Seite:Abhandlung des Daseyns der Gespenster.djvu/153

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Liste.png Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus

haben. Ich habe die Ehre eine Dame zu kennen, die vor einer Fledermaus in Ohnmacht fällt, und ein tapferer General, der in mehrern Feldschlachten mehrere Wunden überkommen, und in den größten Gefahren ein versammeltes Gemüth behalten, erzittert allezeit bey dem Aderlässen vor dem Lanzet, und fällt in Ohnmacht vor seinem unterthänigen Feldscherer, so oft er ihm die Ader öffnen will. So groß ist bei der Einbildung die Macht der Vorurtheilen.

Die Gewohnheit trägt auch sehr vieles bei. Die Leidenschaften als Furcht und Schrecken, die uns durch unsere ganze Jugend und überhaupt in unserem Leben beherrschen, werden uns endlich zur Gewohnheit. Wir überlassen uns denselben bei jeder Gelegenheit, weil unsere Seele schon darinn durch derselben öftere Wiederhollung eine Fertigkeit erlanget hat; und weil sie uns zu anderer Natur geworden. Sie regieren uns endlich so dunkel, daß wir oft selbst nicht wissen, warum unser Gemüth zur Furcht hat bewegt werden können, und da wir es nicht wissen, fallen wir auf die Ahndung, daß etwas Übernatürliches, und ein Geist unsere Natur in Bewegung gesetzt habe. Diese Vorstellung fliesset oft in unsern Willen, ohne daß der Verstand, und die Vernunft diese Einflüsse ordnet, und leitet. Haben wir einmal ein vermeintes Gespenst gesehen, so ist jeder Schatten vermögend bey dem Anblick desselben in uns die dunkle Erinnerung, die Aehnlichkeit der jetzigen Empfindung mit den vergangenen und vormals gehabten Empfindungen, und auf diese Weise Furcht und Schrecken zu erregen; indem sogleich jene Leidenschaften erwachen, welche die Seele damal empfande. Wie uns ein Mensch gefällt oder misfallt, wenn wir ein Ähnlichkeit an ihm von einem Menschen sehen, der uns einstens gefallen oder misfallen hat. Wir wollen unsern gemachten Vortrag mit Bei-

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Andreas Ulrich Mayer, Gerard van Swieten: Abhandlung des Daseyns der Gespenster, nebst einem Anhange vom Vampyrismus. , Augsburg 1768, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Abhandlung_des_Daseyns_der_Gespenster.djvu/153&oldid=3460877 (Version vom 15.12.2018)