RE:Oroandeis

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVIII,1 (1939), Sp. [1939 1130]–[1939 1132]
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Oroandeis, ein ἔθνος zwischen Pisidien und Isaurien, Ptolem. V 4, 9. Der Name kommt auf Inschriften in vielfachen Variationen vor: Ὀροανδεύς, IG II/III² 1, 2 nr. 1011, Liste von ξένοι (Athen, Ende des 2. Jhdts. v. Chr.). IG XII 1 nr. 448. 873. Maiuri Nuova silloge epigr. di Rodi nr. 185, Grabschriften (Rhodos). - Ὀροανδηνή, IG III nr. 2847. 2848, Grabschriften (Athen, aus römischer Zeit). - Ὀροαννεύς, Bull. hell. IV (1880) 401, Künstlersignatur (Halikarnassos, 2./1. Jhdt. v. Chr., vgl. o. Bd. IV S. 2009, 671.). Syll. or. nr. 86 Anc. Gr. Inschr. Brit. Mus. nr. 1064 (unbekannter Herkunftsort in Ägypten; letztes Jahrzehnt des 3. Jhdts. v. Chr.). Inschr. v. Priene nr. 290, Grabschrift. Milet I 3 (Delphinion) nr. 79, Bürgerrechtsverleihung. - Ὀροαννίς. A. Dain Inscr. gr. du Mus. du Louvre, textes inédits nr. 48, Grabschrift (Smyrna, nach L. Robert Rev. arch 1933 II 132). - Ὀρονδεῖς, Sterret Papers Am. Sch. Ath. II 1883/84 (1888) nr. 97 (aus nächster Nachbarschaft von Yalowitsch [1131] [Antiocheia Pisid.1). — Ὀρόνδιος, Mon. ant. As. Min. I (1928) nr. 11 = Joh. Friedrich Kleinas. Sprachdenkm. 135 nr. 52 (Serai Önü, ungefähr 50 km nördlich von Konia).

In der literarischen Überlieferung findet sich Ὀροανδεῖς nur bei Polyb. XXII 22 (25) 7 Dind. = XXI 42 (44) 7 B.-W. (Variante ὀρανδεῖς) und XXII 23 (26) 28 Dind. = XXI 44 (46) 1 B.-W. (Var. ὀρόαν). Dementsprechend bei Liv. XXXVIII 18,2 Oroandenses (ohne jede Variante), bei Cic. leg. agr. II 50 ager Oroandicus; aber bei Plin. n. h. V 147 Oronticus (so die Hss.) tractus. Ptolem. V 4, 9 hat Ὀρονδικοί. Eine Stadt Oronda (neutr. plur.) erwähnen nur Liv. XXXVIII 37, 11. 39, 1. 45, 9 und Plin. n. h. V 94 (Var. oronda, aronda).

Die Lage des Gebietes der O. ist bestimmt durch Ptolem. V 4, 9, wonach Misthion und Pappa dazu gehörten. Denn Pappa hat sicher in Jonuslar, Misthion oder, wie es gewöhnlich heißt, Mist(h)ia höchstwahrscheinlich in Fassiler östlich der Karalis gelegen, Swoboda, Keil, Knoll Denkmäler aus Lykaonien 7. 12, vgl. o. Bd. XV S. 2129, 45f. Die Angabe des Ptolemaios wird durch Sterret nr. 97 (s. o.) bestätigt, eine Weihung von Τιβεριοπολειτῶν Παππηνῶν Ὀρονδέων βουλῆ δῆμος. Die Vermutung von Hirschfeld M.-Ber. Akad. Berl. 1875 (1876) 145, daß die O. nordöstlich vom Melas gesessen haben und ihr Name sich im heutigen Arwan an der Südwestseite der Trogitis erhalten habe, ist also unmöglich.

Der älteste uns bekannte Oroandenser ist Ἀλέξανδρος Συνδαίου Ὀροαννεύς, der unter Ptolemaios IV. Philopator mit zur Elephantenjagd geschickt worden war, Syll. or. nr. 86. Ungefähr 20 Jahre später kam Cn. Manlius auf seinem Zug gegen die Galater mit den O. in Berührung. Als er Tyscos erreicht hatte — dieser Ort muß nahe dem Westende des Bezirks Djihan Beyli südlich vom oberen Sakaria (Kiepert Karte v. Kleinas. 1 : 400 000 Bl. B III am südlichen Rand) und nahe der Axylos gesucht werden, Körte Athen. Mitt. XXII 11f. —, trafen bei ihm Gesandte der O. ein. Gegen einen Tribut von 200 Talenten sicherte er ihnen Frieden zu. Im folgenden Jahre schickte er seinen Bruder L. Manlius mit 4000 Mann noch einmal zu den O. ad reliquum pecuniae ex eo, quod pepigerant, exigendum, Liv. XXXVIII 37. 11. 39, 1. Polyb. XXII 22 (25), 7. 23 (26), 28 Dind., s. o. Bd. XIV S. 1220, 18f. Es entsteht die Frage, ob diese O. mit denen um Pappa und Mistia identisch sind. Der Zug des L. Manlius würde dazu passen. Aber der Vormarsch des Cn. Manlius ist dann nicht recht zu verstehen. Der Consul zog von Termessos über Sagalassos, an Apameia Kibotos vorbei, weiter über Metropolis und Synnada an die Grenze des galatischen Gebietes. Von dort machte er die Diversion nach der Axylos (s. o.). Wenn er das tat, um von den ihm als reich bekannten O. einen hohen Tribut zu erpressen, wie Ramsay Klio XXII (1929) 376 meint, so versteht man nicht, warum er nicht lieber zu Beginn des Feldzuges, als er von Termessos vorrückte, auf die O. östlich der Karalis einen Druck ausgeübt hat. Ramsay nimmt an, daß das Gebiet der O. nördlich bis nach dem heutigen Serai Önü gereicht hat, weil dort eine Weihung Υοη (welcher Gott damit gemeint ist, ist [1132] hier gleichgültig) Ὀρονδίω gefunden worden ist (s. o.). Ich glaube, daß dieser Schluß nicht zwingend ist; ein Gott, der besonders angesehen ist, kann auch außerhalb seines eigentlichen Gebietes, vor allem in der Nachbarschaft, verehrt werden. Das Gebiet um Sizma, dessen Metallreichtum (s. Ramsay 376. 378) die O. ihren Wohlstand verdankt haben können, liegt noch weiter südlich, mindestens 120 km von der mutmaßlichen Stelle von Tyscos, und von dort bis Pappa, dem ersten Ort des unzweifelhaft oroandensischen Gebietes ist es noch 50-60 km weiter. Man hat aber nach dem Bericht bei Livius durchaus den Eindruck, daß die O. nicht allzu weit vom Standort des Manlius entfernt saßen, Ramsay 377, 1, und zwar im galatischen Gebiet, vgl. Stähelin Gesch. d. kleinas. Galater² 42, 1. Anderson Journ. hell. stud. XIX (1899) 311, 4. Das stimmt nicht, wenn die O., mit deren Gesandten Manlius verhandelte, so weit im Süden wohnten. Andrerseits betont Ramsay, daß die Höhe des Tributs darauf hinweist, daß die O. dem Manlius als reich bekannt gewesen sein müssen; und solcher Reichtum wäre im Bereich an der Karalis verständlich, aber nicht in Galatien. Dieser Hinweis ist aber nicht unbedingt beweiskräftig, da wir keinerlei Nachrichten über die Verhältnisse der Stämme haben. Und so scheint es mir, alles in allem genommen, doch besser zu sein, zwei Stämme O. zu unterscheiden. Mit dem nördlichen, dem galatischen, könnte man vielleicht die Oeandenses bei Plin. n. h. V 147 zusammenbringen. Ramsay Cities and Bishoprics of Phrygia I 265, 3. 318 schlägt vor, dafür Orondenses zu schreiben. Da aber Plinius die Oeandenses in Galatien, den Oronticus tractus aber in Pisidien erwähnt, können die beiden nichts miteinander zu tun haben, s. auch o. Bd. XVII S. 1996, 50f.

Durch den Feldzug des P. Servilius Isauricus (78-74 v. Chr.) wurde das Land der O. unterworfen, o. Bd. XVII S. 1813, 38f., Ramsay 377; damals wurde der ager Oroandicus römisch, Cic. leg. agr. II 50.

Ob es die von Livius und Plinius genannte Stadt Oronda (s. o.) überhaupt gegeben hat, ist sehr zweifelhaft. Nach Ptolemaios ist es kaum anzunehmen, da er sie neben Misthion und Pappa hätte erwähnen müssen. Es ist zu beachten, daß auch Polybios sie nicht kennt; er spricht an den Stellen, wo Livius sie nennt, von Ὀροανδεῖς. Da Livius in seinem Bericht völlig von Polybios abhängt, ist anzunehmen, daß er sich irrt; und Plinius hat von ihm diesen Fehler übernommen, vgl. Ramsay Asia Minor 398.