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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

84 (B <Bi) Gespenster gebe. Wir mögen noch so weit in die graue Jahre zurück sehen, so werden wir allereit herumschwärmende Geister, Gespenster, Larven und Kobolden erblicken. Die Gedichte der fabelenden Poeten lassen diese allenthalben auftretten, und die Bücher der Geschichtschreiber, von welchen man nichts als Wahrheiten erwarten solte, sind mit Gespenstern und Geistern angefüllet. Man wird kaum eine Beschreibung eines Ortes oder einer Familie antreffen, wo nichts von Gespenstern borkümmt, und es ist schier kein ansehnliche Stadt oder Familie zu finden, welche nicht einen Geist im Dienste hat. Der Perlefep zu Bamberg, die weiffe Frau zu Bareuth, der Heyducke zu Wirrburg, die Klagfrau zu Berlin, die Fetel zu Parma, der ohne Kopf wandelende Mönche zu Dresden sollen bekannte Bothen seyn, welche hohe Trauerfalle verkündigen müssen. Ich hatte Gelegenheit mich an einigen diesen Orten genau nach diesen Gespenstern zu erkundigen, ich habe abernniemand antreffen könnender von diesen selbst etwas gesehen hatte, ob ich zwar sehr viele gefunden, die davon gehöret haben, und manche Geschichten von dem Sagenhören zu erzählen wußten. Von den adelichen Geschlechtern in Böhmen erzählet uns sehr vieles Balbiuus in ö-tllcellrmeis Lokem. I.. IH. c. 29. § z. In Franken soll den Freyherrn von Redwitz und Zobel ein weisses Weiblein den Sterbfall ansagen, Md zwar bei diesem mit einer brennenden Kerze, und in Baiern soll bey der adelichen Familie von Mugenthal, so oft einer aus selber begraben, und die GOttesdienste für den Verstorbenen gehalten werden, ein Klagweiblein in sehr alter Tracht mit zu Opfer gehen. Ob aber diese Klagfrau, welche zweifelsohne aus dem adelichen Geschlechte seyn wird, diesen Opfergang anuoch verrichte, da bei dem Adel diese Mode abgekommen, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Von so dielen anderen Geistern, die in den Klöstern den Sterb-fatt ankündigen, oder bei den Herren Pfarrern die Leiche und ProM, vi-

Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/089&oldid=2866392 (Version vom 1.8.2016)