RE:Eleusis 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 23362338
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Eleusis (Ἐλευσίς). 1) Der berühmteste Ort dieses Namens lag in Attika und ist wegen seiner Mysterien fast ein Jahrtausend lang ein vielbesuchter Wallfahrtsort gewesen. Eine Beschreibung der durch D. Philios aufgedeckten Mysterienstätte, vor allem des im Lauf der Jahrhunderte aus kleinen Anfängen zu einem großen Kirchenraume sich entwickelnden Telesterions wird in dem Art. Mysteria in größerem Zusammenhange gegeben werden; dahin gehört auch eine Geschichte der Stadt E., die nur den Mysterien ihre Bedeutung verdankt. Hier sei einiges über die Lage von E. vorangeschickt.

Der Ort E., heute Elevsina oder Levsina, wie das elende Albanesendorf in der Nähe der Ruinen und die betreffende Station der Eisenbahnstrecke Athen-Korinth heißt, liegt an der Bucht von E., dem nördlichen Teile der Insel Salamis gegenüber. Die nach ihm genannte Ebene von E., deren östlicher Teil Θριάσιον πεδίον genannt wurde, wird von der Ebene von Athen durch den kahlen, gewöhnlich Aigaleos heißenden Höhenzug getrennt, den der Paß von Dafni, durch den die ἱερὰ ὁδὸς nach Athen führte, in zwei gleiche Hälften teilte (s. Milchhöfer Bd. I S. 947). Den Eindruck, den der Wanderer empfängt, wenn er über die Athen im Westen begrenzenden Höhen zur Ebene von E. hinabsteigt, und ,das blaue Meer wie ein Bergsee zu unsern Füßen liegt‘, hat niemand schöner beschrieben als E. Curtius in seiner Rede über Athen und E. (22. März 1884. Altertum und Gegenwart III1 90ff.). Über die nach E. von Athen führende heilige Straße vgl. F. Lenormant La voie sacrée Eleusinienne, I, Paris 1864. D. Philios Ἐφεημ. ἀρχ. 1904, 61ff. und den Art. Ἱερὰ ὁδός.

Kurz vor dem Übergang der Straße über den eleusinischen Kephisos befanden sich nach Paus. I 38, 4 die Heroa des Hippothoon (vgl. Milchhöfer [2337] Text zu den Karten von Attika zu Heft VII und VIII 1895, 21. 24) und des apollinischen Sängers Zarex, des Vaters des Anios, deren Stätte heute nicht mehr mit Sicherheit nachzuweisen ist. Über hier gefundene Grabmäler vgl. Milchhöfer Athen. Mitt. XII (1887) 325 nr. 463ff. Der Weg nach E. war in diesem längs des Meeres hinführenden Teil sehr sumpfig, sowohl wegen der vielen Überschwemmungen als auch der Ῥειτοί (s. d.) genannten Lagunen wegen. Erst in Hadrians Zeit scheint dieser Teil der ἱερὰ ὁδός endgültig in Ordnung gebracht zu sein (Euseb. Chron. II 285 γεφυρώσας Ἑλευσῖνα κατακλυσθεῖσαν ὑπὸ Κηφισοῦ ποταμοῦ; Milchhöfer Text S. 24). Aber schon im 5. Jhdt. ist der östliche der Ῥειτοί mit einer für die Prozessionen bestimmten Brücke versehen worden (vgl. das von D. Philios veröffentlichte Dekret, Athen. Mitt. XIX 1894, 163 Taf. VII Z. 5ff. τὸν Ῥειτὸν τὸν παρὰ τοῦ [ἄ]στεως γεφυρῶσαι λίθοις χρωμένους Ἐλευσινόθεν τῶν καθῃρημένων ἐκ τοῦ νεὼ τοῦ ἀρχαίου, οὒς ἔλιπον εἰς τὸ τεῖχος ἀναλίσκοντες, ὡς ἂν τὰ ἱερὰ φέρωσιν αἱ ἱέρειαι ἀσφαλέστατα). Steinerne, von Xenokles, Sohn des Xeinis aus dem Demos Sphettos erbaute Brücke über den Kephisos, D. Philios Ἐφημ. ἀρχ. 1892, 101ff. = IG II 5 p. 143 nr. 574 e (Psephisma aus den J. 321/20 oder 318/17 v. Chr.); F. Hiller von Gaertringen Herm. XXVIII 1893, 469f. vgl. 471, 2.

Der Ort lag dicht am Meere an ,einem zwar schmalen gegen 1½ km langen, doch rings isolierten Felshügel von mehr als 50 m (an den Enden: westlich 57, östlich 63 m) Grathöhe‘ (Milchhöfer 25). Er zerfiel in die an seinem Ostfuße gelegene Unterstadt und in die Akropolis, an deren Fuß sich das Temenos der Demeter erstreckte (vgl. Hom. Hymn. Dem. v. 270ff. Büch. ὑπαὶ πόλιν αἰτύ τε τεὶχος Καλλιχόρου καθύπερθεν ἐπὶ προύχοντι κολωνῷ). Von der Unterstadt sind Ruinen mit Sicherheit heut nicht mehr nachzuweisen. Wahrscheinlich war sie von zwei von der Akropolis zum Meere herablaufenden Schenkelmauern umgeben, wie Milchhöfer u. a. auch aus Xen. hell. II 4, 8 geschlossen hat. In der Unterstadt lag nach Paus. I 38, 6 ein Tempel des Triptolemos, den man früher allgemein bei der Kapelle des H. Zacharias suchte, weil dort im J. 1859 das berühmte Relief mit dem Auszug des Triptolemos (Kabbadias Γλυπτὰ τοῦ Ἐθνικοῦ Μουσείου S. 119 nr. 126) gefunden ist, bis D. Philios die Grundlosigkeit dieser Hypothese erwies (vgl. u. a. Philios Eleusis, ses mystères, ses ruines et son musée. Athen 1896, 16f.). Die Kapelle des Zacharias ist vielmehr der Rest einer großen byzantinischen Kirche, die auf den Trümmern eines römischen Hauses erbaut ist. Bevor man in den σηκός der Demeter eintrat, erblickte man nach Paus. a. a. O. einen der Artemis Propylaia und dem Poseidon Πατήρ geweihten Tempel, dessen Ruinen etwa dreißig Schritt westlich von den großen Propylaeen noch heut vorhanden und auf dem Philios Büchlein angehängten Plane als temple d’Artemis bezeichnet sind. Aus Pausanias Worten läßt sich nichts über die Lage des Tempels erschließen. Nur weist der Beiname der Artemis darauf hin, daß der Tempel in der Tat in der Nähe des Eingangs zum σηκός gelegen hat. Daß dieser Tempel der Artemis und ihrem Vater Poseidon [2338] geweiht war, also nicht zwei, sondern nur ein Tempel anzunehmen ist, hat nach C. Bursians Vorgang (vgl. Blümner-Hitzig Paus. I S. 356f.) O. Rubensohn Die Mysterienheiligtümer in Eleusis und Samothrake 1892, 34. 211 mit Recht bemerkt. Über die kleinen und großen Propylaeen wie das ganze heilige Gebiet von E. s. o. Eine sehr wichtige Entdeckung ist Philios am Schlusse seiner Ausgrabungen des Temenos durch die Auffindung des berühmten Kallichorosbrunnens gelungen, der in unmittelbarer Nähe der großen Propylaeen lag und auf Philios Plan durch den Buchstaben A bezeichnet ist; vgl. dazu Philios a. a. O. S. 28. 57 und den Art. Καλλιχόρου φρέαρ. Rechts und links von den großen Propylaeen sind die Ruinen zweier Triumphbögen in korinthischem Stile aufgedeckt, die nach der Inschrift von Kaiser Hadrian den beiden großen Göttinnen von E. gewidmet sind. Bei dem links gelegenen Triumphbogen sind die Trümmer eines Hauses aus römischer Zeit gefunden worden und daneben höchst wahrscheinlich noch eine Badeanlage (Philios Plan D). Für alle Einzelheiten ist auf Philios Berichte in den Πρακτικά hinzuweisen. Die Lage des für E. bezeugten Theaters (vgl. Rubensohn a. a. O. 121f.) hat trotz vielen Suchens noch immer nicht festgestellt werden können.

Die Akropolis, deren Besetzung durch die dreißig Tyrannen bekannt ist (Ed. Meyer Geschichte des Altertums V 36ff.), trägt heut als Wahrzeichen von E. im Osten die weit sichtbare Kapelle des H. Nikolaos, im Westen einen fränkischen Turm, in den viele antike Reste verbaut sind. Zwischen diesen beiden Punkten findet sich eine Einsenkung, von der aus man zum Meer an einer alten Felsgrotte vorbei, die als Grabstätte diente, hinabsteigt (Lolling in Bädekers Griechenland³ 1893, 121). Die noch zum Teil erhaltenen, die Akropolis umgebenden Mauern sind auf Winterbergers Plan Karten von Attika Bl. XXVI verzeichnet. Dort findet man auch noch den Rest eines antiken Molo verzeichnet. Durch zwei festgefügte, sichelförmige Molen war nämlich ein künstlicher Hafen geschaffen, da die offene Bucht von Natur zu einem Hafen nicht geeignet war (Milchhöfer Text S. 25. Lolling a. a. O.).

[Kern.]