Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Alt-Hörnitz

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Textdaten
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Autor: Otto Moser
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Titel: Alt-Hörnitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 57–59
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o.J. (1854–1861)
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung von Rittergut und Dorf Alt-Hörnitz bei Zittau
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Alt-Hörnitz


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Althörnitz.


Althörnitz liegt eine halbe Stunde von Zittau an der Mandau, die sich in der Nähe dieser Stadt mit der Neisse vereinigt, an der Löbau-Zittauer Eisenbahn und der Chaussee nach Rumburg zwischen den Ortschaften Hainewalde, Hausgrund, Oberbetzdorf und Neuhörnitz dicht an der Böhmischen Grenze. Der Name Hörnitz bedeutet einen erhaben gelegenen Ort (horny) doch giebt es auch eine zweite Definition, welche den Namen von hornica, Topf, ableitet, und damit die neuerliche Auffindung einer Anzahl Slavischer Todtenurnen in dem benachbarten Pethau in Verbindung bringt. Der Ort zeichnet sich durch ungemein fruchtbaren Boden aus, und namentlich wird hier der Gemüsebau ausserordentlich cultivirt, da die Aecker einen wahrhaft fabelhaften Ertrag gewähren. Vorzüglich wird der Gurkenbau gepflegt, und es ist nicht selten, dass die Erndte eines einzigen Sächsischen Ackers achtzig bis hundert Thaler einbringt. – Der grösste Theil des Rittergutes Althörnitz ist parcellirt und verpachtet, gegenwärtig werden nur hundert Acker Feld und fünfundzwanzig Acker Wiesen bewirthschaftet. Der trefflich bestandene Forst des Gutes beträgt hundert Acker. Rittergut und Dorf Althörnitz sind in die Johanniskirche zu Zittau eingepfarrt.

Wie alle von den Slaven gegründete Ortschaften ist auch Althörnitz uralt, doch fehlen alle Urkunden über dasselbe bis zum Jahre 1369, wo Kaiser Karl IV. Dienstag nach der eynlef tusend maget tag den gewin vun dem Forwerge czu hurnicz (nach anderer Abschrift „czu Hrönitz“) der Stadt Zittau gegen eine jährliche Geldleistung an das Kloster Oybin überliess, welcher Vertrag drei Jahre später am Sonntage Cantate 1373 wieder erneuert wurde. Im Anfange des funfzehnten Jahrhunderts war Hörnitz bereits an die mächtigen Burggrafen von Donyn gekommen, denn eine im Archive des Klosters Marienthal aufbewahrte Urkunde von 1420 nennt den Burggrafen Wenzk von Donyn, auf Hornicz gesessen. Im Jahre 1497 besass das Rittergut Georg von Debschitz, der Montags nach Lätare, am Tiburtiustage, als Zeuge bei einem Vertrage erschien, den die Stadt Zittau, mit der Landschaft ihres Weichbildes, wegen Ausübung der Gerichtsbarkeit abschloss. Georg von Debschitz wird noch in einer zweiten Urkunde vom Tage St. Thomä 1498 erwähnt, wo er dem Altare der Heiligen Fabian und Sebastian in der Johanniskirche zu Zittau für sich und seine Nachkommen eine Mark jährlichen Zinses von einem in Hörnitz gelegenen Bauergute überliess. Seine Nachfolger, die Gebrüder Hans Georg, Bernhard und Caspar von Debschitz geriethen mit der Stadt Zittau 1517 in grosse Streitigkeiten. Längst schon hatte die reiche, stolze Stadt Zittau mit dem Adel ihres Weichbildes wegen der Ausübung der Rechtspflege in Unfrieden gelebt. Nun begab es sich, dass Barthel Güttel von Schönau auf dem Hornitzer Território einen alten Mann, Namens Heidel, dergestalt misshandelte, dass derselbe nach wenigen Tagen starb, und die Zittauer liessen Güttel einfangen und bestraften ihn, doch wie es scheint nicht eben hart. Die Herren von Debschitz waren über die Eingriffe des Zittauer Rathes in ihre Gerichtsverwaltung höchst beleidigt, liessen nun ihrerseits den freigelassenen Güttel einfangen und stellten ihn vor die Hörnitzer Gerichtsbank, worüber sich jedoch der bereits bestrafte Todtschläger bei dem Rathe zu Zittau beschwerte, der die Edelleute zwang ihren Gefangenen aus der Haft zu entlassen. Später besassen Althörnitz Balthasar und Georg von Debschitz; Neuhörnitz aber gehörte Christoph von Debschitz, der sein daselbst befindliches Freigut 1544 an die Stadt Zittau verkaufte. Althörnitz kam 1566, ebenfalls durch Kauf, an Christoph von Nostiz auf Hainewalde.

Von der, in der Lausitz so reichbegüterten, Familie von Nostiz besass Althörnitz 1577 Christophs von Nostiz Wittwe, Barbara, und nach ihr Christoph von Nostiz, ihr Sohn, der jedoch schon 1584 starb, worauf das Gut an Hans Ulrich von Nostiz gelangte, der auch Ruppersdorf und Hainewalde besass. Er veräusserte Althörnitz an Georg von Löben, von dem das Gut in Besitz Caspar Christophs von Gersdorf kam. Georg von Löben war ein vorzüglicher Fechter und wol auch etwas rauflustig. Er hatte 1640 drei Zweikämpfe mit Sächsischen Offizieren, denn damals lag in Zittau und dessen Umgegend starke Einquartirung unter dem Commando des Oberstwachtmeisters von Milkau und Oberstleutnants von Wedelbusch, und reiste alsdann mit dem Bürgermeister Just nach Dresden, den Churfürsten um Erleichterung der Kriegslasten zu bitten, welches Gesuch auch Gewährung fand.

Von dem Herrn von Gersdorf erkaufte Althörnitz der berühmte Christian von Hartig, Doctor der Medizin und dreizehn Male Bürgermeister der Stadt Zittau. Dieser hochverdiente Mann war am 16. Mai 1605 in Zittau geboren, studirte in Frankfurt, Strassburg und Genf, bereiste alsdann Frankreich, England, Holland und Dänemark, ging später nach Venedig und promovirte endlich in Padua zum Doctor der Medizin und [58] Philosophie. Hierauf unternahm Hartig eine wissenschaftliche Reise durch Italien, und kehrte alsdann nach Venedig zurück, wo der eben so gelehrte als liebenswürdige Mann sich die allgemeine Gewogenheit und Achtung dergestalt zu verschaffen wusste, dass der damalige Doge, Nicolo Contarini ihn 1629 zu seinem Leibmedicus ernannte, und in öffentlicher Versammlung zum St. Marcusritter schlug. Hartig kehrte 1632 nach seiner Vaterstadt Zittau zurück und wurde sofort in den Rath gewählt, ein in den Stürmen des dreissigjährigen Krieges gar schwieriges Amt. Als 1643 die kaiserlichen Generale Gallas und Götz Zittau belagerten, waren es hauptsächlich die Rathsherren Hartig, Just und Stoll, welche die Schwedischen Obersten Reichwald und Brandeshagen bewegten die nutzlose Vertheidigung der Stadt nicht weiter fortzusetzen, und somit noch zu rechter Zeit grösseres Verderben von Zittau abwandten.

Schon 1639 hatte Christian von Hartig Zittau gerettet. Damals wurde die Stadt von Helmold Wrangel, genannt der tolle Helm, schwer geängstigt und ihr ein Aufwand von der damals ungeheuren Summe von 60,000 Thalern in einer Zeit von sechs Wochen verursacht. Mehrere Deputationen des Rathes hatten bereits den Obergeneral Banner um Erleichterung der schweren Kriegslast gebeten, aber es war vergeblich gewesen, da half Christian von Hartig. Man erzählt zwei Veranlassungen die den Schwedischen Feldmarschall zur Gnade bestimmten. Nach einer Tradition hatte Hartig noch einen Bruder, Jacob von Hartig, der ebenfalls Mediziner und in Venedig als Stadtphysikus angestellt war. Dieser behandelte einst die Gemahlin Banners bei einer schweren Krankheit und rettete ihr das Leben, und diesen Umstand benutzte Christian von Hartig zu seinem Zweck. Als die Deputation der Stadt Zittau bei der Brücke von Brandeis den Feldmarschall knieend um Hülfe angesprochen, aber solche nicht erlangt hatte, liess Hartig sich dessen Gemahlin vorstellen, erinnerte sie, was sein Bruder, ein geborener Zittauer, an ihr gethan, und gewann ihr Wohlwollen. Die Dame erinnerte sich dankbar ihres Retters und versprach Alles zu thun um dessen Vaterstadt zu schützen. Glücklicher Weise fiel um jene Zeit des Feldmarschalls Geburtstag, und die dankbare Frau benutzte diese Gelegenheit den Gemahl um Gnade für die bedrängte Stadt zu bitten. Banner konnte dem Flehen der geliebten Gattin nicht widerstehen und gab am 21. Juli Ordre Zittau zu räumen, ja er liess der Stadt sogar eine Salvegarde. Nach einem anderen Bericht soll noch ein zweiter günstiger Umstand, Banners Herz zu erweichen, hinzugekommen sein. Als Hartig nämlich nach Brandeis kam, war ein Sohn des Feldmarschalls schwer erkrankt, und die Schwedischen Aerzte hatten alle Hoffnung aufgegeben des Jünglings Leben zu retten. Da übernahm der geschickte Doctor Hartig die Cur, nach wenigen Tagen war der junge Banner wieder hergestellt, und des hocherfreuten Vaters Dankbarkeit befreite sofort die Stadt Zittau von ihren Quälgeistern. - Als 1651 die durch den Krieg verwüstete Kreuzkirche in Zittau wieder aufgebaut werden sollte, unterstützte Hartig den Baufond durch eine bedeutende Summe und errichtete in derselben auf eigene Kosten den Altar, welcher zur Erinnerung an ihn die Insignien des Markusordens trägt. Auch das 1651 von ihm in altitalienischem Style erbaute Schloss Althörnitz ist mit dem stolzen Löwen der Republik Venedig geschmückt. Im Jahre 1655 wurde Hartig am Landtage Bartholomäi in den Oberlausitzischen Ritterstand aufgenommen, „weil er zu Venedig mit dem Ritterorden St. Marci geziert sei und bei männiglich in gutem Valor stehe.“ Er war ein grosser Gartenfreund und führte verschiedene bisher in der Lausitz nicht gekannte Pflanzen, namentlich Tuberosen, Tulpen und Orangerie in hiesiger Gegend ein, auch stiftete er kurz vor seinem Tode ein ansehnliches Stipendium, zunächst für Verwandte, und in deren Ermangelung für Zittauer oder Predigersöhne des Stadtgebietes, von denen zur Zeit drei mit sechszig Thalern unterstützt werden. Der hochverdiente Mann starb am 1. Mai 1677 und den Eindruck seines Verlustes bezeichnen die Worte des Rectors Kaimann, der das Leichencarmen fertigte:

Zittau, steh noch tausend Jahre,
Hartigs gleichen kriegst du nicht.

Er wurde in der Johanniskirche vor der Sakristei begraben. Sein Vater war Johann Hartig, gleichfalls ein berühmter Arzt, und die Mutter Johanne Montanus, des kaiserlichen Leibarztes, Tochter. Beide Eltern starben 1632 zu Zittau an der Pest und ruhen ebenfalls in der Johanniskirche.

Nach Hartigs Tode erbte Althörnitz dessen Sohn, Johann Jacob von Hartig, geboren am 2. Februar 1639. Gleich seinem Vater unternahm er bedeutende Reisen, promovirte in Padua zum Doctor der Medizin und kehrte nach Zittau zurück, wo er drei Mal das Stadtrichteramt und dreizehn Mal das Amt eines Bürgermeisters versah. Zu Hartigs vertrauten Freunden gehörte der berühmte Tzschirnhausen auf Kiesslingswalde bei Görlitz, mit dem er in stetem Briefwechsel stand, und da er ein grosser Freund der Chemie war, liess er sich auf dem Schlosse Althörnitz ein Laboratorium einrichten, in welchem die beiden Freunde oft tagelang arbeiteten. Ebenso war Hartig auch ein ausgezeichneter Musiker und hatte bei dem berühmten Lully in Paris Unterricht genossen. Vorzüglich die Laute wusste er meisterhaft zu spielen und es wird von ihm erzählt, dass er durch sein herrliches Lautenspiel in Bourges das Herz eines jungen Landsmannes von schweren Verirrungen gerettet habe. Johann Jacob von Hartig starb 1718 und ihm folgte im Besitze des Rittergutes Althörnitz sein Sohn, Adam Jacob von Hartig, der das Gut 1771 seinem [59] Schwiegersohne August von Kyau hinterliess. Im Jahre 1781 kam Althörnitz an Johann Gottfried Kämmel und 1823 an dessen Schwiegersohn den späteren Bürgermeister von Zittau Ernst Friedrich Wilhelm Just; 1840 aber erwarb es der frühere Besitzer von Grossschweidnitz Hans Christoph Moritz von Beschwitz von dem es 1850 an den jetzigen Eigenthümer Herrn Wolf Leopold Moritz von Beschwitz gelangte.

Ausser den Böhmischen Grafen von Hartig stammt noch eine vornehme Familie aus Althörnitz. Da nämlich eine Tochter Johanns von Hartig, Christiane Margarethe Elisabeth, sich mit Christoph Friedrich von Manteuffel vermählte, so wurde hier der Sächsische Minister Georg August Ernst von Manteuffel geboren, dass demnach auch der jetzige Ministerpräsident des Königreiches Preussen aus Althörnitz stammt. Von den Hartigs leben aber auch noch Abkömmlinge in der Oberlausitz, die jedoch den Adel nicht mehr führen, da der alte Glanz ihrer Familie von ihnen gewichen ist.

Westlich von Althörnitz liegt die Koitsche, ein Berg mit herrlicher Aussicht über die Zittauer Gegend bis an das Riesengebirge, der früher sehr besucht war und auf dem 1659 eine Kindesmörderin hingerichtet wurde. Im nahen Schülerthale befindet sich ein sehenswerther Viaduct der Löbau-Zittauer Eisenbahn, auf dem Schülerbusche aber soll einst eine Burg gestanden haben, von der jedoch keine Spur mehr wahrzunehmen ist. Dagegen sind noch bedeutende Reste vormaliger Verschanzungen vorhanden, von denen behauptet wird, dass sie gleich denen auf dem Ostritzer Venusberge noch aus der Heidenzeit herrühren, wahrscheinlicher aber ist es, dass sie Ueberbleibsel von Befestigungen aus dem siebenjährigen Kriege sind, die hier von den Preussen angelegt wurden. Nach der verlornen Schlacht bei Collin zog sich eine Abtheilung der Preussischen Armee unter dem Prinzen August Wilhelm, Bruder des Königs von Preussen, nach der Oberlausitz zurück um die dort, namentlich bei Zittau befindlichen Magazine zu decken. Die Oestreicher waren indessen schon vor Zittau erschienen und die Preussen lagerten sich von Pethau über Heringsdorf bis Oderwitz, auch errichteten sie auf dem Schülerbusche verschiedene Verschanzungen. Von hier aus sahen sie nun das sich entwickelnde Trauerspiel der Beschiessung und Einäscherung Zittaus mit an. Es war am 23. Juli 1757 als das furchtbare Bombardement in wenigen Stunden die grosse, schöne volkreiche Stadt Zittau in einen Aschenhaufen verwandelte. Fünfhundert vierundsechszig Häuser, darunter das Rathhaus mit dem Archiv und die Hauptkirche gingen zu Grunde und nur hundertachtunddreissig grösstentheils kleine schlechte Häuser blieben stehen. Die meisten Einwohner retteten nichts als das Leben, Viele aber wurden von den einstürzenden Häusern erschlagen, oder erstickten in den Kellern. Zittau erlitt durch diese Verwüstung einen Verlust von zehn Millionen Thalern. Noch jetzt erinnern einige Brandruinen an jene nutzlose Barbarei, die Zittaus Wohlstand auf viele Jahre hinaus zerstörte.

Bis zum Jahre 1682 war der Schülerbusch Schauplatz fröhlicher Schulfeste, woher er auch seinen Namen erhalten hat, denn früher wurde er der Steinberg genannt. In der Woche nach Michaelis zogen täglich Vormittags elf Uhr die Lehrer mit ihren Schülern unter Absingung geistlicher Lieder nach dem Schülerbusche und der Spielwiese, wo dann „ehrbare Ergötzlichkeiten“ erlaubt waren. Es mögen indessen bei diesen Vergnügungen mancherlei Rohheiten vorgekommen und namentlich die jüngeren Schüler von den älteren oft misshandelt worden sein. Der um Zittaus Gymnasium vielfach verdiente Rector Kaimann gab sich viele Mühe diese Schulfeste zu veredeln, und es wurden deshalb vom Jahre 1660 an von den Schülern Schauspiele aufgeführt, welchen Gebrauch aber der spätere Rector Weise abschaffte. Man nannte das Fest den Schülerbuschgang oder auch das Spielwiesengehen.

O. M.