RE:Delemitai

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,2 (1901), Sp. 2432–2433
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Delemitai (οἱ Δελεμῖται Theod. Diak. akr. V 23. Cod. Vat. Nr. 163 fol. 60 b, mitgeteilt von C. B. Hase zu Leon Diak. p. 423 s.; Δολομῖται Prokop. hist. VIII 14; Διλιμνῖται Agath. hist. III 17. 18. 22. Suid. [nur das Lemma ohne jede Erklärung]. Theoph. Simok. IV 4; τὸ Διλιμνιτικὸν ἔθνος daselbst IV 3; τὸ Διλμαϊνὸν ἔθνος Theoph. Byz. bei Phot. bibl. cod. 64, arab.-pers. Dailamī, Dēlemī [das Land Dailam, Dēlem], syr. Bailamājē Barhebr. Chron. ed. Bruns u. Kirsch 128), ,das bedeutendste Volk von denen, welche innerhalb des Tigris an der persischen Grenze wohnen‘ (Agathias), ... ,Barbaren, welche, obwohl sie mitten in Persien wohnen, doch niemals dem Perserkönig unterthan geworden sind‘ (Prokop.). Der scheinbare Widerspruch zwischen diesen beiden Angaben löst sich sehr einfach, wenn man annimmt, dass Agathias den Begriff Persien im engeren, Prokop im weiteren Sinne (persisches Reich) fasst. Hierher gehört auch die Bemerkung Jāḳūts (ed. Wüstenfeld II 7llf.): ,Dailamistān [= Dailam Ort], ein Ort in der Nähe von Šahrizūr, 9 Farsaḫ [45 km.] davon entfernt. In den Tagen der Chosroen pflegten die Dailam, wenn sie einen Beutezug unternahmen, dort ihren Aufenthalt zu nehmen. Ihr Gepäck liessen sie in der Nähe und zerstreuten sich überallhin ins Land. Hatten sie dann ihren Beutezug beendet, so kehrten sie dorthin zurück und zogen wieder nach ihren Wohnsitzen.‘ Die Stadt Šahrizūr lag vier Tagereisen von Hamadān entfernt an der Strasse nach Erbil; noch jetzt heisst der östlichste Teil der Statthalterschaft Mossul nach jener Stadt. Man wird kaum fehlgehen, wenn man Dailamistān in dem Grenzgebirge zwischen Persien und Mesopotamien, etwa im Quellgebiet des Dijālā sucht. Die eigentlichen Wohnsitze der Dailam waren jedoch nicht hier, sondern weiter östlich am Süd- und Südwestrande des kaspischen Meeres, dem jetzigen Gīlān. Dieser Name, welcher früher nur den ebenen Teil von Dailam bezeichnete, hat gegenwärtig die alte Bezeichnung der Provinz verdrängt; nur an dem Namen eines Berges Kōh-i-Dailim, zwischen Kazvīn und Rešt (vgl. die Karte bei G. N. Curzon Persia Vol. I, Lond. 1892) haftet sie noch. Über die ethnologische Stellung der Delemiten ist nichts bestimmtes zu sagen. Die Thatsache, dass zwei ihrer Führer (Ζοανὰβ und Σαράμης Theoph. Simok. IV 3) anscheinend arische Namen haben, gestattet keine weitere Schlussfolgerung. Die Delemiten werden öfters im Zusammenhang mit den hunnischen Sabiren, Türken und Kurden genannt. Sie waren sehr kriegslustig (über ihre Bewaffnung s. Prokop. a. a. O., ausführlicher Agathias III 17), lebten unabhängig in ihren schwer zugänglichen Bergen, [2433] zogen aber gern als Söldner mit den Sasaniden, später mit den Arabern zu Felde. Wir finden sie bei den persisch-byzantinischen Kämpfen der zweiten Hälfte des 6. Jhdts. in den Heeren des Chosroes I. und Hormisdas IV., dann nochmals auf Seiten des Ḥamdaniden Saifu-'d-daulah bei der Eroberung Ḥalebs durch Nikephoros im J. 962. Vgl. Nöldeke in seiner Übersetzung des Tabari (Leyden 1879) S. 479. Über die spätere Geschichte des Volkes, im besonderen des ihm entstammten Fürstenhauses der Buvaihī (Bujiden) vgl. Aug. Müller Der Islam I 564ff. II 35ff. Übersichtliche Stammbäume bei F. Justi Iranisches Namenbuch 440ff., Marburg 1895.