RE:Hesychios 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,2 (1913), Sp. 1328–1330
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13) Hesychios. Theophanes erwähnt in seiner Chronik zweimal einen Jerusalemer Presbyter im Todesjahr des Theophilus von Alexandrien (= 412) ἤνθει διδασκαλίαις (p. 83, 6 de Boor), im Jahr der Vermählung Valentinians III. mit Eudoxia (nach Sokr. VII 44 = 436, nach Theoph. p. 92, 16 = 433) starb er; er wird identisch sein mit dem Presbyter H., der nach Cyrill von Skythopolis (Vita Euthymii = Migne 114, 629) 428 das Kloster des heiligen Euthymius besuchte. Der Mann ist zunächst als Exeget tätig gewesen, und aus seinem literarischen Nachlaß ist an erster Stelle zu nennen ein Στιχηρόν τῶν ιβʹ προφητῶν καὶ Ἡαίου καὶ Δανιὴλ ἔχον ἐν παραθέσεσι τὰς τῶν δυσχερεστέρων ἑρμηνείας. Die Vorrede dazu ist bei Migne 93, 1340ff. gedruckt, der auf Jesaias bezügliche Teil von M. Faulhaber Hesychii Hierosolymitani interpretatio Iesaise prophetae publiziert. Der die kleinen Propheten kommentierende Teil ist in demselben Cod. Vat. 347 erhalten, der uns die Jesaiasinterpretation überliefert hat; Faulhaber hat Biblische Studien IV (die Propheten-Catenen nach römischen Hss.) 21ff. und 32/33 wenigstens Proben daraus zugänglich gemacht; die Danielerklärung scheint bis auf zwei kurze Fragmente (A. Mai Scriptor. Vet. Coll. I 3, 34 und 45, das erste auch bei Migne 98, 1388) [1329] verloren zu sein (doch vgl. H. Lietzmann Gött. gel. Anz. 1901, 98). Die Praefatio und was sonst von dem Werk gedruckt ist, macht seine Art deutlich; es bot den Text der Propheten, in Sinnzeilen abgeteilt, und daneben kurze, zum guten Teil allegorisierende Glossen; die Kapitelüberschriften, die Migne 93, 1345ff. auf die Praefatio folgen läßt, stammen kaum aus der Feder des H.; die Praefatio würde sie sonst erwähnen; sie sind, erst nachträglich, allerdings zu der Exegese des H., gearbeitet (vgl. Lietzmann Gött. gel. Anz. 1901, 91ff.); erst recht nicht von H. stammen die bei Migne den κεφαλαία jedes Propheten angehängten biographischen Abschnitte über den Propheten (vgl. Faulhaber Studien IV 28ff.). In der gleichen Weise wie die genannten Propheten hat H. mindestens auch den Psalter kommentiert; eine Probe nach dem den Namen des H. noch bietenden Cod. Marc. I 31 bietet Faulhaber in den Prolegomena seiner Ausgabe des Jesaiaskommentars p. XVIff.; der ganze Text findet sich nach einer anderen Hs. bei Migne 27, 649ff. unter den Werken des Athanasius (vgl. auch Mercati Studi e Testi V 145. 155); die bei Migne unter den Werken des H. (93, 1180ff.) abgedruckten Fragmenta in Psalmen haben mit unserem H. nichts zu tun. Über das weitere Material, das unter dem Namen des H. bei Migne 93 gedruckt ist, läßt sich zurzeit viel schwerer urteilen; es fehlt eine neuere monographische Behandlung. Es finden sich zunächst darunter weitere Kommentarfragmente; es sind nicht viel; sie stammen aus Catenen, aus denen sich auch noch mehr, als gedruckt ist, herausziehen läßt (vgl. Karo und Lietzmanns Katalog); das Mißtrauen, das allen Catenenpublikationen gegenüber am Platz ist, muß auch hier beobachtet werden: von dem einzigen Scholion, das Migne 93, 1385ff. (übrigens nur in lateinischer Übersetzung) zu Ezechiel bietet, stammt nur das erste Fünftel von H. (vgl. Faulhaber Studien 156f.). Ferner erhalten wir bei Migne zwei Stücke, deren Autor sich ausdrücklich Ἡσύχιος πρεσβύτερος Ἱεροσολύμων bezw. Isychius presbyter nennt und in Palästina schreibt. Das erste ist ein umfangreicher Kommentar zum Leviticus; seine Widmung lautet: Venerabili diacono Eutychiano peccator Christi servus Isychius presbyter in Christo salutem; seine palästinensische Herkunft folgt z. B. gleich aus der Praefatio, wo der Autor den Eutychianus auffordert zu bitten, ut fiat oblatio verbi mei acceptabilis, non solum in Jerusalem, sed et in omni terra in qua deo annuente defertur (789 D). Trotzdem wird der Kommentar mit dem in Frage stehenden H. kaum etwas zu tun haben; der einzig erhaltene lateinische Text macht nicht den Eindruck einer Übersetzung aus dem Griechischen; er legt die Vulgata als Translatio nostra (1032 D) zugrunde und vergleicht mit ihr in weitestem Umfang die LXX; man würde den Autor am liebsten im Kreise der Hieronymischen Mönche Palästinas suchen. Das andere ausdrücklich auf einen Ἡσύχιος πρεσβύτερος Ἱεροσολύμων sich zurückführende Stück ist ein Martyrium des hl. Longinos, angeblich auf Grund eines Fundes ἐν σχεδαρίῳ ἐν τῇ βιβλιοθήκῃ τῆς ἁγίας Ἀναστάσεως (1360 A) geschrieben. Schon auf Tillemont Mémoires pour servir à l’histoire ecclésiastique I 453 hat das Martyrium einen stark byzantinischen [1330] Eindruck gemacht; man hat vielleicht nicht mit Unrecht es dem späteren H. von Jerusalem zugeschrieben, der mit Gregor d. Gr. korrespondiert hat. In ähnlicher Weise werden mit dem Jerusalemer Presbyter des 5. Jhdts. nichts zu tun haben die zwei Centurien asketischer Aussprüche bei Migne 1480ff. Sie sind auch unter dem Namen eines Sinaimönches H. überliefert (vgl. Krumbacher Gesch. d. Byz. Lit. 147); überdies findet sieh ein Teil auch unter den Aussprüchen des Marcus, Migne 65, 905. Über das, was sonst noch bei Migne steht, die συναγωγὴ ἀποριῶν καὶ ἐπιλύσεων ἐκλεγεῖσα ἐν ἐπιτομῇ ἐκ τῆς εὐαγγελικῆς συμφονίας (1392ff.), und die Predigten und Predigtfragmente (1449ff.) ist schwer zu urteilen; die Predigt zur ὑπαπαντή (1468ff.) spricht Useuer Weihnachtsfest¹ 333 unserem H. ab, Baumstark Theologie und Glaube 1909, 93ff. zu. Bei Migne fehlen die Fragmente einer Kirchengeschichte, die, auf dem fünften ökumenischen Konzil 553 verlesen (Mansi 9, 248f.), sehr wohl von H. stammen mögen.