Ruhe und Ordnung

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Autor: Kurt Tucholsky
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Titel: Ruhe und Ordnung
Untertitel:
aus: Das Lächeln der Mona Lisa, S. 372
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1929
Verlag: Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck in: Weltbühne, 13. Januar 1925
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 Ruhe und Ordnung


Wenn Millionen arbeiten, ohne zu leben,
wenn Mütter den Kindern nur Milchwasser geben –
     das ist Ordnung.
Wenn Werkleute rufen: „Laßt uns ans Licht!

5
Wer Arbeit stiehlt, der muß vors Gericht!“

     Das ist Unordnung.

Wenn Tuberkulöse zur Drehbank rennen,
wenn dreizehn in einer Stube pennen –
     das ist Ordnung.

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Wenn einer ausbricht mit Gebrüll,

weil er sein Alter sichern will –
     das ist Unordnung.

Wenn reiche Erben im Schweizer Schnee
jubeln – und sommers am Comer-See –

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     dann herrscht Ruhe.

Wenn Gefahr besteht, das sich Dinge wandeln,
wenn verboten wird, mit dem Boden zu handeln –
     dann herrscht Unordnung.

Die Hauptsache ist: Nicht auf Hungernde hören.

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Die Hauptsache ist: Nicht das Straßenbild stören.

     Nur nicht schrein.
 Mit der Zeit wird das schon.
     Alles bringt euch die Evolution.
     So hats euer Volksvertreter entdeckt.

25
     Seid ihr bis dahin alle verreckt?

     So wird man auf euern Gräbern doch lesen:
 sie sind immer ruhig und ordentlich gewesen.