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in München an ihn erging. Der Kronprinz hatte öfter an Harleß geschrieben, ihm auch durch Roth sein tiefes Bedauern ausdrücken lassen, als er Bayern verließ. Im Jare 1849 sah Harleß München und den Kronprinzen, der inzwischen den Thron bestiegen hatte, wider; er hatte von dem Leipziger Zentralausschuss des Gustav-Adolf-Vereins den Auftrag übernommen, direkt und in Person bei dem König die Anerkennung und Zulassung der Wirksamkeit des bisher in Bayern verpönten Vereins dort zu erwirken, was auch gelang. Am 22. Dezember 1849 schrieb ihm der König: „Herr Oberhofprediger Dr. Harleß! In Ihrer Zuschrift vom 6. ds. fand ich widerum den Ausdruck jenes frommen, gläubigen Gemüths, sowie der edlen Sinnesweise, die Sie so schätzenswert macht. Bedauere Ich auch, dass Bayern jetzo Ihre Wirksamkeit zu missen hat, so ist’s andererseits erfreulich, daß der an Sie gekommene Ruf Ihrer ersprießlichen Thätigkeit ein neues großes Feld erschließt. – Ich gebe die Hoffnung nicht auf, Sie dereinst wieder zu uns zurückführen zu können, und gerne werde Ich die sich für die Verwirklichung solcher Hoffnung bietende Gelegenheit ergreifen, nicht zweifelnd, dass dann Ihre treue Anhänglichkeit an das Vaterland Sie nicht zurückbleiben heißt. Dankend für die guten Wünsche, die Ihr Schreiben enthält, erneuere Ich die Versicherung Meiner wohlwollenden Geneigtheit, und bin mit aufrichtiger Werthschätzung Ihr wohlgewogener König Max“. Schon aus dem Gesagten geht hervor, dass die Darstellung von Harleß’ Berufung, wie sie Wangemann gibt (Una sancta, III, S. 220), gleich vielem, was er sonst über Bayern sagt, den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Es war des Königs frei eigener Entschluss, beruhend auf einem besonderen Vertrauensverhältnis zu Harleß, der ihn zu der Berufung bestimmte. Unendlich viel sprach freilich dagegen. Harleß fand sich glücklich in seiner Stellung in Dresden, wärend er von vorne fürchtete, dass die neue in München ihm weniger Befriedigung gewären könnte; die Gehaltseinbuße war eine sehr bedeutende; die kirchlichen Verhältnisse in Bayern, um derentwillen die Berufung erfolgte, waren schwierigster und delikatester Natur. Das längere Missverhältnis zwischen Löhe und dem Kirchenregiment

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 101. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/115&oldid=3212229 (Version vom 31.7.2018)