RE:Lysippe

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIV,1 (1928), Sp. [1928 42]–[1928 43]
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Lysippe (Λυσίππη).

A. Form und Bedeutung des Namens. Zur Form s. den Art. Lysidike Abschn. A und vgl. Λυσίστρατος, Λυσιστράτη; es ist eine Femininbildung zu dem maskulinen Namen, keine Adjektivbildung. – Die scheinbar ganz durchsichtige Bedeutung des Namens gibt doch Rätsel auf.

Erstlich ist nicht klar, was Λύσιππος, Λυσίππη, Ἱππόλυτος, -λύτη, Ζεύξιππος, -ίππη heißen: ‚Pferdeaus-, -anspanner(in)‘ oder ‚der (die) mit aus-, angespannten Pferden‘, also λύειν aktivisch oder passivisch; auch das Adjektiv ἱππόλυτος Anth. Plan. 44 ist nicht recht verständlich. Benseler Wörterb. gr. Eigenn. unter Ἱππόλυτος ‚Fuhrmann, Reiter‘ ist wenig wahrscheinlich, denn für den Fuhrmann und Reiter ist doch das Ausspannen nicht charakteristisch. Die antike Erklärung von Ἱππόλυτος ‚von den Pferden [43] geschleift, getötet, zerrissen‘, an der noch Reinach festhielt, wies mit Recht Radermacher S.-Ber. Akad. Wien phil.-hist. Kl. CLXXXII 6, 3 ab; aber auch dessen ‚wilder Fahrer oder Reiter‘, als Parallelfigur zu unserem wilden Jäger, befriedigt nicht recht, Eitrem o. Bd. VIII S. 1868, 38. Svoboda Woch. f. kl. Phil. XXXVI 1919, 223. Denn zweitens sieht man nicht, warum die mythischen Träger der Namen und solche im realen Leben diese in einer der angegebenen Bedeutungen erhalten haben sollen; warum soll mit Svoboda der Hauptträger des Namens Ἱππόλυτος, der Troizenier, ‚Ausspanner der Rosse‘ heißen? Warum so ein Gigant, Eitrem 1873, 25? Keine unserer sechs mythischen L. hat mit ausgespannten Pferden zu tun. Menschen des wirklichen Lebens hätte man dadurch, daß man sie ‚Pferdeausspanner‘ taufte, doch direkt zu Knechten degradiert. Und warum hat ein ‚Pferdeanspanner‘ Ζεύξιππος, einen Sohn ‚Pferdeausspanner‘, Ἱππόλυτος, Eitrem 1872, 52? Schließlich ist nicht klar, ob man bei der Deutung der Namen die der mythologischen Träger zugrunde zu legen hat, die auf Sterbliche übertragen seien, oder umgekehrt. Im letzteren Falle könnte man Verschmelzung der Teile ἱππο-, λυ(σ)- aus zwei anderweitigen Namen mit diesen Bestandteilen annehmen; wie wenn etwa die Namen zweier geachteter Familienmitglieder Lysimachos und Perikles für einen weiteren Sproß der Familie den dann nicht ohne weiteres deutbaren Namen Lysikles ergeben. Aber die meisten Träger der oben genannten Namen sind mythisch; ob man jedoch auch auf mythische Namen dieses Gesetz der Verschmelzung anwenden kann, ist zweifelhaft. Als viel zu sicher sieht es Gruppe Griech. Myth. 513, 3 an, wenn er den Namen (von Adrastos’ Mutter) L. aus denen der beiden Pelopidinnen Lysidike und Nikippe zusammengesetzt sein läßt; daß sich ‚zerrissene genealogische Zusammenhänge in Namensanklängen aussprechen, wie sie die Dichter, dem Brauche des Lebens folgend, suchen‘, ist wohl nicht beweisbar, wenigstens nicht für unseren Fall. Nicht befriedigt schließlich auch Döhring Griech. Heroen und Abendgeister 42, der aus der unleugbaren Gleichheit der Namen Hippolytos, -lyte, L. nach Bildung und eigentlicher Bedeutung auch auf Gleichheit ihrer Träger dem Wesen nach schließt. Denn der Name deutet durchaus nicht immer das Wesen des Trägers an, s. den Art. Lysidike Abschn. A; insonderheit haben Hippolytos und (die Proitide) L. in ihrem Wesen wenig gemein; s. auch zu L. Nr. 5.

B. Trägerinnen des Namens.

1–6) Mythologische Trägerinnen. Schirmer Myth. Lex. II 2213.