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Universität Erlangen in Ansehung der Lehren übertragen, auch wird bei Besetzung der theologischen Lehrstellen dasselbe mit seinem Gutachten vernommen“. Der Gesamtvorschlag des Oberkonsistoriums ging dahin, dass Winer’s Stelle zunächst durch einen schon in Erlangen wirkenden Theologen besetzt, zwei Inländer, Harleß und Höfling, aber zu außerordentlichen Professoren ernannt werden möchten. So wurde Harleß unter dem 13. Januar 1833 zum außerordentlichen Professor der Theologie an der Universität Erlangen „mit der Bestimmung für das Lehrfach der christlichen Exegese“ ernannt. Wie man über das Vorgehen des Oberkonsistoriums urteilen mag, Harleß war im Vergleich mit den von der Fakultät vorgeschlagenen die bedeutendste und charaktervollste Persönlichkeit; durch Harleß’ Berufung hat das Oberkonsistorium eine theologische Richtung in die Fakultät übergeleitet, welche deren spätern Charakter, ihre jetzt noch fortdauernde Blüte begründete und von Erlangen aus die weiteste und gesegnetste Verbreitung in Wissenschaft und Praxis erhielt. Die entschieden kirchliche Haltung, durch welche das Oberkonsistorium sich schon damals hervortat, konnte um so mehr Bedeutendes erreichen, als sie in Männern wie Roth und Niethammer, zu denen sich noch der ausgezeichnete Jurist Grupen, ein geborener Hannoveraner, gesellte, nicht bloß von der Kraft innerer Gesinnung und Überzeugung, sondern auch von der imponirendsten Geistesbildung getragen war. Niethammer, ein geborener Württemberger, im Stift zu Tübingen herangebildet, hatte in Jena einige Zeit mit Fichte zusammengewirkt, war der Freund Schiller’s und der Lehrer Göthe’s in der Philosophie gewesen; 1804 nach Bayern berufen hat er hier auf dem Gebiet der Schule und Kirche eine unermüdliche Tätigkeit entfaltet, als Oberkonsistorialrat von 1818–1845 hat er den Aufbau der bayerischen Landeskirche nach ihrer Innen- und Außenseite mit großer Energie verfolgt, so dass er mit Recht ihr Organisator genannt werden kann. Obwol jene Männer im ganzen von der Statsregierung unterstützt waren, hat für sie doch nicht wenig dazu gehört, konsequent eine Richtung zu verfolgen, die der herrschenden Zeitströmung vielfach sehr entgegen war, mit welcher der Vorwurf katholisirender Tendenzen,

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/90&oldid=3212351 (Version vom 31.7.2018)