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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

befahlen sie zugleich die Seele, die im Grabe wohnete, dem Pluto an, dem sie die Herrschaft über die Todte zueigneten, und bei ihnen Urago hieß. Mehrers meldet davon der belesene Fortunatus Licetus l.[1]

Aus diesem Irrthume, daß die Seelen bei den Gräbern sich aufhalten, und mit ihrer Gegenwart die Häuser belästigen sollten; entsprang die Kunst die Geister zu beschwören, und selbe zu verbannen, m)[2] Eben daher kommt die Necromantie ein Theil der eiteln Zauberkunst, welche von den Todten unterschiedliche Sachen erforschen, sie beschwören, und erwecken will. All ihre Verehrer wollten sich diese Gewalt durch ihre blutige Opfer und Zauberbände beilegen. Die Poeten konnten nimmermehr satt werden, uns dergleichen Schauspiele vorzustellen, und bald einen Schatten, bald

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Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/015&oldid=2965207 (Version vom 18.12.2016)

  1. l) De reconditis antquorum lucernis l. 2. c. 12.
  2. m)

    Rursus aquam tangit, temeseaque concrepat ora,
    Et rogat, ut tectis exeat umbra suis.
    Quum dixit novies manes exite paterni!
    Respicit & pure facra peracta putat.

    Ovidius i. 5.

    Ich weis nicht, ob man über die Blindheit dieser Leute mit Heraclius weinen, oder mit Democritus lachen solle. Sie spiegeln andern vor, sie könnten die Geister aus den Häusern verbannen, und vertragen. Hat der gerechte GOtt einem Geiste zu Strafen einen Ort angewiesen; so werden sie wohl mit all ihren Beschwörungen die Urtheile GOttes nicht abändern. Und ist es wohl zu glauben, daß Leute, derer Gelehrsamkeit oft nicht einmal in Lesen und Schreiben bestehet, in der Geistkunst, oder in der Theosophia Pneumatica so große Einsicht haben, welche sogar den gelehrtesten Männern unbekannt ist? Schon M. Aurelius Antonius lachete über dergleichen Künsten, da er sagt: man hat mich belehret, daß ich mich auf eitle Sachen nicht verlegen, und den poetischen Betrügern in ihren Geisterbeschwörungen und Verbannungen keinen Glauben beimessen solle. L. 1 §.6 eorum, quae ad se ipsum.