RE:Lysippos 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIV,1 (1928), Sp. [1928 47]–48
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5) L., Mythograph, wird einmal als Verfasser eines Ἀσεβῶν κατάλογος anläßlich des aus der Odyssee (XIII 86) bekannten grausamen Königs Echetos in Schol. Apoll. IV 1093 erwähnt: εὕρομεν δὲ τὸν μῦθον ἐν τῷ ἐπιγραφομένῳ Λυσίππου Ἠπειρώτου(?) Ἀσεβῶν καταλόγῳ, wo die Erzählung selbst ausgefallen ist, dagegen ist sie in den Odysseescholien z. St. erhalten, und zwar in der euhemeristisch zugestutzten Version des Mnaseas (ἡ ἱστορία παρὰ Μνασέᾳ). Die erstere Notiz geht auf Theon, die zweite auf Didymos zurück. Es erhebt sich nun die Frage, wie es kommt, daß die beiden zeitgenössischen Erklärer zwei verschiedene Primärquellen angaben. Die λύσις dieser ἀπορία gibt m. E. Eustath. z. St., der einer ausführlichen und von Mnaseas vielfach abweichenden Darstellung folgte. Daran knüpft er nun eine lange Erörterung über den Gebrauch von βασιλεύς und τύραννος, die darin gipfelt, daß Echetos nicht τύραννος genannt werden darf. ὃρα δὲ καὶ ὅτε τὸν Ἔχετον δέον τύραννον εἰπεῖν, ὁ δὲ (sc. Ὅμηρος) βασιλέα εἰπεν. ἠγνοεῖτο γὰρ ἐπὶ Ὁμήρου ἡ τύραννος λέξις, ἣ καὶ ὕστερον εὑρεθεῖσα ἐπ’ ἀγαθῷ ἐλέγετο, und die Bedeutung in malam partem sei gar noch späteren Ursprungs. Wenn wir nun den Bericht des Mnaseas mit Eustathios vergleichen, so fallen uns sofort folgende Worte auf: Σικελῶν δὲ τύραννος λέγεται … ὅθεν τὸν λαὸν οὐχ ὑπομένειν τὴν πικρὰν ταύτην τυραννίδα. Wir werden daher wohl kaum in der Annahme fehlgehen, daß Eustathios, bezw. die von ihm ausgeschriebene Quelle, eine Polemik gegen Mnaseas enthält und daß diese letztlich keine andere als eben der im Apolloniosscholien genannte L. war. Theon zog diesen vermutlich als den bei weitem zuverlässigeren Gewährsmann vor, denn Mnaseas war übel beleumundet, während Didymos diesen als den Älteren allein zitierte.

Über den Inhalt des Werkes schweben wir völlig im Dunklen. Die Aufnahme des Echetos deutet aber darauf hin, daß der Verfasser ἀσεβής in seiner weiteren Bedeutung ‚Missetäter‘ nahm. Es konnten daher etwa folgende Figuren der Sage in dem Buche behandelt worden sein. Zunächst die Giganten, Prometheus, Kapaneus, Lykurgos, Pentheus (Eur. Bacch. Ovid. met. III, 514 contemptor divum Pentheus), Oidipus (Schol. Soph. Oed. Col. 91 ὡς ὄντος ἀσεβοῦς), der Lokrier Aias (Od. IV 504), Polyphemos (Od. IX 275 οὐ γὰρ Κύκλωπες Διὸς … ἀλέγουσιν οὐδὲ θεῶν und dazu Schol. ἀσεβὴς ὦν ὁ Πολύφημος. Ovid. met. XIII, 761 cum dis contemptor Olympi). Des weiteren kamen hinzu die bekannten Bösewichter der Sage, wie Ixion, Salmoneus, Tityos (Pseud.-Apollod. bibl. I 9, 7 Σαλμονεὺς … διὰ τὴν ἀσέβειαν ἐκολάσθη. Suidas s. v. Σαλμονεύς ἀσεβὴς γεγονώς. Serv. auct. Aen. IV 696 qui maxima in deos … committunt, ut Salmoneus, ut contemptor divum Mezentius, ut Tityos, ut Ixion), Sisyphos, Tantalos (Schol. Pind. Ol. I 105d διὰ τὴν ἀσέβειαν τοῦ Ταντάλου), Busiris, Tereus, Atreus (Schol. Eur. Orest. 998 ἀσεβοῦντας … τεκμήριον δὲ τῆς ἀσεβέιας), Lityerses, Philanthropos ὁ τύραννος (Mythogr. Gr. p. 346 Wm.), Polymestor, Polyphontes, Phineus. Dahin gehören ferner diejenigen, die sich wie Ixion an Göttinnen vergriffen hatten, so z. B. Alphaios, Ardys, Phorbas (Paradox. Gr. f. 22) und endlich die lange Reihe der Verwandtenmörder [48] und Mörderinnen überhaupt, die im vollständigen Hygin alle aufgezählt waren. Vgl. fab. (237–240) 241. 244–246. 255 quae impiae fuerunt: Scylla, Ariadne, Prokne, Danaides, Lemniades, Harpalike. Dagegen ist es mehr als zweifelhaft, ob L. in seinem Katalog auch Männer aus historischer Zeit behandelt hatte, die, wie Anaxagoras, Diagoras, Protagoras, Alkibiades, Andokides, Sokrates, Aristoteles, Theophrastos und der Kyrenaeer Theodoros, ὁ ἄθεος genannt, der Asebie im juristisch-technischen Sinne beschuldigt worden.