Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/067

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

Es giebt eine zweyfache Gattung der Geschichtschreiber, einige erzählen geistliche, andere weltliche Geschichten. Jene werden Historici Ecclesiastici, diese Profani genennet, ob schon beyde sehr oft beydes vermengen. Wir wollen einige Geschichten anführen, die uns die erstere ausgezeichnet hinterlassen haben. Ich erinnere mich nicht, daß ich in den Schriftstellern von den ersten zweyhundert Jahren vieles von den Geistern und Gespenstern gelesen habe. Schier die ältesten und meisten Gespenstergeschichten siehet man in den Lebensbeschreibungen der Altväter, welche man dem großen Kirchenlehrer Hieronymus zueignet.[1] Da finden wir viele in dem Leben des H. Paulus, und noch mehrere in den Leben das H. Hilarions.

Ich will zwar nicht läugnen, daß es aus sonderbarer Verhängniß GOttes, und durch ein Wunderwerk habe geschehen können, daß zur Prüfung der Tugend der Diener GOttes und zu ihrer eignen Ehre, der Satan die Gewalt erhalten habe, selben in sichtbarer Gestalt zu erscheinen; allein diese Geständniß wird den Gespenster-Vertheidigern wenig Vortheil verschaffen, denn sie behaupten, daß ohne ein Wunderwerk der Satan erscheinen könne, und nach ihrer Meinung ist er auch also erschienen, da er dem H. Antonius als halb Mensch halb Pferd den Weg zu dem Einsidler Paulus gezeiget hat. Ich weiß, daß Hieronymus diese Begebenheit in dem Leben des H. Paulus anbringe. Aber ich glaube,

Empfohlene Zitierweise:
Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/067&oldid=3459650 (Version vom 9.12.2018)
  1. d) Der 9te Band der Schriften und Bücher des H. Hieronymus enthält selbe. Man irret sich aber sehr, wenn man glaubt, daß Hieronnmus der Verfasser sey. Nur die Leben des H. Antonius, Hilarions und Malchus können ihm zugeeignet werden, die übrigen haben Euagrius, Pontius und andere verfasset. Bellarm. de Script. Eccl. pag 113.