RE:Eleutheropolis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 2353–2354
GND: 1085178552
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Eleutheropolis (Euseb. Onom. ed. Lagarde 216, 18 u. o. = Hieron. ebd. 89, 24 u. o. Itin. Ant. Eliotropolis. Ammian. Marc. XIV 8, 11. Suid. s. Εὐτόκιος und Μαριανός. Theodos. de situ terrae sanctae 3. Sozom. hist. eccl. VI 32. VII 29. IX 17. Epiphan. adv. haeres. 40, 1. Eunap. p. 115 ed. Bonn.), Stadt im südlichen Palästina, an der Straße von Jerusalem nach Askalon gelegen. Ihre zentrale Lage und ihre Bedeutung geht schon daraus hervor, daß Eusebios im Onomastikon sehr oft die Lage anderer Orte nach E. bestimmt. Auch die regio Eleutheropolitana wird häufig genannt (Euseb. Onom. ed. Lagarde 274, 15 = Hieron. ebd. 135, 28). Ihr Name wird von Hieronymos (comm. ad Obadj. I) mit dem [2354] Hinweis auf die ältesten Bewohner, die Horaeer, erklärt, welches Wort (Ḥôrîm) die ‚Freien‘ bedeute. Diesen ihren Namen erhielt die Stadt erst um 200 n. Chr. von Septimius Severus, als dieser den Orient bereiste. Auf Münzen dieser Zeit wird er auch zum erstenmal erwähnt. Auf anderen Münzen trägt sie den Namen Lucia Septimia Severiana. Die erste Erwähnung der Stadt findet sich bei Josephus (bell. Iud. IV 447, wo schon Reland Betogabra für Betabris korrigierte): ein fester Ort im Herzen von Idumaea, den Vespasian einnahm. Daß die Stadt aber viel älter war, wissen auch die klassischen Autoren. Ammian. Marc. erklärt sie für älter als Caesarea Palaestinae. Georgios Kedrenos (hist. I 58, 19 ed. Bonn.) und Georgios Synkellos (Chronogr. 102 C = I 192 ed. Bonn.) identifizieren sie irrtümlich mit Hebron. Der alte Name der Stadt ist Baitogabra (Ptol. V 16, 6. Tab. Peut. Betogubri, s. Baitogabra). Der talmudische Name ist Beth-gubrîn (Neubauer Géogr. du Talmud 122ff.). Im 4. und 5. christlichen Jhdt. war sie Hauptstadt eines großen Bezirks und Bischofsstadt von Palaestina prima (Hierokles 718, 7); Liste der Bischöfe s. bei Reland 750f. Die christliche Tradition verlegte hierher den Schauplatz der Philisterkämpfe Simsons, als er mit dem Eselkinnbacken diese schlug (Judic. 15, 15. Itin. Ant. 32. Glykas Ann. II 164 = p. 309 ed. Bonn.). Nach Sozomenos (hist. eccl. VI 32) galt sie als Vaterstadt des Epiphanius, der wenigstens ganz in der Nähe geboren war. Der griechisch-römische Name verdrängte eine Zeit lang den alten Namen ganz; aber nach der Zerstörung lebte er wieder auf in dem arabischen Bêt Dschibrîn (‚Haus des Gabriel‘), wie noch heute der Ort heißt. Die Kreuzfahrer, die den Platz zerstört fanden, nannten ihn (eine Korruption des arabischen Namens) Gibelin und bauten dort ein Kastell.

Das heutige Bêt Dschibrîn liegt 4 Stunden Ostnordost von Hebron, in der Mitte des Wegs von Jerusalem nach Gaza. Nahe bei dem Ort liegen viele Felshöhlen, wie sich solche überhaupt zahlreich in der Gegend finden. Hieronymos (a. a. O.) berichtet, daß die Hôrîm hier einst als Höhlenbewohner gelebt, und daß auch die Idumaeer wegen der großen Hitze in Höhlen gewohnt hätten. Jedenfalls sind sie alt und haben wenigstens teilweise als Wohnungen gedient, teilweise auch als Gräber.

Baedeker Paläst.⁶ 105ff. Reland Paläst. 749ff. Robinson Paläst. II 613ff. 672ff. Guérin Judée III 307ff. 331ff. Porter Syria and Palestine 256f. Pal. Expl. Fund Memoirs III 257f. 266ff. Luc. Gautier Souvenir de la Terre-Sainte 63–67. Münzen bei Eckhel III 448. Mionnet V 534; Suppl. VIII 370.