RE:Plautius 56

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XXI,1 (1951), Sp. [1951 44]–[1951 45]
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56) Ti. Plautius Felix Ferruntianus, seinem cursus honorum nach zu schließen ritterlichen Standes. Er war der Sohn eines Tiberius aus der Tribus Papiria und durchlief die übliche militärische Laufbahn, wie uns wenigstens die einzige über ihn erhaltene Nachricht (CIL VIII 619, dazu 11780) mitteilt. Zunächst bekleidete er eine Alenpraefectur und war dann procurator Augusti ad solaminia et horrea. Wilmans (CIL VIII zu 619) hält dieses Kommando für ein außerordentliches, wegen irgendeines Krieges oder einer sonstigen Notlage geschaffen. Diese Annahme erscheint durchaus wahrscheinlich, da bisher kein gleiches Kommando bekannt wurde, CIL II 1180 nur entfernt damit zu vergleichen ist. solaminia ist obendrein ein sonst nirgends bekannter Plural, der freilich auch durch die Schuld des provinziellen Steinmetzen entstanden sein könnte. Jedenfalls aber war diese Stellung dem Range nach einer Praefectur gleichzuachten, da die Alenpraefectur voranging und sich der Militärtribunat bei der leg. I Italica anschloß. Standort dieser Legion war Novae in Moesia inferior. Dadurch aber war die weitere Laufbahn gegeben. Seitdem unter Nero ein Einfall irgendwelcher Steppenvölker in die Krim durch T. Plautius Silvanus zurückgeschlagen worden war und von da ab die Krim von römischen Truppen besetzt gehalten wurde (Rostowzew Klio II 81), hatten die moesischen Legionen diese Besatzung zu stellen. Das geschah in der Form der vexillatio, an deren Spitze jeweils ein tribunus militum stand mit der Amtsbezeichnung praepositus. Kommandeur dieser Krimbesatzung war eine zeitlang P., da die Offiziere von Zeit zu Zeit wechselten, wie eine zu Cherson 1899 gefundene Inschrift (vgl. Inscript. antiquae orae sept. Ponti Eux. IV 94) wahrscheinlich macht. Eine etwas genauere Zeitbestimmung ist durch den Zusatz aput Scythia gegeben. Unter der Regierung des Antoninus Pius machten die Tauroskythen einen Vorstoß zur Nordküste des [45] Schwarzen Meeres und bedrängten vor allem die Stadt Olbia, der Antoninus Pius ein Hilfskorps schickte. Die Tauroskythen wurden zurückgeschlagen und gezwungen, der Stadt Olbia Geiseln zu stellen (vgl. script. hist. Aug. Ant. Pius 9, 9). Erst seit dieser Zeit ist eine römische Besatzung in Olbia und anderen ‚skythischen‘ Städten wahrscheinlich, erst nach diesem Zeitpunkt also konnte P. Kommandeur einer vexillatio aput Scythia sein. Später wurde er zur leg. III Augusta versetzt, die zu Lambaesis in Numidien ihr Standquartier hatte. Als in den schweren Markomannenkämpfen Marc Aurels selbst die afrikanischen Legionen ihr Aufgebot schicken mußten, befehligte P. die vexillatio der leg. III Aug. Er scheint persönliche Tüchtigkeit und Tapferkeit besessen zu haben, da er sich Kriegsauszeichnungen erwarb; um welche Ehrenzeichen es sich handelte und in welchen Kriegen er sie erhielt, erfahren wir infolge Verstümmelung des Steines jedoch nicht mehr.