RE:Lituus 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIII,1 (1926), Sp. 804805
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Lituus. 1) Eine Trompetenart, die im Gegensatz zur geraden Tuba am Schallende eine gekrümmte Form aufwies (aduncus Liv. I 78. Sen. Oedip. 734). Ein bronzenes Exemplar von 1,60 m Länge besitzt das etruskische Museum des Vatikan (Mus. etrusc. Gregorian. I pl. XXI. Baumeister Denkm. III 1660). Abbildung zweier L. aus dem Altertum bei N. des Vergers (L’Etrurie et les Etrusques III pl. III) und eines Spielers (liticen) Mon. d. Inst. V pl. XV. Der L. war ein Militärinstrument, und zwar diente er im Gegensatz zur infanteristischen Tuba der Reiterei, Acro ad Hor. carm. I 1, 23; sein Ton war hell und durchdringend (Enn. bei Fest. s. v. 116. Hor. carm. II 1, 18. Lucan. Phars. I 237. Sen. a. a. O.; Thyest. 575 Stat. Theb. VI 226); man gab mit ihm das Signal zum Angriff, Ovid. fast. III 217. Allerdings erscheint in dieser Eigenschaft für gewöhnlich die Buccina, und Behn Die Musik bei den Kulturvölkern des Altert. 1911 vermutet im L. deshalb das Signalinstrument der Auxiliarcohorten. Vgl. auch C. v. Jan bei Baumeister III 1660. Der L. gilt allgemein für ein ursprünglich etruskisches Instrument, schon O. Müller Etrusker II 211 identifiziert ihn mit der Tuba Tyrrhena der alten Schriftsteller. Dagegen vermutet C. Sachs Festschr. f. R. v. Liliencron 1910, 241ff. auf Grund neuerer Funde auf keltischem Boden, daß der L. von den Kelten in Rom eingeführt worden sei. Darauf scheint auch die keltische Abart des L. hinzudeuten, der Karnyx, bei dem der gekrümmte Schallbecher die Form eines geöffneten Drachen- oder anderen Tierkopfes hatte (Fröhner Colonne Trajane S. 61. 65).

[805] Versuche, die mit den erhaltenen Instrumenten angestellt wurden, ergaben, daß der L. einem heutigen Kornet in hoch G entspricht und die Naturtonreihe vom 2.–8. ergibt.

Eine Centurie der liticines ist durch Cicero de rep. II 40 bezeugt, ein Kollegium durch den Grabstein des M. Iulius Victor (ex collegio liticinum cornicinum Orelli Inscr. 4105). Dieses Kollegium trat aber auch bei Leichenbegängnissen und sonstigen Festen in Tätigkeit, Hor. sat. I 6, 44. Jahn Ber. d. sächs. Ges. 1861, 313. Henzen Bull. d. Inst. 846, 89; Mon. d. Inst. V pl. XV. Bei Leichenbegängnissen sollen sie siticines geheißen haben, Gell. XX 2 (mit Berufung auf Cato). Vgl. im allgemeinen Marquardt Handb. d. röm. Altert. V 2, 420. 552. C. v. Jan bei Baumeister III 1660–1662.