RE:Phtheirophagoi

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band XX,1 (1941), Sp. [1941 947]–948
Linkvorlage für WP   
* {{RE|XX,1|947|948|Phtheirophagoi|[[REAutor]]|RE:Phtheirophagoi}}        

Phtheirophagoi (Φθειροφάγοι), Steph. Byz. s. v. Strab. XI 492. 497. 499. Peripl. P. Eux. 27. [948] Ptolem. V 8, 12. Eustath. Dion. 689. Phthirophagi Mel. I 110. Plin. n. h. VI 14; vgl. auch Herodot. IV 109: Βουδῖνοι … φθειροτραγέουσι. Der Name kann, wie schon Stein Herod-Ausg. II 99 erklärt, wohl nicht ‚Läuseesser‘ bedeuten, sondern ‚Fichtenzapfenesser‘, wofür auch spricht, daß in der Nähe der P. Strab. XI 492 und Peripl. P. Eux. 27 die Stadt Πιτυοῦς, ‚Fichtenstadt‘, bezeugen.

Die Budinen, von denen Herodotos diese Ernährungsweise erwähnt, wohnten mit den Gelonen zusammen an der mittleren Wolga; dem gleichen Ansatz – östlich der Ra – begegnen wir bei Ptolemaios. Alle anderen Autoren kennen die P. nur an der kaukasischen Küste des Schwarzen Meeres nordwestlich von Dioskurias. Da es von diesen P. heißt, sie seien einst ein Skythenvolk gewesen, und da Skylax 80 ebendort an Stelle der P. die Γέλωνες angibt, die an die Gelonen Herodots erinnern, so haben wir es ursprünglich wohl mit einem und demselben Volk der ‚Fichtenzapfenesser‘ zu tun, von dem dann ein Teil aus dem Wolgagebiet nach dem Süden abgewandert ist. Über diese Wanderungen skythischer Stämme bis zur pontischen Seite des Kaukasus s. Kießling Art. Heniochoi o. Bd. VIII S. 259ff.