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Das Argentan, die Erfindung des Dr. Geitner, ist eine silberfarbige Mischung von Kupfer, Nickel und Zink, welche von späteren Concurrenten den Namen Neusilber erhielt. Diese Composition fand vorzüglich von 1822 an allgemeinere Anerkennung, als sich ihre Vorzüge immer deutlicher herausstellten, denn das Argentan nutzt sich im Gebrauch nicht ab, wie das plattirte Silber und es werden auch keine Vergiftungen dadurch bewirkt, wie es bei anderen Kupfermischungen der Fall ist.




Die sächsischen Blaufarbenwerke.


Es gab eine Zeit, wo der Bergmann den Kobalt als etwas völlig Werthloses, ja selbst Schädliches, auf die Halden stürzte, und ihm, da er die Gewinnung des Silbers erschwerte, den Namen „Silberräuber“ beilegte, die Benennung „Kobalt“ erhielt das Erz von den giftigen Dämpfen, welche es bei der Bearbeitung aushaucht, und welche man damals dem bösen Berggeist „Kobold“ zuschrieb. Es wurde in den Bergkirchen zu Gott gefleht, daß er das Silber sich mehren und den bösen Kobalt verschwinden lassen möge. – Niemand ahnte, welche Schätze in diesem unscheinbaren, verachteten und gehaßten Gestein verborgen ruhten und Niemand dachte nur entfernt daran, welche große Rolle es einst in der Industrie spielen und welche reiche Erwerbsquellen es einst unserm Vaterlande eröffnen würde. Der Kobalt blieb so lange Zeit der Gegenstand der Verwünschungen des fleißigen Bergmanns.

Aber jedes Verdienst kommt doch einmal zur Geltung. Einem aus Franken nach Schneeberg eingewanderten, in der Scheidekunst wohl erfahrenen Bergmann, Namens Peter Weidenhammer, gebührt, nach Melzers Chronik von Schneeberg, die Ehre, zuerst die Nutzbarkeit des Kobalts entdeckt zu haben; um 1521 stellte er aus demselben eine blaue Farbe her und trieb damit einen bedeutenden Handel.

Ohngefähr 1540 trat Christoph Schürer auf, welchen man mit vollem Rechte den Vater der sächsischen Blaufarbenfabrikation nennen kann. Schürer war ein Glasmacher und lebte in der Eulenhütte bei Neudeck in Böhmen, wo er eine Glashütte besaß und mit seinen Fabrikaten Sachsen bereiste. Einst besuchte er auch Schneeberg und fand daselbst den verhaßten Kobalt in großen Massen unbenutzt auf den Halden aufgethürmt. Schürer fand bei näherer Betrachtung es nicht glaublich, daß dieses Erz so ganz nutzlos sein sollte, und um sich davon zu überzeugen, verschmolz er einige quarzreiche Stücke desselben und erhielt zu seinem Staunen ein schönes, blaues Glas. Bei fortgesetzten Versuchen fand Schürer endlich die unter dem Namen Smalte bekannte blaue Farbe und begann damit Handel zu treiben. Vorzugsweise gingen die blauen Farben nach Nürnberg und die allgemeine Aufmerksamkeit wendete sich alsbald auf den Erfinder; man besuchte ihn häufig in Neudeck, suchte ihn auszuforschen und bewog ihn endlich, nach Magdeburg zu ziehen, um daselbst mit Schneeberger Kobalterzen weitere Versuche anzustellen. Er erntete aber nur Undank, denn den Leuten war es allein darum zu thun gewesen, dem Erfinder so viel als möglich seine Geheimnisse zu entlocken und als dieses geschehen, schickte man ihn wieder fort. – Vorzüglich Holländer waren bemüht gewesen, sich des Geheimnisses der Blaufarbenbereitung zu bemächtigen, worauf sie in ihrem Vaterlande Farbenmühlen anlegten und ihren Bedarf von Kobalt aus Schneeberg bezogen.

Indessen war Schürer doch wohl weise genug gewesen, seine Erfahrungen nicht alle den Fremden Preis zu geben. – Er zog wieder nach Neudeck, wo er eine kleine Farbenmühle mit Schwungrädern baute, die er später aber an das Wasser verlegte.


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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/160&oldid=- (Version vom 6.1.2019)