RE:Frigidarium

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 103–104
Pauly-Wissowa VII,1, 0103.jpg
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Frigidarium (Vitr. V 11, 2), cella frigidaria (Plin. ep. V 6, 25. 26), in den römischen Bädern der das kalte Bad enthaltende Baum. Über die Lage desselben in den Badeanstalten s. o. Bd. II S. 2750ff. In den erhaltenen Anstalten ist nicht immer das F. ein vom Apodyterium (s. d.) getrennter Raum; es ist sogar häufiger, daß für das kalte Bad eine oder mehrere gemauerte Wannen im Apodyterium angebracht sind, welches dann wohl auch F. genannt werden konnte (Vitr. a. O.). So in der größten Anstalt Pompeiis, den sogen. Centralthermen, wo das Apodyterium an seinem von den Fenstern entferntesten Ende das im Lichten ca. 7 x 3 m große, die ganze Breite des Raumes einnehmende Bassin enthält, in das das kalte Wasser in drei Strahlen aus Wandnischen fallen sollte. Ganz ähnlich ebenda in einer großen Privatbadeanstalt (Frauenbad?), Röm. Mitt. V 1890, 131 Taf. VI 1, 7. So ist auch in den Frauenabteilungen der beiden anderen öffentlichen Bäder Pompeiis (‚Stabianer Thermen‘ und Thermen beim Forum) in einem Winkel des Apodyteriums die gemauerte Badewanne angebracht. In den ‚Stabianer‘ Thermen ist auch diese erst nachträglich eingemauert worden; in älterer Zeit konnte das kalte Bad hier nur in tragbaren Wannen genommen werden.

Dagegen ist in den Männerabteilungen der beiden genannten öffentlichen Bäder das F. ein eigener, aus dem Apodyterium zugänglicher Baum, rund (Durchm. ca. 6 m), mit kegelförmiger Wölbung, bis auf einen schmalen Umgang ganz vom Bassin eingenommen, in das das Wasser in einem Strahl aus der Wand fiel, mit einer Öffnung am oberen Rande zum Abfluß im Maße des Zuflusses und einer Öffnung am Grunde zur Entleerung; in den Wänden vier apsisartige Nischen, in denen etwa die sich Abtrocknenden den noch Badenden zusehen konnten. Der Raum war, seinem Namen entsprechend, kalt; denn in der Spitze der Kuppel war eine ziemlich große runde Öffnung, nicht verschließbar, aber nach Süden durch einen länglich viereckigen Ausschnitt erweitert, um möglichst viel Sonne einzulassen. Die Wände sind mit Pflanzen, die Wölbungen auf blauem Grunde mit Sternen bemalt; es sollte also die Vorstellung erweckt werden, als befände man sich im Freien, in Mitten eines Gebüsches. Ein besonderer Raum als F. findet sich auch (viereckig) in einer Privatbadeanstalt, vielleicht dem Männerbad zu dem oben erwähnten Frauenbad (Rom. Mitt. III 1888, 203, Taf. VI 1, 7) und (rund, mit eigentümlich geformtem Bassin) in dem kleinen Bade eines Privathauses (reg. VI 15, 2: Bull. d. Inst. 1874, 151). So war es auch in der tuscischen Villa des jüngeren Plinius: Plin. ep. V 6, 25.

Die in den beiden erwähnten öffentlichen Bädern durch die Malerei angedeutete Vorstellung eines Bades im Freien ist in einigen pompeianischen Häusern verwirklicht. Am vollständigsten in der ‚Casa delle nozze d’argento‘ (Rom. Mitt. VIII 1893, 51f. Mau Pompeji in Leben und Kunst 294), wo man durch eine Seitentür des Apodyteriums hinaustrat an das im Freien liegende, ohne Zweifel im Altertum von Gebüsch umgebene Bassin (3,85 × 3,0 m). In anderen Fällen ist das F. ein unbedeckter Hof im Innern des Hauses. So in der ‚Casa del Centenario‘ (Overbeck Pompeji⁴ 358. Bull. d. Inst. 1881, 229f.), wo das [104] eine Ende eines 9,50 x 4,50 m großen Hofes von einem im Lichten 2,50 × 4 m großen gemauerten Bassin eingenommen wird. In der Nähe des Bassins war ein 3,65 × 3,11 m großer Raum von einem einerseits in die Wand eingelassenen, andererseits von zwei Säulen getragenen Schutzdach bedeckt, zum Aus- und Ankleiden. Dagegen ist in der sog. Villa des Diomedes (Overbeck Pompeji⁴ 372. Mau Pompeji in Leben und Kunst 352) das hier viel kleinere Bassin (2,17 × 2,85) mit einem solchen Schutzdach bedeckt, der kleine dreieckige Hof aber auf zwei Seiten von einem schmalen Säulengang eingefaßt. Durch die Malerei der dritten Wand, an der das Bassin liegt, sollte, ähnlich wie in den F. der öffentlichen Bäder, die Vorstellung erweckt werden, als dehne sich das Bassin noch weiter aus in Mitte eines Waldes oder Gartens.

In den großen Thermenanlagen Roms sind F. und Apodyterium in einem Raume vereinigt. Es ist ein großer, viereckiger Saal, in dessen Ecken vier Badebassins angebracht sind; aus ihm gelangte man an das große Schwimmbassin (natatio), das wenigstens in den Caracallathermen bedeckt war. Für die Diocletiansthermen s. den Grundriß Bd. II S. 2755 (2 F., 1 Natatio); im übrigen die ebenda S. 1247 zitierten Werke.

[Mau.]