RE:Leon 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XII,2 (1925), Sp. 20052007
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13) Ein L. erscheint unter denjenigen Athenern‚ die den Nikiasfrieden mit Sparta im Frühjahr 421 und das bald nachher fallende Bündnis [2006] zwischen beiden Staaten beschworen (Thuk. V l9. 24). Ihm ist (vgl. Kirchner) ohne Zweifel derjenige L. gleichzusetzen, der für 412/1 zum Strategen gewählt wurde (Beloch Att. Politik 293. 310; Griech. Gesch. II² 2, 166. A. Krause Attische Strategenlisten bis 146 v. Chr. [Diss. Jena 1914] 12). Seiner Parteistellung nach war L. gemäßigter Demokrat (Ed. Meyer Gesch. d. Altert. IV 561. Busolt Griech. Gesch. III 2, 1412). Im Herbst 412 stieß er mit 10 Schiffen zu der von Diomedon (s. den Art. Diomedon o. Bd. V S. 829ff.) befehligten Eskadre, und beide Feldherren fuhren gegen Lesbos; Mytilene, das kurz vorher von den Spartanem zum Abfall gebracht worden war, wurde von ihnen sogleich zurückgewonnen und darauf wieder ganz Lesbos unterworfen (Thuk. VIII 23). Daran schloß sich Klazomenais Gewinn (ebd. 23, 6). Von Lesbos aus führten sie in glücklicher Weise den kleinen Krieg gegen Chios, das sie hart bedrängten (Thuk. VIII 24). Im Spätherbst scheinen sie aber doch nach Athen zurückgekehrt zu sein, denn im Winter 412/1 wurden sie an Stelle von Phrynichos und Skironides, die man abberief, wieder zur Flotte, die in Chalke ihren Stützpunkt hatte, ausgesandt (Thuk. VIII 54, 3). Von dort aus gingen sie gegen Rhodos vor, wo die peloponnesische Flotte lag, und errangen einen Erfolg über die Rhodier, worauf sie nach Chalke zurückkehrten (Thuk. VIII. 55, 1). Zu Ende des Winters verlegte die attische Flotte ihren Standplatz nach Samos (Thuk. VIII 60, 3). Ein dort von den Oligarchen geplanter Umsturz wurde durch Eingreifen des L. und Diomedon vereitelt (Thuk. VIII 73). Obwohl sie zu der demokratischen Gegenbewegung, die sich gegen die 400 wandte, eine freundliche Haltung einnahmen, wurden sie wie die übrigen Strategen ihres Amtes entsetzt (Thuk. VIII 76, 2, dazu Busolt Griech. Gesch. III 2, 1493, 1). Erst im Frühjahr 466 (Chronologie nach Beloch Griech. Gesch. II² 2, 243ff., zuletzt verteidigt von Valeton Mnemos. N. S. XLVIII 38ff.) wurde L. nach Alkibiades’ Absetzung von seinem Amte eines alleinigen und unbeschränkten Strategen und nach der Wiederherstellung der normalen Ordnung des Befehls (dazu o. Bd. XI S. 1320) in der ordentlichen Wahlversammlung zu einem der Strategen für 406/5 gewählt (Xen. hell. I 5, 16. Diod. XIII 74, 1, der an seiner Stelle fälschlich Lysias nennt, wozu L. Herbst Die Schlacht bei den Arginusen [Hamburg 1855] 17 m. A. 26. Busolt 1580, 4. Valeton 34, 2). L. und drei andere Strategen gingen nach Samos zu der von Konon übernommenen Flotte (L. Herbst a. O. Busolt 1582). Bei den Operationen des Kallikratidas gegen Konon flüchtete L. mit ihm und Erasinides in den Hafen von Mytilene (Xen. hell. I 6, 16) und wurde dort blockiert. Von da ab verschwindet er aus der Geschichte; unter den Strategen der Arginusenschlacht erscheint er nicht (Xen. hell. I 6, 29. 30. 7, 1. 2). Da. diese aber 8 waren und die Zehnzahl des Kollegiums durch die Hinzufügung von Konon und L. erreicht wird, muß L. entweder gestorben oder von den Spartanern gefangen genommen worden sein, vgl. Herbst 17, 1. Boerner De rebus a Graecis inde ab a. 410 usque ad a. 403 a. Chr. n. gestis quaestiones [2007] historicae (Diss. Götting. 1894) 37, 4. Letzteres ist wahrscheinlicher (so auch Valeton 34ff. 61), da. an Stelle des umgekommenen Archestratos durch eine Nachwahl Lysias trat (s. den Art. Lysias), während ein Ersatzmann für L. nicht bestellt ward. Diese Vermutung würde zur Gewißheit erhoben werden, wenn Ed. Meyers Ansicht (G. d. A. V 22) zuträfe, daß der unter den Dreißig hingerichtete L. (Xen. hell. II 3, 39) unser L. gewesen sei; allein ihr steht entgegen, daß dieser L. als Σαλαμίνιος bezeichnet wird und dort ansässig (Xen. a. O., vgl. auch Plat. apol. 32 c) also nicht attischer Bürger war, sondern zu den ‚alten Bewohnern‘ von Salamis gehörte (zu deren Rechtsstellung Busolt Gr. Staatsk. II 871, 2). Über L. noch Kirchner Pros. att. II nr. 9100.