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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

 o n kst stiner Vernunft nicht mehr mächtig. Geister Erzählungen, Teufels-Erscheinungen etc. haben ihn mit Furcht und Schrecken schon so sehr angestecket, daß er bey jedem krachenden Bret zu zitteren anfängt, wenn ihm ein Hund, eine Katze etc. nächtlicher Weile begegnet, oder sich ein Schatten seinen Augen darstellet, so lauft erchavon. Er nimmt sich nicht Zeit über den Gegenstand zu denken. Ein Hund, eine Katze, ein Affe muß ein Gespenst seyn.

Zu E … einer Stadt in Baiern unweit München zog sich ein fürchterlich schwarzes Gewölk zusammen; es entstand ein entsetzliches Donnerwetter. Es fing an zu blitzen, zu donnern, zu hageln, zu regnen. Auf einmal sah man in der Luft ein weiffes sehr bewegliches Wesen, bei Nahe zwo Ellen lang. Es drehete sich in den Wolken wunderlich herum. Bald siel es herunter, bald stieg es hinauf. So stark das Donnerwetter war, so lief doch alles aus den Häusern, diese wunderbarliche Erscheinung zu sehen. Viele hielten es für ein Gespenst, die mehrere für eine Hexe, die das Gewitter soll erreget haben. Man trug das hochwürdige Gut aus der Pfarrkirche, man segnete damit das Wetter. Endlich ließ der Wind nach zu wehen. Das Gespenst siel herunter, und weil viele glaubten, daß es eine Hexe wäre, wurde es in das Amthaus gebracht, wo man es in einem kupfernen Kessel sorgfältig verwahret hatte. Es ist nicht auszusprechen, was da für ein Zulauf war; jedermann wollte die Hexe sehen. Ein Maurer, -er erst vergehenden Tags auf dem Thurm gearbeitet, gieng aus Vorwitz auch in die Stube des Amthauses hinein, die Hexe zu sehen: auf einmal schrie er auf: o das ist meine Hose. Die Herumstehende hielten ihn für einen Narren. Er aber nahm seine Hose ( die vermeinte Hexe) untern Arm, und gieng damit davon. Man wurde alsdenn gewahr, daß er seine leinene weifst Beinkleider Tags zuvor gewaschen, und zum trocknen aufm Thurm

Empfohlene Zitierweise:

Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/146&oldid=2866399 (Version vom 1.8.2016)