RE:Schierenhof

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II A,1 (1921), Sp. 407–408
Pauly-Wissowa II A,1, 0407.jpg
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Schierenhof, Bauerngehöft, 1½ km westlich von Schwäbisch-Gmünd in Württemberg. Hier lag ein Kastell, 1400 m hinter dem rätischen Limes, nahe der Grenze von Obergermanien. Während in nächster Nähe des vom obergermanischen und rätischen Limes gebildeten scharfen Winkels Kastell Lorch (nr. 63) das Tal der Rems, eines rechten Nebenflusses des Neckar, sperrte, lagen die Kastelle S. (nr. 64) und Unterböbingen (nr. 65) flußaufwärts auf der Höhe des linken Ufers der Rems hinter der im Tal ziehenden Römerstraße und vom ‚Pfahl‘ durch das breite Flußtal getrennt. Das Kastell S. deckte eine Straße, die vom Filstal zum ‚Pfahl‘ geführt haben wird (ORL, doch vgl. Hertlein Bericht d. Röm.-Germ. Kommiss. XI 69). Nach einer bis zum J. 1671 reichenden Chronik eines Ratsherrn von Gmünd war zu jener Zeit das ‚Schloß‘ bereits sehr zerstört. Doch haben die Untersuchungen von v. Kallee (1886f.), Steimle (1886–1888) und der Reichslimeskommission (1893) noch folgendes feststellen können: Das Kastell hatte eine Länge von 157 m und eine Breite von 130,60 m. Die (wie gewöhnlich) abgerundeten Ecken waren durch trapezförmige Türme verstärkt. Von den beiden außerhalb des Kastells in einer Entfernung von etwa 50 m und 100 m ausgegrabenen Resten zweier Häuser war letzteres das zum Kastell gehörige Badegebäude (über diese Kastellbäder s. G. Wolff Bericht d. Röm.-Germ. Kommiss. Dtsch. Arch. Inst. XI 71ff.). Von den Einzelfunden sind zu nennen: Bruchstück einer Inschrifttafel aus dem Praetorium des Kastells (Abb. ORL p. 7. Haug-Sixt p. 129. Vollmer Tab. 40), vielleicht zu ergänzen: [.... cohors I pia f]idelis lim[itanea?] [408] Raet[orum] (anders ergänzt in CIL III 11924); acht gleich gestempelte Ziegel (Abb. ORL Taf. II 4. Haug-Sixt p. 130), verschieden gedeutet, so von Ritterling Bonn. Jahrh. CVII 129, 2 (CIL III Suppl. p. 2328, 202 zu nr. 13547): coh(o)r(tis) p(rimae) R(a)et(orum), doch wohl zutreffender von Drexel (bei Haug-Sixt nr. 68): coh(o)r(tis) p(iae) f(idelis) Raet(orum). Demnach bildete die in rätischen Diplomen genannte Cohors I Raetorum (o. Bd. IV S. 326) die Besatzung des Kastells S. Ferner sind u. a. gefunden: zwölf vergoldete Bronzebuchstaben (teilweise vielleicht vom Namen Antoninus) und Bruchstück der Steintafel, auf welcher jene Metallinschrift befestigt gewesen war, herrührend von der Porta dextra des Kastells (ORL Taf. II 2–3. CIL III 14370⁷); Brunnenbild aus Stein, Darstellung einer Quellnymphe, aus dem Badegebäude (Abb. ORL p. 7. Haug-Sixt nr. 73); vier gestempelte Ziegel (Hypokaustenplatten): Secundini (CIL III 13548. ORL Taf. II 5. Haug-Sixt nr. 508); Oberteil eines Grabsteines (CIL III 11925. Abb. ORL Taf. II 7); gestempelte Sigillata der obergermanisch-gallischen Töpfer Domitianus, Natalis, Qu(i)etus (ORL p. 8 CIL III 15216²⁷ ²⁹; vgl. CIL XIII 10010, 806. 1413. 1599); ein silberner Fingerring mit Inschrift Min(ervae), Abb. ORL Taf. III 14. Haug-Sixt nr. 72. Henkel Röm. Fingerringe (1913) nr. 1989 (vgl. CIL XIII 10024, 22). – Literatur: CIL III Suppl. Index p. 2714 und Tab. VIII Bcd. Steimle-Hettner ORL B VI nr. 64. Haug-Sixt Die röm. Inschr. u. Bildwerke Württembergs² 128–133 (nr. 65–73. 508). Vollmer Inscript. Baiuar. Rom. (1915) p. 223 und nr. 295–298 A (p. 91f.) nr. 505 (p. 160).