Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/103

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

vielen Versuchen der Gespensterfreunden eine dem Original ähnliches Kopey zu erdichten, davon ich noch sehr viele Begebenheiten beirücken könnte, wo die Gespenster durch Geräusch der Ketten, oder durch ein anderes Getümmel so lange ihre Rolle gespielet haben, bis ihre Gebeiner hinweg getragen, und durch diese Ubertragung ihnen ein anderer Aufenthalt angewiesen worden; durch welche Geschichtserzählungen man auch unter den Christen annoch die ungegründete Meinung der Heyden bestättiget, daß die Seelen bey ihrem Körper sich aufhalten, und herumschwärmen. Doch genug hievon.

Zu dem Beschluß der Geschichten aus den alten Schriftstellern wollen wir noch eine sehr kurze Erscheinung aus dem Cicero L. II. de Devinar. beybringen. Sie ist folgende: Ein Bauer ackerte das tarquinische Feld, und da die Pflugscharr etwas tiefer in die Erde hineingedrungen, käme aus selber ein Knab hervor. Der erschrockene Bauer schrie so heftig, daß das hetrurische Volk häufig herbey geloffen ist, welchem versammelten Volk Tages (so hieß der aus der Erde hervorgekommene Knab) die Kunst gelehret, aus dem Vogelgeschrey zukünftige Dinge wahrzusagen. Diese Lehre hat man nachmals ausgeschrieben, und von dieser Erscheinung und erhaltenen Lehrsätzen ist die Kunst der Wahrsagung aus dem Flug und Geschrei der Vögeln entstanden. Die ganze Geschichte ist ein Gedichte, mit welchen man den Ursprung dieser Wahrsagerkunst angegeben hat: sie begreifet aber doch so viel Wahrhaftes, daß der Knab Tages von 12. Jahren den hetrurischen Völkern die Afterkunst aus dem Flug und Geschrey der Vögeln wahrzusagen gelehret habe, c)[1]

  1. c) Indigenae dixere Tagem, qui primus Hetruscam
    Edocuit gentem, cafus-asperire futuros. Ovidius Met. 15.
Empfohlene Zitierweise:
Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/103&oldid=- (Version vom 13.3.2020)