RE:Hammon

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,2 (1912), Sp. 2311–2312
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Hammon = Amon, dem bekannten ägyptischen Gott, s. den ausführlichen Art. Pietschmanns Ammon o. Bd. I S. 1853, mit dessen Ausführungen ich im wesentlichen einverstanden bin. Die Frage, wann Amon zuerst erscheint, ist heute nicht sicher zu beantworten. Doch ist für einen Kult des Gottes im alten Reich noch kein sicherer Beleg erbracht worden. [2312] Auch im mittleren Reich spielt er eine recht unbedeutende Rolle, seine Stellung beruht darauf, daß er sozusagen der Privatgott der XII. Dynastie ist, die aus Theben stammt, wo Amon seinen Wohnsitz hat. Einen bestimmt ausgeprägten Charakter hatte der thebanische Lokalgott in älterer Zeit nicht. Er mag ursprünglich ein Zeugungsgott gewesen sein, doch ist diese Eigenschaft fast in Vergessenheit geraten und nur der Umstand, daß er gelegentlich ithyphallisch dargestellt wird, erinnert daran. Sonnengott ist Amon erst seit dem neuen Reich (nur ganz selten kommt er früher als Sonnengott vor). Erst diese Zeit, besonders der Ausgang der XVIII. Dynastie, hat ihm die überragende Stellung verschafft, die er dann seit der Spätzeit wieder verlor. Zur Zeit Alexanders spielt er in Ägypten kaum eine Rolle; sehr bedeutend ist dagegen sein Ansehen bei den Griechen, und nur so erklärt sich Alexanders Zug nach der Amonsoase. Von anderer Literatur sei vor allem hingewiesen auf Erman Aeg. Religion passim und die sehr interessante, aber mit Kritik zu lesende Darstellung in Schneiders Kultur und Denken der alten Ägypter, Abschnitt Religion. Eine ausreichende Monographie über Amon fehlt. Das Heiligtum der Amonsoase ist von einer deutschen Expedition 1900 untersucht worden, doch gibt es darüber noch keine wissenschaftliche Publikation (Reisebericht: Steindorff Durch die libysche Wüste zur Amonsoase, Leipzig 1905). Was die Schreibung Hammon angeht, so bietet die obenstehende Ansicht Cumont die einfachste Lösung. Die Römer werden nach der Schreibung des Namens, den Gott von den Puniern übernommen haben, sonst würde man kein h im Anlaut erwarten.