Rosenkranz (Die Gartenlaube 1873/29)

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Textdaten
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Titel: Rosenkranz
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aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 478
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[478] Rosenkranz in Königsberg hat unter dem Titel „Von Magdeburg bis Königsberg“ Lebenserinnerungen herausgegeben, die viel Interessantes und Neues enthalten. In Halle lernte er den bekannten, früher viel gelesenen Romandichter Lafontaine kennen, mit dem er später in einem Hause zusammen wohnte. Unter mehreren anderen Charakterzügen des Dichters erzählt er auch den nachfolgenden: „Von Lafontaine’s außerordentlicher Gutherzigkeit könnte ich mancherlei Thatsachen erzählen. Um ihre Art und Weise zu schildern, will ich mich auf ein paar Beispiele beschränken. Wenn es im Sommer sehr heiße Tage gab, so pflegte er sich damit zu beschäftigen, aus Selterwasser, Zucker und verschiedenen Weinsorten erfrischende Getränke zusammenzubrauen. Glaubte er nun eine recht schöne Mischung erfunden zu haben, so lief er damit zu mir und brachte mir ein großes Glas voll. Wenn es mir recht mundete, so freute er sich wie ein Vater, der seinen schmachtenden Sohn erquickt hat. Einmal hatten wir scharf über die Beweise für das Dasein Gottes disputirt. Er verwarf sie ganz nach der Kant’schen Theorie. Ich suchte gerade den ontologischen Beweis aufrecht zu halten. Endlich gingen wir auseinander. Ich hatte anfänglich im ersten Stock des Hauses gewohnt, war aber nach unten gezogen, so daß nur der Hausflur uns trennte. Ich ging sofort in mein Schlafzimmer, zog mich aus und legte mich nieder. Kaum lag ich, so hörte ich die Thür meines Arbeitszimmers, das vor dem Schlafzimmer lag, sich öffnen. Ich horchte auf, wer da noch kommen könnte, da die Hausthür nicht geklingelt hatte. Bald klopfte es an meine Schlafstubenthür. Ich springe auf, den Riegel, den ich vorgestoßen hatte, wegzuziehen. Als ich, im Hemde, öffne, steht Lafontaine vor mir, einen brennenden Wachsstock in der einen Hand. ‚Mein junger Freund,‘ sagte er, ‚ich habe da zwar eifrig disputirt, daß man das Dasein Gottes nicht beweisen könne. Seien Sie aber versichert, daß ich an ihn glaube und noch eben recht innig zu ihm gebetet habe. Ich kann nicht schlafen, ohne Ihnen dies gesagt zu haben. Nun schlafen Sie ruhig!‘ Dabei liefen ihm die Thränen über die Backen. Er drückte meine Hand, die ich ihm mit bewegtem Gemüth reichte, und verschwand. Welch eine himmlische, rührende, liebevolle, wahrhaft religiöse Seele, dieser Lafontaine! Welch eine humoristische Scene für einen Maler!“