RE:Sabaktes

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I A,2 (1920), Sp. 1531–1532
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Sabaktes, einer der in dem ps.-homerischen Epigramm 13 (Κάμινος ἢ κεραμεῖς) v. 9f. genannten Kobolde, die zur Bestrafung der kargen Töpfer angerufen werden sollen. Zu dem Namen s. Hesych. σαβάξας, διασκεδάσας, διασαλεύσας und Phot. σαβάξαι, διασαλεῦσαι. S. ist also ein Dämon, der die Töpferware durcheinanderwirft und zertrümmert. Daß die Handwerker übernatürliche feindliche Einflüsse fürchteten, beweist die bei Bekker Anekd. I 30 angeführte Sitte, ein ἀνθρωποειδὲς κατασκεύασμα βραχὺ παρηλλαγμένον τὴν ἀνθρωπείαν φύσιν am Eingange der Werkstätten als Abwehrmittel gegen den bösen Blick und andere Behexung (προβασκάνιον) aufzuhängen. Ebenso berichtet Poll. VII 108, daß die Schmiede ihre Öfen durch Anbringung komischer Darstellungen (γελοϊά τινα), worunter größtenteils Obszönitäten zu verstehen sind, gegen den bösen Blick zu schützen suchten (ἐπὶ φθόνου ἀποτροπῇ). Einen Töpferofen mit apotropäischer Maske s. bei Jahn Ber. der sächs. Ges. d. Wiss. 1854 Taf. 1, 1 S. 45f. Daß bei den Töpfern auch anderer Aberglaube verbreitet war, zeigt Plin. n. h. XXVIII 4 figlinorum opera multi rumpi credunt tali modo (sc. incantando). Auch heute noch wird in Griechenland von Handwerkern, wie Bäckern, Kalkbrennern u. a. der Einfluß des bösen Blickes gefürchtet und durch allerlei Mittel bekämpft, s. B. Schmidt Neue Jahrb. XVI 578. Pernice Festschr. f. Benndorf 1898, 75 bespricht einen korinthischen Pinax mit der Darstellung eines Mannes, der anscheinend erstaunt auf ein vor einem Töpferofen stehendes kleines phallisches Wesen hinblickt, dem ein mit ΛΛ beginnender Name beigeschrieben ist. Pernice sieht in dem Figürchen einen Dämon des Töpferhandwerks von der Art, wie sie nach dem Kaminosgedicht zu denken sind. Unter den in den oben angeführten Stellen genannten Schutzmitteln der Handwerker gegen schädliche Einflüsse, besonders den bösen Blick, versteht er u. a. eben solche phallische Figürchen. Daß bei der auf [1532] dem Pinax dargestellten Figur gleichzeitig an einen Töpferdämon und ein Apotropaion zu denken sei, ist kaum anzunehmen. Die Hinzufügung eines Namens weist vielleicht mehr darauf hin, daß einer jener Kobolde abgebildet ist, der plötzlich vor dem Ofen in zwergenhafter Gestalt erscheint und so das Erstaunen des dabeistehenden Mannes erregt. Damit wäre erwiesen, daß es sich in dem ps.-homerischen Gedicht um eine Anknüpfung an volkstümliche Vorstellungen handelt, die im Töpfergewerbe verbreitet waren.