Rosenkranzlieder

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Textdaten
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Autor: Georg Trakl
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Titel: Rosenkranzlieder
Untertitel: An die Schwester; Nähe des Todes; Amen
aus: Gedichte, S. 49–50
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Kurt Wolff Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Der Jüngste Tag. Die Bücherei einer Epoche. Herausgegeben von Heinz Schöffler. Faksimile-Ausgabe. Band 1. Frankfurt am Main: Societäts-Verlag 1981. Scans auf Commons
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[49]

ROSENKRANZLIEDER

AN DIE SCHWESTER
Wo du gehst wird Herbst und Abend,

Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,
Einsamer Weiher am Abend.

Leise der Flug der Vögel tönt,

5
Die Schwermut über deinen Augenbogen.

Dein schmales Lächeln tönt.

Gott hat deine Lider verbogen.
Sterne suchen nachts, Karfreitagskind,
Deinen Stirnenbogen.

NÄHE DES TODES
10
O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.

Der Weiher unter den Weiden
Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.

O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,
Da aus des Einsamen knöchernen Händen

15
Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.


O die Nähe des Todes. Laß uns beten.
In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen
Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder.

[50]

AMEN
Verwestes gleitend durch die morsche Stube;
20
Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt

Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.

Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger.
In der Stille
Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf.

25
Blau ist auch der Abend;

Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,
Der ein braunes Gärtchen verdunkelt.