RE:Elephantis 3

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 23242325
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3) Ἐλεφαντίς, mit einem in Eigennamen häufigen Suffixwechsel auch Elephantine (Ἐλεφαντίνη. Suid. [d. h. Ptolem. Heph.] s. Ἀστυάνασσα). Überlieferung: I. Plin. n. h. XXVIII 81 (s. I. Ind. zu 28) Quae Lais et Elephantis inter se contraria prodidere de abortivis … cum haec fecunditatem fieri iisdem modis quibus sterilitatem illa pronuntiaret, melius est non credere; daneben Exzerpte aus den Schriften von Ärzten und Hebammen (Sotira obstetrix, Salpe). Also Anweisungen über Konzeption und ‚fakultative Sterilität‘ unter ihrem Namen, s. Heinsius zu Ovid. Trist. II 416. Auf ein ähnliches Schriftchen weist Galenus περὶ συνθέσεως φαρμάκων XII 416 K. (aus Soranus περὶ ἀλωπεκίας): γέγραπται δὲ καὶ ἄλλα πολλά, φησίν (Soranus), παρά τε Ἀσκληπιάδῃ καὶ Ἡρακλείδῃ τῷ Ταρεντίνῳ καὶ Ἐλεφαντίδῃ [wohl eine Miß- und Mischbildung aus Ἐλεφαντίδι -ίνῃ, erleichtert durch das vorhergehende Ἡρακλείδῃ] καὶ Μοσχίωνι διὰ τοῦ κοσμητικοῦ. Man könnte die folgenden Rezepte, die den ‚kreisförmigen Haarschwund‘ heilen sollen, zu verteilen suchen und die wunderlichen Vorschriften p. 419 (darin ὀποῦ Κυρηναϊκοῦ) auf E., den offenbar aus einer Quelle stammenden Schlußabschnitt p. 420 (von τὰ ἐφεξῆς γεγραμμένα an) auf Moschion zurückführen. Doch ist auch ohne solche unbeweisbaren Hypothesen der Charakter dieses pseudo-medizinischen Traktätleins klar; es wird allerlei kosmetische Mittel (s. über die Haarpflege Ovid. medicam. fac. 19. 29; Ars III 160ff. Apul. met. II 8. Luc. amores 40) enthalten haben. II. Suet. Tiber. 43: Cubicula … tabellis ac sigillis lascivissimarum picturarum et figurarum adornavit librisque Elephantidos instruxit. Mart. XII 43, 4 molles Elephantidos libelli, in denen veneris figurae behandelt wurden, s. Priap. 4 p. 138 Büch.: Obscenas rigido deo tabellas dicans ex Elephantidos libellis dat donum Lalage rogatque temptes, [2325] si pictas opus edat ad figuras (ähnlich Seneca epigr. 39, PLM IV 73 inque modos omnes dulcis imitata tabellas transeat). Das bei Ptolem. Heph. erwähnte Buch περὶ σχημάτων συνουσιαστικῶν wird also wohl, wie viele medizinischen und naturwissenschaftlichen Bücher, mit Illustrationen ausgestattet gewesen sein, auf die manche Darstellungen des Cabinet secret zurückgehen mögen. In Ovids Ars ist dieser τόπος ziemlich diskret behandelt, III 769ff. Das griechische Werk muß ein richtiges antikes Kâma-Sutra gewesen sein; möglicherweise sind aus ihm manche obszöne Einzelheiten bei den Lexikographen und Scholiasten abzuleiten (s. die Zusammenstellung im Hesychios von Moriz Schmidt Bd. V S. 88). S. auch oben unter Astyanassa Bd. II S. 1866, Anaischyntographoi Bd. I S. 1029, Botrys Bd. III S. 794. Der Name E. ist wohl fingiert; er fügt sich gut in die starke Gruppe von Hetärennamen, die von Tieren hergenommen sind (Fick-Bechtel Griech. Personennamen 321f.). Die Notiz bei Plin. n. h. X 173 kann die Wahl des Namens kaum erklären, eher die Überlieferungen über ägyptischen Luxus bei Athen. III 73 a. IV 149f. Das Buch wird ein Produkt spätalexandrinischer Débauche sein.