RE:Kaystros 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XI,1 (1921), Sp. 100–101
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Kaystros ( bezw. Κᾰ́ϋστρος), Name eines Flusses und einer Stadt in Westkleinasien.

1) Kaystrios ὁ Κᾰύστριος Hom. Il. II 461. Herod. V 100. Herm.-Steph. Byz. s. Ἀσσός); Kaystros (Κᾰ́ϋστρος Anacr. 159. Ps.-Scyl. 98 u. a.); Kaysterros (ὁ Καΰστερρος aiolische Form?) Diogen.-Hesych. Caystrus Plin. n. h. V 115. Schol. zu Arist. Acharn. 68. Nikander Ther. 634. Steph. Byz. Etym. M. Mela I 17. Tab. Peut. (Castur). Name aus kleinasiatischem Sprachgut. Jetzt Aksu = Weißwasser oder Kütschük Menderé = Klein-Maiandros. Flußgott auf Münzen von Dioshieron Imhoof Rev. Suisse 1897, 215. Vgl. Head HN²: Ephesos 577; Hypaipa 652; Prymnessos 683. Nach Plinius (n. h. V 29) kommt er aus den Kilbianischen Bergen des Tmolos (jetzt Bos Dau), sammelt in der dreieckigen Fläche von Koloë seine Zuflüßchen. Diese Fläche ist das Κιλβιανὸν Πεδίον zwischen Tmolos und Mesogís, Strab. XIII 629, vgl. Plin. n. h. V 115. Im Κιλβιανῶν Πεδίον der Ἄσιος Λειμών s. o. Bd. II S. 1606. Strab. XIV 650. Mela I 17, 2, Verg. Georg. I 382ff. Der K.-Einbruch vereinigt sich nach dem Westen mit dem großen Talzug von Tschimovassí = Rasenfläche, der vom Norden nach Süden von Smyrna herstreicht, dann aber verengert sich das Flußtal zu einer kurzen Talstrecke nördlich vom heutigen Ajasolúk (= Ἄγιος Θεολόγος = Ioannes Evangelista, nördlich von der alten Ephesos), die nur ein Erosionstal sein kann (Philippson in Petermanns Mitt., Erg.-Heft 180, 48); dieses erweitert sich dann zur Mündungsebene bei Ephesos. ‚Diese enge Talstrecke, die die innere Kaystrosebene vom Meere trennt, ist ein Analogon zu den ganz entsprechenden Talengen am Ausgang des Hermos- und des Kaïkosgrabens und liefert den ferneren Beweis für die tektonische Entstehung dieser inneren Grabenenden; denn sie macht die Annahme völlig unmöglich, daß diese breiten Grabenebenen etwa untergetauchte Erosionstäler seien. Solche könnten nicht gegen das Meer durch derartige enge Strecken abgeschlossen sein‘ (Philippson). Der Fluß hat viele Krümmungen. Die Niederung um den Unterlauf des K., das Καϋστριανὸν Πεδίον Strab. X 440. XIII 620. XV 691 (s. den Art., während Καΰστρου Πεδίον Xenoph. an. I 2, 11 bei Ipsos liegt), [101] auf dem noch heutzutage Forscher zahlreiche Flüge von Schwänen bemerken. Vgl. Villoison Prol. ad Hom. 54. Verg. Georg. I 385. Ovid. met. II 252. V 386. (Trist. V 1, 11). Karte des Unterlaufs Βιβλιοθήκη Εὐαγγ. Σχολῆς Σμυρν. Plan des Mündungsgebietes bei Ephesos s. o. Bd. V nach S. 2508. Verschlammung von Strab. XIII 641f. Plin. n. h. V 115 erwähnt. Schilderung und Bemerkungen zu Grund Vorläufiger Bericht über physiogeographische Untersuchungen im Deltagebiet des kleinen Mäander bei Ajasoluk, Sitz.-Ber. Ak. Wiss. Wien, math.-naturw. Cl. CXV 1 (1906), 241ff. bei Philippson Peterm. Mitt. Erg.-H. 172, 51f. 88ff. Das Vordringen des Schwemmlandes ist im Altertum sehr schnell vor sich gegangen, so daß es in wenigen Jahrhunderten zwischen Kroisos und Lysimachos den Weg von Ayasoluk bis zur hellenistischen Küste zurückgelegt, im ersten nachchristlichen Jhdt. die Gegend von Burhanlár, zur Zeit des Kaisers Hadrianus schon bis auf ein Kilometer die heutige Mündung erreicht hat. Seitdem, meint Grund, ist das Vorrücken der Küste minimal. Vgl. noch die Art. Kaystrianoi, Καϋστριανὸν Πεδίον, Larisa, Λειμών.