RE:Tincom(mius)

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI A,2 (1937), Sp. [VI_A,2 1372]–[VI_A,2 1373]
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Tincom(mius), altbritannischer Fürst, dessen Name als TIN, TINC oder TINCOM auf Goldmünzen des 1. Jhdts. erscheint. Gewöhnlich werden die Buchstaben C. F, COM.F oder COMMI.(F) hinzugefügt. Da derselbe Zusatz sich regelmäßig auf den Münzen von zwei anderen Fürsten (Epillus u. Verica) findet, hat J. Evans daraus gefolgert, daß wir hier mit drei Söhnen des bekannten Commius (s. d.) zu tun haben; das Reich, das dieser als Flüchtling aus Gallien im südöstlichen Britannien gegründet hatte, sollen seine Nachfolger miteinander geteilt haben (Coins of the Ancient Britons [1864] 158-170 u. [1890] [1373] 499-507). Daß die Gegend zwischen der Bergkette South Downs und der Küste der Grafschaft Sussex dabei dem T. zufiel, erhellt aus einer Übersicht der Fundorte der Münzen (G. C. Brooke in Antiquity VII [1933] 282ff.). Evans schlug auch vor (a. O.), das lückenhafte TIM (?) des Mon. Ancyr. (32) als TINCOMMIVS zu ergänzen. Dann wäre T. einer der zwei britischen Häuptlinge, die zur Zeit des Augustus nach Rom als Bittsteller kamen. Mommsen nahm die vorgeschlagene Ergänzung nicht an, und später wurde sie von Hübner entschieden verworfen (s. o. Bd. III S. 867). Alle beide aber, ebenso wie Holder (Altcelt. Sprachsch.), meinten noch immer, der auf den Münzen abgekürzte Name müsse Tincus oder Tincius lauten; die Exemplare mit TINCOM COMMI kannten sie nicht. Die Frage wurde aufs neue in Num. Chron. 4. Reihe XVIII (1918) 97-109 von J. E. Sandys mit Hilfe des ganzen Beweismaterials sorgfältig erörtert, und demgemäß haben W. M. Ramsay und A. v. Premerstein in ihrer Ausgabe des Mon. Antiochenum (1927) die Lesung Tincommius (Tab. VIII) ohne weiteres gebilligt.