RE:Gadara 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 436–437
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Gadara. 1) Stadt der Dekapolis (Euseb. Onom. 248, 11. 242, 71. 251, 90. 219, 78. 225, 8 = Hieron. 130. 15. 125, 30. 116, 30. 91, 29. 96, 14. Joseph. ant. XII 3, 3. XVII 11, 4 u. a.; bell. Iud. II 6, 3. III 3, 1; vit. 65 u. a. Plin. n. h. V 74. Ptolem. V 15, 22. Strab. XVI 759. Itiner. Ant. 197, 1. 198, 10. Tab. Peut. Anton. Plac. 7. Hierocl. Synecd. 720, 3. Theodosius 24. CIL III 181 = 6697. 4660; Einwohner Γαδαρεῖς Joseph. ant. XIV 4, 4. u. a.; Γαδαρηνοί Joseph. vit. 9. 10), am Jarmuḳ am südlichen Ufer auf hohem Bergrücken gelegen. Schon zur Zeit Antiochos III., des Großen, wird bei seinen Kämpfen um Palästina von Polybios (V 71. XVI 39) eine starke Festung G. genannt. Es hat jedoch mehr Wahrscheinlichkeit für sich, daß hier nicht das G. der Dekapolis, sondern G. in Peräa gemeint ist (s. Nr. 2); denn seine Einnahme im ersten Feldzug 218 v. Chr. liegt zwischen der von Pella und Rabbat Ammon. Auch bei den nächstfolgenden Erwähnungen eines G. ist zweifelhaft, welches von den genannten beiden G. gemeint ist. Alexander Iannaeus erobert nach zehnmonatlicher Belagerung G., welches damals dem Fürsten Theodor, Sohn des Zenon, von Philadelphia gehört (Joseph. ant. XIII 13, 3; bell. Iud. I 4, 2, vgl. ant. XV 15, 4). Auch hier liegt es näher, an das südliche G.-Salt nahe bei Philadelphia zu denken, als an das nördliche viel weiter entfernte am Jarmuk. Dagegen fand der sich an diese Züge anschließende Kampf des Alexander Iannaeus mit dem Araberfürsten Obedas bei dem nördlichen G. am Jarmuk (Γ. τῆς Γαυλανίδος Joseph. ant. XIII 13, 5) statt. Durch Pompeius wurde G. von der jüdischen Herrschaft ‚befreit‘ (Joseph. ant. XIV 4, 4; bell. Iud. I 7, 7). Die Ära der Stadt war deshalb, wie die zahlreichen Münzen zeigen, die pompeianische; sie begann im J. 64/63. Mehrere Münzen haben überdies die Legende Πο. oder Πομπ. Γαδαρέων, wohl = Πομπηιέων Γαδαρέων. Sie gehörte dann zur Dekapolis. Im J. 30 v. Chr. kam G. durch Schenkung des Augustus an Herodes (Joseph. ant. XV 7, 3; bell. Iud. I 20, 3), vgl. auch Münzen von G. aus dem J. 20 v. Chr. mit dem Bilde des Augustus und der Aufschrift Σεβαστος (Mionnet V 323; Suppl. VIII 227). Nach dem Tode des Herodes erhielt die Stadt wieder ihre Selbständigkeit, natürlich unter römischer Oberhoheit (Joseph. ant. XVII 11, 4; bell. Iud. II 6, 3). Aus dem Anfang des Jüdischen Kriegs wird uns ein Überfall des gadarenischen Gebiets durch Iustus von Tiberias und die Niedermetzelung der Juden in G. [437] berichtet (Joseph. vit. 9; bell. Iud. II 18, 1. 5). Auf Münzen aus der Zeit der Antonine trägt sie den Namen ἱερὰ ἄσυλος αὐτονόμος. Auf einer Inschrift der späteren Kaiserzeit wird G. als römische Kolonie bezeichnet (col. Valentia Gadara CIL III 181 Suppl. 6697). Auf einer anderen Inschrift heißt sie χρηστομούσια (Pal. Expl. Fund Quart. stat. 1897, 188f.). Strabon nennt als berühmte Männer, die aus G. stammen, den Epikureer Philodemos, den Dichter Meleager, den Satiriker Menippos, den Redner Theodoros (XVI 759). Steph. Byz. gibt an, daß die Stadt auch die Namen Ἀντιόχεια und Σελεύκεια getragen habe, doch wird sie sonst nirgends so genannt.

Die Lage der Stadt ist genau bestimmt: nach Plinius (n. h. V 74) lag sie am Hieromyces, nach Itin. Ant. 16 römische Meilen von Capitolias und ebensoweit von Skythopolis entfernt, nach Tab. Peut. auch 16 römische Meilen von Tiberias. Ihr Gebiet stieß an das von Tiberias (Joseph. vit. 9), reichte also bis an den Tiberiassee; die Lesart Gadarener in Matth. 8, 28ff. Marc. 5, 1ff. Luc. 8, 26ff. bietet also etwas an sich Mögliches, während die Lesart ‚Geradener‘ Unmögliches voraussetzt. Eusebius (Onom. 248, 11) erwähnt die heißen Quellen in der Nähe der auf einem Berge liegenden Stadt (vgl. Amathe Nr. 1). Heute Mukēs, etwa eine Stunde südlich von den heißen Quellen im Tal des Jarmuk, auf hohem Berge in fester Lage mit schöner Aussicht auf den Tiberiassee und Jordan). Der Ort hat schöne Ruinen, zwei Theater, Grabhöhlen usw. Der alte Name hat sich noch erhalten in dem Dschadar der arabischen Geographen (ZDPV VIII 139) und in der noch heute üblichen Bezeichnung der Grabhöhlen ‚Dschadūr Merkēs‘.

Literatur: Hadr. Reland Palästina 773ff. Seetzen Reisen durch Syrien I 363ff. IV 188ff. Burckhardt Reisen I 426ff. Buckingham Travels 414–440. Ritter Erdk. XV 371–384. 1052f. Guérin Galilée I 295–308. Merrill East of the Jordan 145–158. Schumacher Northern Ajlûn 46–80. Frei in ZDPV IX 1886, 135ff. G. A. Smith Historical Geography 459ff. Schürer Gesch. d. Jüd. Volks II³ 122ff. Schlatter Zur Topogr. und Gesch. Palästinas 44ff. Baedeker Paläst.⁶ 142. Über die heißen Quellen s. Amathe.