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     Zu lauschen, wo ein – liebend Paar?

     Im Frührot ward es offenbar:
Im Garten trug die Wundermär
Der Leichtbeschwingte längst umher!
     Das Morgenrot, in Glut getaucht,

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     Maßliebchen, rosig angehaucht,

Der Wind im Röhricht weit und breit
Erzählten sich die Neuigkeit,
     Bis sie durch – Fliegen, wild umd zahm,
     Flugs unter alle Leute kam.


XVII.

     Verraten! O, welch Herzeleid !
     Mit scheelen Blicken Spott und Neid
Uns traf wie kalter Nordlichtschein.
Wohl tröstet’ ich mein Vögelein,

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     Hatt’ ich auch selber nimmer Ruh’!

     Die Mißgunst zischelt’ immerzu,
Die gelbe Tulpe ragt’ empor,
Vor Neugier zitternd wie ein Rohr;
     Zum Nachbar raunt’s der Kahlkopf Mohn –

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     Der ganze Garten wußt’ es schon!

Fast drob von Sinnen kam ich da
Und wußte kaum, wie mir geschah.
     In wilden Fieberphantasien
     Als – Schwälbchen sah ich scheu sie fliehn

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Vor schwarzer Natter, die im Gras

Verfolgte sie mit grimmem Haß.
     Dann träumt’ ich, daß wir irgendwo
     Im Hüttchen teilten seelenfroh
Am eignen Herd – Schwarzbrot ein Stück,

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Da – Sünde nimmer unser Glück,

     Bis böse Geister sie erfaßt –
     Und schleppten fort sie sonder Rast …
     Ich suchte bang sie allerwärts
     Und – fand sie nicht. Voll Seelenschmerz

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Die Leute fragt’ ich … Jedermann

Errötet, schweigt, blickt starr mich an …
     Mein Busenfreund nur raunt mir zu:
     Wie trefflich spielst den – Narren du!

Empfohlene Zitierweise:
Albert Weiß: Polnische Dichtung in deutschem Gewande. Otto Hendel, Halle a. d. S. 1891, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Albert_Weiss_-_Polnische_Dichtung_in_deutschem_Gewande.pdf/73&oldid=- (Version vom 21.8.2021)