RE:Tarchetios

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV A,2 (1932), Sp. [IV_A,2 2294]–[IV_A,2 2295]
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Tarchetios. Plut. Rom. 2 erzählt bei der Wiedergabe der verschiedenen Berichte über die Herkunft des Romulus nach dem hellenistischen Historiker Promathion folgende Geschichte: Der Albanerkönig T. habe auf das geheimnisvolle Erscheinen eines Phallus im Herdfeuer hin, dem Rate der Göttin Tethys folgend, seine Tochter aufgefordert, sich mit jenem zu verbinden. Diese habe sich zunächst geweigert und sei infolgedessen von ihrem Vater verfolgt worden, dann aber, als sie gegen dessen Willen die Begattung habe vollziehen lassen, seien ihre beiden Zwillinge ausgesetzt, jedoch auf wunderbare Weise durch hilfreiche Tiere am Leben erhalten worden und hätten ihren Großvater gestürzt. Die Parallele dieser Erzählung zu der üblichen Version von des Romulus und Remus wunderbarer Geburt, Aussetzung und Rettung ist deutlich, wird aber in unserer Quelle weder in bestimmter inhaltlicher Weise an die übrigen Versionen angeknüpft noch auch durch Benennung der Zwillinge näher gekennzeichnet. Jedenfalls bietet jedoch diese Geschichte der vergleichenden Mythen- und Motivforschung auch sonst vielerlei Handhabe. Teils fügt sie sich in ihrer Fabel von der geheimnisvoll-überirdischen Geburt und dem göttlich geleiteten Werdegang eines Städtegründers ein in die Geschichten von Romulus, Modius Fabidius, Caeculus, Servius Tullius, wozu im Griechischen die Sagen von den Kindern der Tyro und dem Sohn der Danae treten, teils erinnert sie, was das Verhältnis zwischen Großvater und Enkel betrifft, [2295] auch an die Geschichte von der Geburt des Kyros (vgl. zu allem W. Schultz Myth. Lex. V 100ff., dessen religionsvergleichende Deutungen jedoch abzulehnen sind, sowie zu dem in der T.-Geschichte ebenfalls vorkommenden Penelopemotiv vom wieder aufgetrennten Gewand, Eisler Weltenmantel u. Himmelszelt 131ff.). Gegenüber der Herleitung unserer Geschichte wie auch der mit ihr am meisten Ähnlichkeit aufweisenden von der wunderbaren Geburt des Servius Tullius (Zeugung durch den Phallus, geschlechtliche Vereinigung auf göttlichen Rat, vgl. Schwegler Röm. Gesch. I 430f., 714f.) aus hellenistischer Überlieferung (Wissowa Rel. und Kult. d. Römer² 169, vgl. Soltau Arch. f. Religionsw. XII [1909] 101ff.) glaube ich, an italischer Überlieferung festhalten zu müssen, vor allem wegen der im Vordergrund dieser Gemeinsamkeiten stehenden, deutlich auch bei der Cäculusgeschichte auftretenden Zeugung seitens des Herdgeistes (vgl. die im ganzen sehr einleuchtenden Ausführungen von F. Altheim Griech. Götter im alten Rom 51ff. und W. F. Otto Arch f. lat. Lexikogr. XV [1908] 118, auch o. Bd. VII S. 16), der als Phallus erscheinend, verständlicher Weise als Lar familiaris und auch, wenngleich dies kaum ursprünglich, als Vulcanus (mag dieser auch von vornherein Gott des Herdfeuers sein, aber es fehlt hier gleichsam die Vorstellung des fortpflanzenden Familiengenius, vgl. auch Wissowa 231) gedeutet werden konnte und auch zum Kreise der Vesta Beziehungen hat (vgl. Plin. n. h. XXVIII 89 und Altheim 51). Sehr überzeugend erscheint mir die Theorie Altheims von der Herleitung aller dieser Erzählungen aus dem Etruskischen (49ff.), worauf schon vorher Wolfgang Schultz Memnon III 2ff. hingewiesen hatte, wenn mir auch die Gleichsetzung des Phallus mit dem etruskischen Genius nicht eigentlich bewiesen zu sein scheint (sicherlich aber bewegen wir uns, wie schon oben angedeutet, in der Sphäre des Genius und Lar familiaris). Etruskische Herkunft (willkommen bei einer Romulus betreffenden Erzählung) legt nicht nur die Örtlichkeit der beiden Hauptgeschichten nahe (das vielfach etruskisch beeinflußte Alba und das Haus der aus Etrurien stammenden Tarquinier), sondern es bestehen auch, worauf W. Schultz Memnon III 4 hingewiesen hat, enge Beziehungen dem Namen und Wesen nach zwischen T., dem Großvater der wunderbar geborenen Zwillinge, Tarquinius, dem Pflegevater des Servius Tullius, und Tarchon, dem mythischen Pflegevater des etruskischen Tages, der als ein Sohn des Genius (vgl. Altheims Gleichung: etrusk. Genius Phallus) bezeichnet wird (vgl. Pauli Myth. Lex. V 4). Auch die Orakelgöttin Tethys wird in einem Götternamen der etruskischen Bronzeleber von Piacenza (tethum) wiedererkannt (vgl. Pauli Myth. Lex. V 393 und Deecke Etrusk. Forsch. IV 42). T. als etruskischer Name bei Müller–Deecke Die Etrusker I 68, 471. W. Schulze Zur Gesch. lat. Eigennamen 96.

Anmerkungen (Wikisource)

Gleich mit Tarchetius.