RE:Demonax 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 143–144
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Demonax. 1) Kynischer Philosoph des 2. Jhdts. n. Chr., ausschliesslich bekannt durch ein verherrlichendes Lebensbild, das sich unter den Schriften Lukians findet (über die Echtheitsfrage vgl. Bernays Luc. u. d. Kyn. 104f.). Er war [144] gebürtig aus Kypros. Obwohl er einer angesehenen und vermögenden Familie angehörte, entschloss er sich als Kyniker, in freiwilliger Armut zu leben. Seine Lehrer waren Epiktet, Timokrates von Herakleia, Agathobulos, Demetrios. Die zahlreichen im βίος mitgeteilten Chrieen, die ihn u. a. mit Favorinus, Peregrinus Proteus, Herodes Atticus, Apollonios von Tyana, Epiktet in Verkehr bringen, sind meist treffende Witzworte ohne tieferen philosophischen Kern. Den grössten Wert legte er auf die Bedürfnislosigkeit, die Freiheit von Furcht und Hoffen, die Heiterkeit des Gemüts. Der Masse der Kyniker durch Umfang und Tiefe der Bildung überlegen, enthielt er sich durchaus der kynischen Frechheiten und Schamlosigkeiten. Neben Diogenes, dem er in seiner Tracht und Lebensweise folgte, verehrte er besonders Sokrates und Aristippos. An den letzteren erinnert seine freigeistige Stellung zur Volksreligion. Durch seinen Eklekticismus mildert er die kynische Strenge. Selbständige wissenschaftliche Gedanken hat er natürlich nicht. Er hält sich durchaus in den Grenzen populärer Paraenese. Er erreichte ein Alter von fast 100 Jahren und endete sein Leben durch Nahrungsenthaltung, als er sich nicht mehr selbst bedienen konnte, Zeller Ph. d. Gr. IV³ 771.