Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/025

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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

ses sich solche nur vorgestellt hat, da er den unreinen Geist mit lebendigen Farben deutlich abschildern wollte. Wie können aber die Strafworte GOttes: Du wirst auf den Bauche kriechen und Erde essen, auf den Satan angewendet werden?. Die Vertheidiger dieser Erklärung antworten auf diesen Einwurf, und sagen, da sich Mojses einmal vorgesetzt den Verführer mit einem von den unvernünftigen Thiere entlehnten Name zu belegen; so wäre es vernünftig, dasjenige, was er von ihm erzählen wollte, in gleichförmigen Worten vorzutragen: daher er sich bei Beschreibung der Strafe, so GOtt den Satan auferleget, solcher Redensarten, die von der Schlange hergenommen sind, bedienet hat, aus welchen man aber doch zugleich abnehmen könnte, von wem er reden wollte, indem er das Strafgerichte über die Schlange mit den Worten beschließet: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib, und zwischen deinem und ihrem Saamen. Sie (die 70. Dolmetscher und der chaldäische Text setzten Er) wird dir dein Haupt zertretten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen. Andere halten die Schlange, von welcher Eva ist verführet worden, vor die sündliche Begierde des Weibs. Diese, und die vorhergehende Erklärung unterstützen nicht wenige HH. Väter mit ihrem Beifall; obschon die letzte bei unsern Tägen in Abfall gekommen ist. So viele mühsame und gegen einander streitende Erklärungen zeigen zur Genüge, daß hier die Schrift sehr dunkel seye, und man muß diese Geschichte nur mit den Augen eines Schriftstellers dießseits der Donau betrachten, wenn man für gewiß und ungezweifelt den Satan in der Gestalte der Schlange ersehen will; man muß nur die Ohren dieses gelehrten Herrn haben, wenn man den Teufel durch die Schlange mit Eva will reden hören, und es doch als eine Lehre der göttlichen Schrift angeben will. Ich weiß nicht, mit welcher gelehrten Dreistigkeit er behaupten kann, daß dieses letztere eine Lehre der göttlichen Schrift seye, da doch die ganze Ge-

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Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/025&oldid=- (Version vom 8.12.2018)