger Magons schlug den D. bei Kronion, wobei Leptines, der Bruder des Tyrannen, seinen Tod fand. Als nun die Karthager Frieden boten, nahm D. das Anerbieten an. Es ward bestimmt, jeder Teil sollte behalten was er hätte; Selinus und das akragantinische Gebiet bis zum Halykos ward den Karthagern ausdrücklich zugesprochen, der östliche Teil der Südküste, also Akragas, Gela und Kamarina fiel dem D. zu, der ausserdem den Karthagern 1000 Talente zahlen musste (vgl. Plat. epist. VII 332 E). So erzählt Diod. XV 15ff.; aber es muss andere stark abweichende Darstellungen des Krieges gegeben haben, vgl. Polyaen. V 10, 5. VI 16, 1. V 8, 1. 9. Aelian. v. h. XIII 45. Wichtig ist der Friedenschluss, durch den auf längere Zeit der Halykos zur anerkannten Grenze des karthagischen Gebietes gemacht wurde.

Viel länger dauerte der Krieg in Italien. Wir hören von verschiedenen Unternehmungen des D., der hier selbst anwesend war, von einem vergeblichen Angriff auf Kroton und Thurioi, von der Beraubung des Heratempels auf Lakinion (Iustin. XX 5, 2. Aelian. v. h. XII 61. Athen. XII 541 B. Aristot mirab. ausc. 96 p: 838 a 19). Auch mit den Lukanern, seinen früheren Bundesgenossen, muss D. in Krieg geraten sein; also hatten sie sich mit den Italioten verbündet. Er versuchte, angeblich um das Land zu schützen, eine Mauer an der schmalsten Stelle quer über die Halbinsel zu ziehen, um dadurch die italischen Griechen zu teilen; aber die nördlich wohnenden hinderten es (Strab. VI 261, vgl. Plin. n. h. III 95. Iustin. XXIII 1, 11). Schliesslich ist es dem Tyrannen gelungen, Kroton zu erobern; da er es 12 Jahre lang beherrscht haben soll, so würde die Eroberung 379 v. Chr. zu setzen sein (Dion. Hal. XX 7. Liv. XXIV 3, 4). Auch Tarent und Metapontion haben sich an dem Kriege beteiligt, der aber später zum Frieden führte. Dem Frieden sollen sich vor allem die Pythagoreer lange Zeit widersetzt haben, bis es dem D. gelang, sie umzustimmen (Polyaen. V 2, 22. 8, 2; vgl. Iambl. vit. Pyth. § 189ff.) Sicher ist, dass später Tarent und die dort regierenden Männer, Archytas und seine Freunde, zu D. in freundschaftlichem Verhältnis standen. Über Kroton ist die Herrschaft des D. nicht hinausgegangen.

Die Karthager haben während des Krieges noch einmal versucht, in Italien einzugreifen, als sie das zerstörte Hipponion wieder aufrichteten. Aber eine Pest brach bei ihnen aus, und im Anschluss daran entstand eine Empörung ihrer Unterthanen in Africa und Sardinien, die sie erst nach einiger Zeit überwinden konnten (379/8 v. Chr. nach Diod. XV 24). Die hiedurch herbeigeführte Schwächung ihrer Macht war dann für D. der Anlass, gegen Ende seiner Regierung nochmals einen Angriff auf das karthagische Sicilien zu richten. In der That gelang es ihm, Selinus, Entella und Eryx zu nehmen; dann belagerte er Lilybaion, das inzwischen in der Nähe des zerstörten Motye entstanden war. Aber er musste die Belagerung dieser Stadt wieder aufgeben; da nun zugleich seine im Hafen von Eryx liegende Flotte sich von den Karthagern [896] überfallen liess und starke Verluste hatte, so schloss er eine Waffenruhe ab (368/7 v. Chr., Diod. XV 73, vgl. Isocr. epist. 1 § 8), und bald darnach machte der Tod seinen kriegerischen Absichten vollends ein Ende. Die Karthager aus Sicilien zu verdrängen, ist ihm also nicht gelungen; seine Feinde behaupteten, er habe es gar nicht gewollt, da die Furcht vor den Karthagern zur Erhaltung seiner Tyrannis nötig sei.

Was D. erreichte, war die Herrschaft über den grössern Teil Siciliens, über alles, was östlich vom Halykos und Himeras war, also über die griechischen Gemeinden von Akragas und Himera oder Therma an (über Himera vgl. Aen. pol. 10, 22), sowie die Stämme und Städte der Sikeler, deren Hellenisierung und Dorisierung D. mächtig gefördert hat. In Italien hat er seine Herrschaft an der Westseite bis Hipponion, im Osten bis Kroton ausgedehnt, weiter nicht. Er beherrschte diese Städte unmittelbar, z. B. Akragas, Gela und Himera wurden als selbständige Gemeinden nicht wieder hergestellt, sondern von D. selbst durch Besatzungen und Commandanten verwaltet oder beaufsichtigt (Plat. epist. VII 331 E. Aen. poliorc. 10, 22). Ähnlich scheint es überall gewesen zu sein, wenn auch von Haus aus zwischen Verbündeten und Unterworfenen ein Unterschied bestanden hat, und den beherrschten Städten eine gewisse communale Selbständigkeit nicht gefehlt haben wird. Aber es ist bezeichnend, dass unter D.s Herrschaft die Gemeinden seines Reichs, mit geringfügigen Ausnahmen, ihre Münzprägung eingestellt haben, ausser Syrakus, wo D. die Prägung besorgte und sein ganzes Reich damit versorgte, das somit nur eine Münze hatte (vgl. A. Holm Gesch. Sicil. II 446. III 615). Ausser Sicilien und Italien hatte er dann Besitzungen am adriatischen Meere, vielleicht auch einzelne Posten am tyrrhenischen. Weiter noch als sein Besitz reichte sein Einfluss; er scheint in der letzten Zeit seiner Regierung mit allen hellenischen Städten Italiens in Freundschaft gelebt zu haben. Auch mit den einheimischen italischen Völkerschaften unterhielt er freundschaftlichen Verkehr, sie lieferten ihm gute brauchbare Söldner, die in seinem Dienste griechische Bewaffnung, Kriegskunst und Heeresverfassung kennen lernten, besonders die Samniten und Campaner, die er wohl über Neapolis erhielt (Athen. VI 250 D. Plut. Dion 41). Sein Historiker, Philistos, hat von den Samniten berichtet (Philistos frg. 39f., FHG I 189). In Italien gab es niemanden, der ihm an Macht auch nur annähernd gleich gekommen wäre, und es ist wahrscheinlich, dass er an der Entwicklung der italischen Völkerschaften keinen geringen Anteil hat. Aber auch ostwärts, nach Griechenland, machte er seinen Einfluss geltend, und nicht blos bei den Molottern in Epirus. Schon früh haben die hellenischen Politiker ihn in ihre Berechnungen hineingezogen.

Während des korinthischen Krieges hofften ihn die Athener für sich zu gewinnen. Konon plante eine Verschwägerung zwischen D. und Euagoras von Salamis; aus dem Anfang des J. 393 v. Chr. ist ein attisches Ehrendecret für ihn und seine Brüder noch in einigen Resten erhalten (Lys. XIX 19. CIA II 8. Dittenberger Syll.² [897] 66. Köhler Athen. Mitt. I 1ff.). Aber diese Hoffnungen waren eitel. D. blieb den Spartanern treu, und als er mit den Karthagern Frieden geschlossen hatte, sandte er noch vor der Einnahme Rhegions, etwa im Hochsommer 387 v. Chr., den Polyxenos mit syrakusischen und italischen Schiffen ins aegaeische Meer und trug mit dazu bei, den Lakedaimoniern das Übergewicht zur See zu verschaffen und die Athener zum Frieden zu zwingen (Xen. hell. V 1, 26ff.). Er gehörte zu den Grossmächten der damaligen Zeit; gern bemühte man sich um seine Gunst (Diod. XV 23. Isokr. V 65). Auch in den später ausbrechenden Kriegen leistete er den Spartanern Zuzug bei den Kämpfen um Korkyra; das Geschwader, das er sandte, fiel jedoch dem Iphikrates in die Hände und brachte den Athenern ein willkommenes Lösegeld ein (Xen. hell. V 2, 23ff. Diod. XV 47, 7; vgl. XVI 57, 2. Ephoros frg. 141, FHG 1272). Später, nach der Schlacht bei Leuktra, kam D. den Spartanern abermals mit Schiffen und Mannschaften zur Hülfe, zuerst 368, wo seine Truppen, Kelten und Iberer, bei Korinth mit Auszeichnung fochten, dann nochmals 367 v. Chr., wo sie an dem Sieg in der sog. thränenlosen Schlacht einen bedeutenden Anteil hatten (Xen. hell. VII 1, 20f. 28).

Während des grössten Teiles seiner Herrschaft gehörte Athen zu seinen Gegnern, und bei den Athenern hatte sein Name keinen guten Klang. Überhaupt gab seine Tyrannis und ihre Gewalttaten, die Vertreibung seiner Gegner, deren viele sich in Hellas sammelten, besonders auch die Zerstörung so bedeutender hellenischer Städte, zu lauten Anklagen gegen ihn Anlass. Man traute ihm das Schlimmste zu und behauptete sogar, er habe das delphische Heiligtum zu plündern vorgehabt (Diod. XV 13, 1). Einmal bei den Olympien von 388 v. Chr. machte sich der allgemeine Unwille gegen ihn heftig Luft, als D. seinen Bruder Thearidas an der Spitze einer Festgesandtschaft mit Rennpferden und prächtiger Ausrüstung nach Olympia schickte und hier zugleich seine Gedichte vortragen liess. Damals soll Lysias seine olympische Rede gehalten haben, worin er zum Sturz des Tyrannen und zur Befreiung Siciliens aufforderte. Die Menge ward so erregt, dass beinahe das Gezelt der Gesandtschaft geplündert worden wäre (Diod. XIV 109. XV 7. Lys. orat. 33. A. Schäfer Philol. XVIII 187). Diese Angriffe und Diatriben, die dem D. nicht gleichgültig waren, gingen ohne Zweifel hauptsächlich von Athen aus, wobei nicht nur Tyrannenhass, sondern auch die Politik ein Wörtchen mitsprach. Und als die politische Lage anders ward, änderte sich auch die Gesinnung der Athener. Als nach der Schlacht bei Leuktra, 370/69 v. Chr., Athen mit Sparta Bündnis schloss, trat es auch in die Freundschaft des D. ein. D. schickte eine Gesandtschaft nach Athen und ward samt seinen Söhnen mit dem attischen Bürgerrecht beschenkt (etwa Juni 368 v. Chr.), und im nächsten Jahre Februar/März 367 v. Chr. folgte ein förmliches Bündnis nach (CIA II 51f. Dittenberger Syll.² 89. Köhler Athen. Mitt. I 13f.). Auch die attischen Redner wurden jetzt milder gestimmt. Isokrates richtete einen Brief an ihn (Isokr. epist. 1, vgl. or. V 81), D. liess [898] bei den Lenaeen des J. 367 v. Chr. eine Tragoedie, Ἕκτορος λύτρα, aufführen, die den Preis erhielt (Diod. XV 74, 2. Nauck Trag. gr. fr.² 793). In der litterarischen Welt hat dies Ereignis Aufsehen erregt. D. hat seinen Erfolg nicht lange überlebt. Er starb im Laufe des J. 367 v. Chr., etwa 63 Jahre alt, nach 38jähriger Herrschaft (Diod. XΙΙI 96, 4. XV 73, 5. Cic. n. d. IΙΙ 81; Tuscul. V 57. Helladios bei Phot. bibl. p. 530 a 31. Corn. Nepos de regib. 2, 3); wie die Anekdote besagt, veranstaltete er aus Freude über seinen Sieg ein Gelage und übernahm sich so, dass er an den Folgen seiner Unmässigkeit starb (vgl. Aelian. v. h. II 41). Man darf diese bedenkliche Erzählung nicht so verstehen (wie neuerdings noch von E. Schwartz Herm. XXXIV 486, 2 geschieht), als wenn D. unmittelbar nach der Siegesbotschaft gestorben wäre; denn wahrscheinlich starb er erst in der zweiten Hälfte des J. 367 v. Chr. Im Frühjahr dieses Jahres hat er noch die zweite Hülfesendung unter Kissidas abgehen lassen, und als sie Hellas wieder verliess, kann sein Tod noch nicht bekannt gewesen sein (Xen. hell. VII 1, 28f.). Über seine letzte Krankheit ist nichts Näheres bekannt; als er in den letzten Zügen lag, sollen die Ärzte, nach Timaios, sein Ende durch ein Schlafmittel befördert haben, woraus dann weiter die Geschichte entstanden ist, dass er von seiner Umgebung umgebracht worden sei. Sein Sohn liess ihn mit königlicher Pracht bestatten (Plut. Dion 6. Iustin. XX 5, 14. Timaios bei Athen. V 206 E. Plut. Pelop. 34. Cic. n. d. III 84).

Die Tyrannis des D. ist hervorgegangen aus der Volkswahl; er ist der Feldherr, dem sich die Stadt in gefährlicher Bedrängnis anvertraut hat. Aufrecht erhalten wird sie durch Gewalt. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine bestimmte Amtsbezeichnung nicht besteht. Den Königstitel hat D. nicht geführt, wenn ihm derselbe auch gelegentlich beigelegt wird (Polyb. XV 35, 4), hat auch keine Münzen mit seinem Bild und Namen schlagen lassen. Der Name ἄρχων Σικελίας, den er in den erwähnten attischen Volksbeschlüssen führt, ist nicht mit Beloch (L’imp. Sic. di Dionisio 19; Griech. Gesch. II 161) als sein Amtstitel anzusehen, sondern nur eine beschönigende Fassung der allgemeinen Bezeichnung Tyrann von Sicilien. Die Tyrannis stützt sich zunächst auf den persönlichen Anhang der Parteigenossen, die ihn zur Tyrannis befördert haben und wiederum von ihm Förderung erhoffen, am nächsten stehen ihm die Mitglieder seiner Familie, die Verwandten und Verschwägerten, seine Brüder Leptines und Thearidas, seine Schwäger Polyxenos und Megakles, Freunde wie Philistos. Aus ihnen nimmt er seine Gehülfen und Stellvertreter, die in seiner Abwesenheit Haus und Herrschaft behüten. Die wichtigste Stütze ist das stehende Heer, die Söldnertruppe, die er zuletzt auf die ansehnliche Höhe von 10 000 Mann brachte. Meist waren es Peloponnesier, insbesondere Lakedaimonier, daneben aber auch Barbaren, Italiker, Campaner, Iberer und Kelten, auf die er sich besonders gut verlassen konnte. Die Führer sind meist Hellenen, am liebsten Lakedaimonier, aber auch aus andern Gebieten. Auch die Flotte ward zum guten Teil mit Fremden bemannt und von [899] Fremden befehligt (Diod. XV 43, 4. Xen. hell. VI 2, 35. Plat. epist. VII 350 A). Für das Heerwesen sorgte er gut; die Truppen wurden durch Werbungen ergänzt (Diod. XV 14, 4), die Ausgedienten in den Städten, auch in Syrakus, angesiedelt und mit dem Bürgerrecht beschenkt. Die Quartiere der Truppen, soweit sie in Syrakus lagen, befanden sich auf der Ortygia; ebendort hatte D. selbst mit seiner Umgebung seine Wohnung. Es ist ein grosser Complex von Häusern und Gärten, wo auch seine ganze Familie und nähere Umgebung wohnte (Plat. epist. VII 348 C. 349 D). Der Palast war besonders befestigt und umfasste einen Teil des Kriegshafens in sich. Die Herrschenden und der ganze Apparat der Herrschaftwar also auf Ortygia vereinigt, abgeschlossen von der Bürgerschaft und der Stadt. Für den Krieg war alles sorgfältig vorbereitet; die Seemacht bezifferte man auf 400 Kriegsschiffe, an Waffen, Vorräten und Geld war genug vorhanden, um ein grosses Heer längere Zeit zu unterhalten und zu ergänzen (Aelian. v. h. VI 12. Plut. Dion 14; Timol. 13. Diod. XVI 9, 2). Es war eine wirkliche Monarchie, eine militärische Tyrannis, die ihrem Wesen nach kriegerisch war und den Krieg brauchte, um die Soldaten zu beschäftigen und zu belohnen. Unter den Soldaten hielt D. gute Ordnung; er hat ja auch üble Erfahrungen gemacht und mit Meuterern zu thun gehabt, aber er wusste sie zu bändigen und hielt gute Zucht; er konnte es, weil er sie gut bezahlte (Diod. XIV 62, 1. 78, 1. Polyaen. strat. V 2, 1. 11f.).

Dabei war jedoch die Bürgerschaft nicht ganz rechtlos und mundtot. Die Gesetze und die Organe der Verfassung bestanden weiter, dazu gehört vor allem der Rat und die Volksversammlung, die einen gewissen Anteil an den Geschäften behielten. Das Volk beschliesst z. B. den Krieg gegen die Karthager; die Verordnungen und Gesetze des Tyrannen scheinen oft in Form von Volksbeschlüssen ergangen zu sein. Vertreter der Syrakusaner leisten neben dem Tyrannen den Bundeseid beim Bündnis mit Athen. Aber D. hatte die Bürgerschaft ganz in seiner Hand; er allein war Herr und entschied alles (Diod. XIV 45, 2. 64. Aristot. Oeconom. II p. 1349 a 26. CIA II 52. Dittenberger Syll.² 90. Cic. de rep. I 28. III 43). Die Gemeindeämter und Priestertümer bestanden ohne Zweifel in alter Weise auch unter der Tyrannis; wir kennen z. B. Polianomen und Trierarchen (Plat. epist. XIV 363 C. Polyaen. V 2, 12), und es ist wohl möglich, dass diese Beamten vom Volke gewählt wurden. Das höchste Amt, die Strategie, war natürlich dem D. dauernd übertragen. Für den Krieg konnte D. die Syrakusier nicht entbehren. Die Heeresverfassung blieb und ward womöglich noch verstärkt, die junge Mannschaft nach wie vor in den Gymnasien kriegerisch geübt; wenn ein grösserer auswärtiger Krieg zu führen ist, wird sie strenger Aushebung unterworfen (Plut. Dion 30) und tritt unter die Waffen. Das gilt auch für die Flotte, wo gelegentlich Mannschaft und Officiere zur Hälfte Syrakusier sind, im Notfall auch Sclaven eingestellt werden (Diod. XIV 43, 4. 44. 47, 4. 58. 64, 4). Aber auf die waffenfähige Bürgerschaft konnte D. sich nicht unbedingt verlassen und trug daher Sorge, [900] dass sie im Frieden und in der Stadt die Waffen nicht behielt und nach dem Kriege rechtzeitig entwaffnet ward (Polyaen. V 2, 14. Diod. XIV 10, 4 vgl. 95, 3ff.). Nicht nur die Syrakusaner jedoch, sondern auch die andern Unterthanen und Bundesgenossen, auch die Sikeler wurden in ähnlicher Weise zum Heeresdienst herangezogen (Diod. XIV 47, 4. 53, 5. 67, 3; vgl. Aelian. v. h. VI 12).

Für seine Tyrannis und seine Kriege brauchte D. vor allem Geld und war nicht wählerisch, es sich zu verschaffen. Auch hierüber giebt es viele Anekdoten, von denen eine Anzahl in der aristotelischen Ökonomik II 1344 gesammelt sind, wie er den Bürgern ihr Geld zu entlocken weiss, wie er selbst zur Münzverschlechterung greift (was vielleicht eine Art Creditmünze bedeutet, vgl. J. G. Droysen Kleine Schriften II 306ff.), wie er sogar die Tempel nicht schont und dabei noch gottlose Scherze macht (Aelian. v. h. I 20. Cic. n. d. III 83. Arist. Oecon. II 1353 b 20. Polyaen. V 2, 19. Plut. de Isid. et Osir. 71. Athen. XV 693 E. Arist. mirab. 96 p. 838 a 19). Unter den Steuern wird die directe Steuer (εἰσφορά) genannt, die gelegentlich so hoch war, dass sie ein Fünftel des Vermögens betrug (Aristot. polit. V 1313 b 26). Ohne Zweifel wurde die letztere, wie immer, nur im Falle besonderen Bedürfnisses auferlegt, meist für den Krieg. Regelmässig und dauernd waren nur die indirecten Abgaben, Gewerbesteuer, Zölle, Abgaben von den Erträgnissen des Landes. Genannt wird eine Huren- und Viehsteuer (Polyaen. V 2, 12. Aristot. Oecon. II 1349 b 6). Die Eintreibung der Abgaben geschah mit Strenge; die säumigen Schuldner wurden gefangen gesetzt (Iustin. XXI 1, 5. 2, 2), und jedenfalls waren die Syrakusaner stark belastet (Plut. apophth. reg. p. 175 E). Im übrigen hat D. für die Stadt Syrakus sehr viel gethan. Er hat sie zur grössten aller hellenischen Städte gemacht, hat hier in gewissem Sinn ganz Sicilien vereinigt, hat ihr eine unvergleichliche Befestigung gegeben, sie mit öffentlichen Gebäuden, mit Gymnasien, Tempeln, Neorien und Denkmälern geschmückt (Isokr. III 23. Plat. epist. 7 p. 332 C. Diod. XIV 18. XV 13, 5. Plut. Dion 29).

D. war ein Mann von rastloser Thätigkeit, von starkem Herrschergefühl beseelt, der alles selbst nachsah, dabei mässig und nüchtern (Aristot. Oecon. I p. 1344 b 34. Plut. ad princip. inerud. 6; an seni 16; apophtheg. reg. p. 176 A. Cornel. Nepos de regib. 2, 3. Cic. Tuscul. V 57). In den Mussestunden widmete er sich seinen persönlichen Neigungen; er liebte kostbare Stoffe (Polyb. XII 24, 3 = Timaios frg. 71, FHG I 210), er trieb Medicin (Aelian. v. h. XI 11), besonders aber beschäftigte er sich mit litterarischen Dingen. Er war nicht ohne Witz; neben frostigen Scherzen werden auch gute Worte von ihm angeführt (Plut. Alex. virt. I 9 p. 330 E; apophth. reg. p. 176 A B; Galb. 1; Dion 4; de se ipsum laud. 10). Vor allem liebte er die Dichter, man erzählt, er habe sich Schreibtafel und andere Reliquien des Euripides oder Aischylos erworben (Hermipp. frg. 73 b, FHG III 52f. Luc. adv. indoct. 15). Er dichtete selbst Tragoedien und Lieder, wobei er sich durch geschulte Leute helfen liess. Er hatte den Ehrgeiz, auf diesem Gebiete zu glänzen, gab sich auch Mühe genug, aber nach dem einstimmigen [901] Urteil waren seine Dichtungen schlecht und langweilig. Der Sieg an den Lenaeen, 367 v. Chr., galt dem Tyrannen, nicht dem Dichter (Diod. XV 6. 74. XIV 109. Trag. gr. fr. ed. Nauck² p. 793. Plut. Timol. 15; de aud. 7. Athen. III 98 D. XI 482 D. Luc. adv. indoct. 15. Hellad. bei Phot. bibl. p. 532 b 17ff. Suid. s. Διονύσιος). Seine litterarischen Neigungen führten natürlich Litteraten jeder Art nach Syrakus, die sich den Beschwerden und Gefahren des Hoflebens aussetzen mussten; genannt werden der Dithyrambendichter Philoxenos, der Tragiker Antiphon, der Redner Andokides u. a. (Diod. XV 6. Athen. 16 E. Aelian. v. h. XII 44. Plut. de tranq. 12. Aristot. Rhetor. II p. 1385 a 9. Lysias VI 6f. Plut. de aud. 7; de Alex. virt. II 1 p. 333 E. Lucian. XI 13. Suid. s. Ῥηγίνους). Auch Platon war bekanntlich um 388 v. Chr. in Syrakus und machte dort grossen Eindruck, aber er schien gefährlich und ward darum gewaltsam entfernt (Plat. epist. VII 324 A. Plut. Dion 4f. Corn. Nepos Dio 2. Diog. Laert: III 18. Zeller Philosophie d. Gr. II 357f.).

D. führte ein höchst persönliches Regiment; er war ein strenger Herr, der auch unter seinen Anhängern und in der Familie auf Unterordnung hielt; nichts durfte ohne seinen Willen geschehen. Verfehlungen wurden geahndet, selbst sein Bruder Leptines, sein Schwager Polyxenos und sein Freund Philistos, der Historiker, mussten in die Verbannung gehen (Diod. XIV 102, 3. XV 7, 2f. Plut. Dion 9. 11. 21. Aen. poliorc. 10, 21). In seinem Hause duldete er keinen Streit, der ja bei seiner Doppelehe leicht hätte entstehen können. Die Mutter der lokrischen Frau musste es mit dem Tode büssen, dass sie mit Aristomacha der Syrakusanerin in Feindschaft lebte und in den Verdacht der Zauberei kam (Plut. Dion 3). Vor Freunden wie vor Feinden nahm D. seine Herrschaft und seine Person wohl in acht. Todfeinde hatte er ja genug, und es ist wohl glaublich, dass er vor Anschlägen stets auf der Hut sein musste. Er ward daher mit der Zeit argwöhnisch, traute selbst seinen Verwandten nicht, sah lieber minderwertige, abhängige Leute um sich und umgab sich mit allen Vorsichtsmassregeln; daran ist kein Zweifel, wenn auch das einzelne vielfach durch anekdotische Erfindung entstellt ist (Diod. XIV 2, 2. Theopomp. frg. 146, FHG I 303. Cic. Tuscul. V 57f. 63; de off. II 25. Athen. VI 260 D). Er unterhielt Spione und Aufpasser, sog. προσαγωγίδαι, nahm auch Buhlerinnen in seinen Dienst und suchte auf jede Weise seine Feinde und ihre Anschläge kennen zu lernen. Verdächtige wurden beseitigt oder eingekerkert, oft auf lange Zeit; er hat die Latomien als Gefängnis eingerichtet (Plat. epist. VII 332 C. Aristot. polit. V 11, 1313 b 12. Plut. Dion 28; de curios. 16. Polyaen. V 2. 3. 13. 15f. Plut. apophth. vol. I p. 209, 20. 28 Did. Stob. floril. III 42. Corn. Nepos de regib. 2, 2. Cic. in Verr. V 143. Aelian. v. h. XII 44. Lucian. XVII 35). Wer zu ihm kam, musste sich, ehe er vorgelassen ward, entkleiden und ward nach Waffen durchsucht; nur wenige Vertraute wurden ohne weiteres vorgelassen. Bekannt sind die Anekdoten, die man später erzählte, wie er sich dem Schermesser des Barbiers nicht anvertraute, sondern sich Haar und Bart wachsen oder mit Nussschalen absengen liess, und zwar durch seine [902] Töchter, wie er auch dann, wenn er seine Frauen besuchte, die Vorsicht nicht ausser acht liess, und sein Schlafzimmer mit einem Graben umzog, über den eine Brücke führte (Plut. Dion 9. Diod. XX 63, 3. Cic. Tuscul. V 59).

In der Überlieferung und den Vorstellungen der Nachwelt treten die Missbräuche und Gewaltthaten der Tyrannis am meisten hervor, Hinrichtungen, Verbannungen und Gefängnis, wie D. sie im Interesse seiner Herrschaft für nötig hielt; denn um sich zu behaupten und seine Feinde zu vernichten, war ihm jedes Mittel recht; er machte sich nichts daraus, auch die Sclaven gegen ihre Herren aufzurufen (Corn. Nepos 2, 3. Aristot. Rhetor. II p. 1385 a 9. Plut. apophth. reg. p. 176 A; Timol. 8; vit. X orat. I 17; de adul. et amico 27; de Stoic. rep. 37. Diod. XIV 65. 78, 3. Cic. Tuscul. V 58. Aelian. v. h. XIII 34). So wird er dann schon bald zu einem Typus des schlechten, verworfenen Tyrannen, dem man das Schlimmste nachsagte. Man sagte, er habe mehr als 10 000 Bürger ums Leben gebracht, seinen Bruder Leptines aus Neid den Feinden preisgegeben, was ohne Zweifel erdichtet ist, und sogar seine alte Mutter getötet, was ebensowenig glaublich ist (Aristot. eth. p. 1203 a 23; Rhetor. II p. 1401 b 13. Plut. de Alex. virt. II 5. Aelian. v. h. XIII 45; vgl. Plut. Dion 11; apophth. reg. p. 175 F, vgl. Tertull. apol. 50). Timaios (Schol. Aesch. II 10, FHG IV 641) bezeichnete ihn als den bösen Geist, den ἀλάστωρ Siciliens. Und da er nun in einer litterarisch so bewegten Zeit lebte, wo das politische Urteil und die politischen Begriffe geprägt wurden, so ist er für die Beurteilung und die Anschauung von der Tyrannis überhaupt massgebend geworden. Die Attribute derselben entlehnte man von ihm, wie z. B. Xenophons Hieron deutlich zeigt, wobei er dann freilich von seinem Sohne und Nachfolger nicht immer unterschieden worden ist. Doch ist auch das andere Urteil nicht ganz unterdrückt worden; ein Mann der That, wie P. Scipio, hat ihn bewundert, und dass er vor allem das Verdienst hat, Sicilien vor den Karthagern zu erretten, hat man nicht verkannt. (Polyb. XV 35. Isokr. V 65ff. Plut. de sera num. vind. 7. Corn. Nepos de regibus 2, 2).

Die Bevölkerung Siciliens und zum Teil Italiens hat er gründlich verändert. Syrakus und andere Städte erhielten viele neue Bewohner, oft mussten die alten weichen. Das chalkidische Element auf Sicilien ist durch ihn ganz zurückgedrängt worden. Er verpflanzte Bewohner und führte von auswärts ein, Söldner, Einwanderer, selbst befreite Sclaven fanden in den Bürgerschaften Eingang (Aen. poliorc. 40, 2. Polyaen. V 2, 20). Er hat zugleich barbarische Elemente, vor allem Italiker, auf griechischen Boden eingeführt. Kein Zweifel kann sein, dass durch ihn die Macht der unteritalischen Griechen vermindert und im Gegenteil die Lukaner gefördert worden sind (Polyb. II 39, 7. Dion. Hal. XX 7) Er ist der erste griechische Monarch im grossen Stile, mit einem prächtigen Hofhalt (Liv. XXIV 5, 4), und ist für die Ausstattung und Einrichtung der Herrschaft, für das Hofleben und höfische Gewohnheiten vielfach vorbildlich geworden. Später soll sein Namensvetter von Herakleia seinen prächtigen Hausrat angekauft haben (Memnon bei Phot. bibl. p. 224 a 37). [903] Auf Zeitgenossen und Nachwelt hat D. einen grossen Eindruck gemacht; man setzte ihm, wie begreiflich, in Syrakus und anderswo Statuen, und zwar mit den Attributen des Dionysos (Dio Chrysost. XXXVII vol. II p. 299 Ddf.). Auch hat man nicht verfehlt, von allerlei göttlichen Vorzeichen zu erzählen, die seine Geburt oder seine Tyrannis angekündigt (Val. Max. I 7, 6. Timaios FGH IV 641. Cic. de div. I 39. 73. II 67. 136. Plin. n. h. VIII 158. Aelian. v. h. XII 46). Seine Geschichte hat sein Freund Philistos im zweiten Teile, seines sicilischen Werkes geschrieben, aber in schmeichlerischer, parteiischer Darstellung. Das Urteil der Nachwelt ist in der Hauptsache von der gegnerischen Seite bestimmt worden. Die Anfänge erkennt man bei Athanis und in den platonischen Briefen, besonders wirksamen Ausdruck hat es gefunden bei Timaios, der den Philistos benutzt, aber zugleich im tyrannenfeindlichen Sinne bearbeitet hat. Diese Erzählung ist auf Diodor übergegangen, der im 13.–15. Buch unsere Hauptquelle geworden ist; auch die sonstigen Reste alter Überlieferung werden meist auf Timaios zurückgehen. Diodors Erzählung ist ungleich, verkürzt, verschoben, dabei stark rhetorisch und ganz ungenügend, so dass unsere Kenntnis über D. vielfach mangelhaft und unklar ist. Iustinus bietet im 5. und 20. Buche nur spärliche Ergänzungen dazu. Einzelnes liefern die Anekdotensammler, Polyaens Stratageme, die immer mit Vorsicht zu benutzen sind, Plutarchs Apophthegmen und das zweite Buch der aristotelischen Ökonomik.

Neuere Litteratur: Grote History of Greece part II ch. 81–83, vol. X p. 181ff. Ad. Holm Geschichte Siciliens im Altertum Bd. II 92ff. 427ff., wo ältere Schriften angeführt werden. Freeman The history of Sicily vol. III 539ff. IV 1ff. (Deutsche Ausgabe v. Lupus III 448ff.). Otto Meltzer Geschichte der Karthager I 280ff.. Cavallari-Holm Die Stadt Syrakus im Altertum, deutsch von B. Lupus. U. Köhler Athen. Mitt. I 1876, 1ff. Julius Beloch L’impero Siciliano di Dionisio, Memorie della R. acc. dei Lincei, cl. di scienze morali etc. ser. 3 a vol. VII 1880/81. Aug. Martini Die Politik des älteren Dionysius, Progr. Coblenz 1890. Josef Bass Dionysios I. von Syrakus, Progr. Wien 1881.

Seine litterarischen Neigungen richteten sich ganz besonders auf das Dichten von Tragoedien (vgl. auch Aelian. v. h. XIII 17). Ob die Angabe des Suidas, dass er auch Komoedien gemacht habe, mehr als ein Versehen ist, muss dahinstehen. Seine Tragoedien liess er auch in Athen aufführen (Diod. XV 74). Von Stücken werden uns genannt Ἄδωνις, Ἀλκμήνη, Ἕκτορος λύτρα, Λήδα und ein Stück, dessen Titel verderbt überliefert ist, Schol. Il. XI 515: πεποίηται ἐν Λιμῷ τῶν νόσων Ἡρακλῆς (ἐν Λίνῳ νοσῶν Meineke, s. auch unten S. 928, 60ff.). In diesem Stück war der an Wahnsinn kranke Herakles dargestellt, den Silen durch ein Klystier zu heilen sucht. Aus den etwa 15 erhaltenen Versen kann man schwerlich den Spott und die Geringschätzung der Zeitgenossen noch begründen, und die bei Athen. ΙΙI 98 D berichteten Ausdrücke darf man doch nicht als ernsthafte Angaben aus D. nehmen. Es sind Scherze wahrscheinlich der Komoedie, [904] und so sind auch die bei Lukian adv. ind. 15 angeführten Verse aufzufassen. Dahin gehört natürlich auch, dass er sich die Schreibtafel des Aischylos angeschafft habe, um begeisterter zu dichten u. a. Welcker Griech. Trag. 1229ff. Bernhardy Grundriss II 2, 58. Fragmente bei Nauck TGF² 793ff.