RE:Vorwort (Supplementband I)

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. IIIV
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Vorwort.

Dass ein Werk von Art und Umfang der Real-Encyclopädie, um seine volle Brauchbarkeit zu bewahren und nicht vor der Zeit zu veralten, reichliche Nachträge und Ergänzungen erfordern würde, war von vornherein nicht zu verkennen, und es wurde darum schon bei Beginn der Arbeit die spätere Veröffentlichung von Supplementen ins Auge gefasst. Fraglich konnte nur sein, ob es sich mehr empfehle, diese nach Abschluss des Hauptwerkes in Form eines Ergänzungsbandes herauszugeben, oder in einzelnen Heften noch während des Erscheinens der Real-Encyclopädie; bot das erstere Verfahren den Vorteil grösserer Geschlossenheit und Einheitlichkeit, so sprach für das andere die Erwägung, dass es einmal auf diese Weise möglich sein würde, die Ergänzungen dem Publicum rascher zugänglich zu machen, andererseits die Darbietung einer mehrfachen Gelegenheit zu Nachträgen und Berichtigungen im Interesse der Vollständigkeit und Correctheit zu liegen schien; dem Übelstande, dass sich auf diese Weise hin und wieder Ergänzungen zu demselben Gegenstande an mehreren verschiedenen Stellen des ganzen Supplementbandes finden würden, liess sich durch Beigabe eines Registers am Schlusse leicht abhelfen. Schon vor 8 Jahren bei der Herausgabe des ersten Bandes der Real-Encyclopädie hatte ich mich für diese zweite Möglichkeit entschieden, und ich bin in dieser Anschauung noch bestärkt worden durch die Erkenntnis, dass ich damals, als ich für den Abschluss des ganzen Werkes eine Zeitdauer von 10–12 Jahren ansetzte, die Leistungsfähigkeit zwar nicht der Redaction und der Verlagsanstalt, wohl aber der Mitarbeiter nicht unwesentlich überschätzt habe. Ich bin mir bewusst, mich um die Beschleunigung des Fortganges der Real-Encyclopädie redlich bemüht zu haben, aber es giebt gewisse in der Natur der Dinge und der Menschen liegende Schranken, vor denen auch die noch so energisch treibende Kraft des Redacteurs (dass ich es an dieser nicht habe fehlen lassen, werden mir meine Herren Mitarbeiter gewiss bezeugen, manche mit Seufzen) Halt machen muss. Das nächstliegende Mittel ist natürlich weitgehende Arbeitsteilung; aber auch hier giebt es schliesslich eine gewisse Grenze (die Zahl der ständigen Mitarbeiter schwankt zur Zeit zwischen 140 und 150), wenn die Einheitlichkeit des Werkes nicht völlig preisgegeben werden soll; von dem Grundsatze aber, nicht mit wissenschaftlichen Handlangern zu arbeiten, die allenfalls auf Bestellung über jeden Gegenstand einen Artikel in bestimmter Frist aus dritter und vierter Hand zusammenzuklittern im stande sind, sondern mit selbständigen Forschern und Leuten von bewährtem wissenschaftlichen Namen, gedenke ich nicht abzugehen, auch wenn dadurch der Fortgang des Werkes etwas verlangsamt werden sollte. Je mehr aber mit einer längeren Erscheinungsdauer des Hauptwerkes gerechnet werden musste, um so weniger schien es ratsam, den Benutzern der ersten Bände wichtige und wesentliche Ergänzungen, wie sie z. B. dieses Heft durch die Artikel Athenai und Civitas sowie durch zahlreiche neue Stichworte namentlich auf geographischem [IV] und prosopographischem Gebiete liefert, bis zum Abschlusse des Hauptwerkes vorzuenthalten.

Dieses erste Supplementheft enthält Nachträge und Ergänzungen zu den vier ersten Bänden des Hauptwerkes; ich sage absichtlich nicht „die Nachträge und Ergänzungen“ im Hinblick auf die nicht geringe Zahl von Desideratenzetteln zu den genannten Bänden, die noch vor mir liegen und aus inneren oder äusseren Gründen erst später ihre Erledigung finden können. Dem vorliegenden Hefte sollen noch zwei weitere folgen, in der Weise, dass der ganze Supplementband sich unmittelbar an den Schlussband des Hauptwerkes anschliesst und durch seinen Gesamtinhalt alle Partien der Real-Encyclopädie mit dem Stande der Wissenschaft im Erscheinungsjahre des Schlussbandes in Übereinstimmung bringt.

Der Text ist in der Art angeordnet, dass völlig neue Artikel das Stichwort in Fettdruck am Anfang der Zeile zeigen, Nachträge zu bereits vorhandenen Artikeln mit Vorsetzung der Seiten- und Zeilenzahl des Hauptwerkes eingereiht sind; neue Träger bereits im Hauptwerke vorkommender Namen sind durch Vorsetzung einer neuen Nummer in Fettdruck gekennzeichnet, die Einordnung unter die alten Nummern ist durch Beisetzung von Exponenten zur nächstvorangehenden Ziffer (3a, 3b) erfolgt; bei Namen, die hinter der letzten Nummer der bisherigen Zählung einzusetzen waren, ist die Bezifferung einfach fortgeführt, bei solchen, die vor der bisherigen ersten Nummer ihren Platz finden sollten, die Bezeichnung a, b verwendet worden. Die provisorisch am Ende der einzelnen Bände des Hauptwerkes gegebenen „Nachträge und Berichtigungen“ sind hier wiederholt, zum Teil in veränderter und erweiterter Form. Correcturen von unwesentlichen Kleinigkeiten, insbesondere Druckfehlerberichtigungen, habe ich nur in beschränktem Umfange, meist auf ausdrücklichen Wunsch der Herren Verfasser, aufgenommen; das Meiste werden die Benutzer der Real-Encyclopädie inzwischen schon selbst gefunden und (mit einem Segenswunsche für den fahrlässigen Verfasser und Redacteur) richtiggestellt haben. Im letzten Supplementhefte sollen aber auch die Liebhaber solcher Corrigenda zu ihrem Rechte kommen.

An dem Inhalte dieses Heftes ist ausser den ständigen Mitarbeitern der Real-Encyclopädie auch eine grosse Zahl ausserhalb dieses Kreises stehender Gelehrten beteiligt, die mir aus freien Stücken wertvolle Beiträge eingesendet haben. Soweit es sich dabei um ausgearbeitete Artikel handelte, habe ich sie mit dem Namen des Einsenders veröffentlicht; Hinweise auf Übersehenes oder Nachweisungen von Rohmaterial habe ich entweder den betreffenden Referenten übergeben oder auch selbst bearbeitet und zur Übernahme der Verantwortung mit meinem Namen gezeichnet. Die nachstehende Liste derjenigen Herren, die sich durch derartige freiwillige Beiträge als Freunde und Förderer der Real-Encyclopädie erwiesen haben, bitte ich als ein Zeugnis des aufrichtigen Dankes aufzufassen, den sowohl ich wie alle Benützer des Werkes den Herren Einsendern schulden.

Prof. Dr. J. Bidez, Gent.[1]
Cand. phil. G. Billeter, Zürich.[2]
[V] Prof. Dr. M. Bonnet, Montpellier.[3]
Prof. Dr. Th. Büttner-Wobst, Dresden.[4]
Prof. Dr. E. Capps, Chicago.[5]
Dr. phil. W. Croenert, Bonn.[6]
Schlossprediger Doyé, Crossen a/Oder.[7]
Gymn.-Lehrer Dr. G. von Finály, Budapest.[8]
Arzt Dr. Florance, Cassis (Dép. Bouches-du-Rhône).
Privatdocent Dr. Th. von Grienberger, Wien.[9]
Prof. Dr. F. Harder, Berlin.[10]
Prof. Dr. R. Heinze, Berlin.[11]
Assist. Keeper G. F. Hill, London.[12]
Prof. Dr. J. Hirschberg, Berlin.[13]
Dr. G. Kazarow, München.[14]
Prof. Dr. B. Keil, Strassburg.[15]
Dr. O. Kroehnert, Gumbinnen.[16]
Prof. Dr. H. Luckenbach, Karlsruhe.[17]
Stud. phil. B. A. Müller, Leipzig.[18]
Prof. Eb. Nestle, Maulbronn.[19]
Privatdocent Dr. O. Plassberg, Strassburg.[20]
Prof. Dr. A. Roersch, Gent.[21]
Gymn.-Lehrer Dr. F. Stähelin, Winterthur.[22]
Prof. Dr. J. Wackernagel, Göttingen.[23]
Prof. Dr. Th. Weidlich, Stuttgart.[24]
Oberlehrer Dr. F. Wilhelm, Ratibor.[25]

Eine eigene Bewandtnis hat es mit dem dieses Heft abschliessenden Artikel Demokratia. Die Bearbeitung dieses Stichwortes, dessen Aufnahme ursprünglich überhaupt nicht in Aussicht genommen war, war meinem vortrefflichen Mitarbeiter Prof. Dr. Valerian v. Schoeffer[26] (St. Petersburg) zu einem solchen Umfange angewachsen, dass ich bei aller aufrichtigen Anerkennung der Gediegenheit und Vorzüglichkeit des Gebotenen aus redactionellen Gründen, schon der Consequenzen wegen, Bedenken tragen musste, sie in ihrer vollen Ausdehnung aufzunehmen. Während ich noch die zweckmässigste Art der Kürzung erwog, die ich dem Verfasser anraten wollte, kam die erschütternde Nachricht von dem am 18. April/1. Mai 1900 erfolgten frühzeitigen Hinscheiden v. Schoeffers. An dem Manuscript eines Verstorbenen herumzustreichen war ebenso gegen mein Gefühl, wie das Manuscript nachträglich noch abzuweisen, die unverkürzte Aufnahme in den laufenden Band aber verbot die zwingende Rücksicht auf den Raum; so habe ich den Ausweg ergriffen, den heimatlosen Artikel diesem Supplementhefte einzuverleiben: sein sachlicher Gehalt ist derartig, dass die Aufnahme einer Rechtfertigung kaum bedarf, der sumptus chartae aber, so denke ich, professione pietatis aut laudatus erit aut excusatus.

Halle (Saale), 14. December 1902.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Joseph Bidez (1867–1945)
  2. Gustav Billeter (1873–1929)
  3. Max Bonnet (1841–1917)
  4. Theodor Büttner-Wobst (1854–1905)
  5. Edward Capps (1866–1950)
  6. Wilhelm Crönert (1874–1942)
  7. Karl Daniel Doyé (1836–1913)
  8. Gábor (Gabriel) Finály (1871–1951)
  9. Theodor von Grienberger (1855–1932)
  10. Franz Harder (1855–1927)
  11. Richard Heinze (1867–1929)
  12. George Francis Hill (1867–1948)
  13. Julius Hirschberg (1843–1925)
  14. Gabriel Kazarow (1874–1958)
  15. Bruno Keil (1859–1916)
  16. Otto Kroehnert (1878?–1945?)
  17. Hermann Luckenbach (1856–1949)
  18. Bruno Albin Müller (1879–1939)
  19. Eberhard Nestle (1851–1913)
  20. Otto Plassberg (1869–1924)
  21. Alphonse Roersch (1871–?)
  22. Felix Stähelin (1873–1952)
  23. Jacob Wackernagel (1853–1938)
  24. Theodor Weidlich (1840–1926)
  25. Friedrich Wilhelm (1863–1933)
  26. Valerian von Schoeffer (1862–1900)