RE:Hesychios 12

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,2 (1913), Sp. 1327–1328
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12) Hesychios. Als Veranstalter einer Septuagintaausgabe nennt Hieronymus (praef. ad Paralipomena und adv. Rufinum II 27) einen uns sonst völlig unbekannten H.: Alexandria et Aegyptus in Septuaginta suis Hesychium laudat auctorem und im Kommentar zu Isaia (58, 11) bemerkt er: quod in Alexandrinis exemplaribus in principio huius capituli additum est ,Et adhuc in te erit laus mea semper et in fine, et ossa tua quasi herba orientur et pinguescent et hereditate possidebunt in generatione et generationes‘ in Hebraico non habetur, sed ne in Septuaginta quidem emendatis et veris exemplaribus: unde obelo praenotandum est. Wenn, wie wahrscheinlich ist, Hieronymus hier unter exemplaria Alexandrina die Hesychische Rezension versteht, so würden vor allem die Codices AQ, welche wenigstens die zweite Hälfte jenes Zusatzes zu v. 11 haben, als Vertreter dieser Ausgabe anzusprechen sein. Ceriani hat denn auch in Q den Text des H. für die Propheten außer Ezechiel finden wollen (De [1328] codice Marchaliano, Rom 1890). Den Ezechieltext des H. vermutet Cornill (Das Buch des Propheten Ezechiel 1886, 66ff.) in mehreren der Aldina der LXX verwandten Minuskelhandschriften. Für den Psaltertext vgl. A. Rahlfs (Septuagintastudien II 183ff.). Daß H. auch das Neue Testament herausgegeben habe, erfahren wir durch des Hieronymus Vorrede zu den Evangelien: praetermitto eos codices, quos a Luciano et Hesychio nuncupatos paucorum hominum adserit perversa contentio: quibus utique nec in veteri instrumento post septuaginta interpretes emendare quid licuit nec in novo profuit emendasse. Auf den Arbeiten älterer Gelehrter wie Griesbach und Hug fußend hat W. Bousset (Texte u. Unters. hrsg. v. Gebhardt-Harnack 1894, XI 4, 74ff.) mit der ägyptischen Herkunft auch die Zugehörigkeit zur H.-Familie für die wichtigsten Codices des Neuen Testamentes, ℵ und B vermutet. A. Rahlfs (Nachr. d. Göttinger Ges. d. Wiss. phil.-hist. Kl. 1899, 72ff.) hat dies durch den Vergleich des Inhalts von B mit dem Osterbrief des Athanasius vom J. 367 gestützt, H. v. Soden (Die Schriften des Neuen Testaments 894–1040. 1471–1492. 1653–1686. 1861–1868. 1921–1931. 2067–2074) weitergeführt und den neutestamentlichen H.-Text aus etwa 50 Handschriften zu gewinnen versucht. Die Zeit des H. ist nur durch die Notiz bei Hieronymus nach unten begrenzt: daß er identisch sei mit einem bei Euseb. hist. eccl. VIII 13, 7 als Märtyrer erwähnten ägyptischen Bischof gleichen Namens († 306), ist nur Vermutung. Andere Notizen über diesen Bibelkritiker fehlen, die Warnung des Decretum Gelasii ep. 42 c. 4 § 6 vor den evangelia quae falsavit Hesychius apocrypha ist aus des Hieronymus Evangelienvorrede abgeleitet; vgl. A. Harnack Altchristl. Lit. I 442. O. Bardenhewer Altkirchl. Lit. II 212ff. H. B. Swete Introd. to the Old Test. in Greek 78f. E. Nestle Einführung in d. griechische Neue Testament³ 199ff.