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Schulblatts“ vom Jare 1853 ist Harleß’ Leipziger Wirksamkeit von der Hand eines begeisterten und zugleich nüchtern urteilenden Zuhörers ein schönes Denkmal gesetzt. Hiernach hat die Vorlesung Mehrere und Starke geradezu überwunden und gewonnen, Alle befestigt. Auch ein griechischer Pope wonte ihr von Anfang bis zu Ende bei. Hören wir jenen Berichterstatter: „Wer vermöchte es noch zu schildern, welche Fülle von Anregung diese Vorlesung uns gewährte? Der Geist, der sie durchwehte, war nicht der Geist des Scholastizismus, so oft auch die Helden der lutherischen wie der mittelalterlichen Scholastik als testes veritatis ausgerufen wurden; es ward einem zu Mute, als wandelte man in einem hohen heiligen Dome, und alle die Väter ständen wie Riesengestalten im Schiff und trügen als Säulen den tiefen Kirchenhimmel. Die Namen der Kirchenväter, der Name eines Thomas Aquinas, eines Johann Gerhard gewannen einen waren Zauber für uns, von dessen Nachwirkung die Antiquare zu erzälen wussten“. Mit Riesenfleiß arbeiteten einzelne durch deren Schriften sich hindurch. Die erwachte Streitlust entlud sich im Theologischen Verein, dessen freie Debatten Harleß leitete. Hier platzten die Geister, und zwar höchst verschiedenartige, gewaltig aufeinander. „Nirgends war der teuere Mann liebenswürdiger, als unter seinen Studenten im Theologischen Verein, und am liebenswürdigsten durch seine ungeheuchelte Demut“; er ließ sie alle gewären; nur etwa den Spott wies er mit erschütterndem Ernste zurück. Eine zalreiche Zuhörerschaft hatte die Ethik; das Auditorium war nicht selten überfüllt. „Die heilig ernsten Stunden dieser Vorlesung, oft mehr Gottesdiensten und seelsorgerlichen Ansprachen änlich, als wissenschaftlichen Vorträgen, banden unauflöslich an den teueren Lehrer. In sein Herz haben wir da gesehen; seine Person lehrte eindringlicher als Buch und Vorlesung. Die Ethik bewärte ihren Namen völlig. In Vielen, welche die Dogmatik überzeugt hatte von der Warheit der Kirchenlehre, verklärte sie das anerkannte Heilsgut zum Heilsbesitz. Ich glaube gewiss, dass die meisten unter denen, welchen der teuere Lehrer Fürer zum Glauben und neuen Leben in Christo geworden, die Geburtsstunden dieses Lebens in dieser Vorlesung gefeiert haben“, sagt jener Zuhörer, welcher die Weihe zum theologischen

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/106&oldid=3212219 (Version vom 31.7.2018)