Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 1.pdf/22

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Die Königin Marienhütte zu Niederkainsdorf bei Zwickau.
(Hierzu eine Abbildung.)


Ungefähr eine Stunde von Zwickau im Muldenthale liegt das Dorf Kainsdorf und dabei eines der vorzüglichsten und großartigsten Eisenwerke Sachsens, die Königin Marienhütte. Ihre Lage in der Nähe von Zwickau, dicht an der Mulde und der Zwickau-Schwarzenberger Eisenbahn, die, da sie noch nicht vollendet ist, daselbst bis jetzt allerdings nur noch mit Pferden befahren wird, kann unstreitig nur als eine sehr günstige betrachtet werden.

Den sämmtlichen sächsischen Eisenwerken stand eine trübe Aussicht bevor wegen der immer mehr überhand nehmenden Theuerung der bisher von ihnen verwendeten Holzkohle, wegen Verminderung ihres ihnen vom Staate zu liefernden Holzquantums und der damit in Verbindung stehenden Erhöhung der Staats-Holzpreise. Da trat die „Sächsische Eisenkompagnie“ zusammen, gestiftet durch ein Actienkapital von 1000 Actien à 500 Thaler, und basirt auf das Ausbringen von Eisen und Eisensteinen in der Zwickauer Umgegend und deren Steinkohlenreichthum. Der Hauptzweck des ganzen Unternehmens war der: Roheisen mit Steinkohlen zu produciren und dadurch dem oben erwähnten Uebelstande hinsichtlich der Theuerung des Holzes zu entgehen.

Die zu diesem Zwecke gehörigen und nöthigen Werke wurden in Kainsdorf bei Zwickau angelegt. Es geschah dies im Jahre 1840, in welchem Jahre auch der Bau des ersten Hohofens daselbst vollendet wurde.

Die sächsische Eisencompagnie mochte aber hierbei nicht ihre Rechnung finden, oder sei es, daß auch andere Gründe obwalteten, kurz: sie verkaufte ultimo Juni 1851 die Eisenwerke zu Kainsdorf an die Herren Gebrüder von Arnim, und es wurden diese seitdem unter der Firma: „von Arnim’sche Berg- und Hüttenverwaltung zu Königin Marienhütte“ fortbetrieben.

Seitdem hat sich dieses Etablissement immer mehr erweitert und vergrößert und steht jetzt in dem schönsten Flor, so daß die Gebäude desselben schon ein Dorf für sich bilden könnten, darinnen fortwährend eine Menge Maschinen in Thätigkeit und ein so bedeutendes Arbeiterpersonal beschäftigt ist, daß eine ziemliche Anzahl kleiner Städte in Sachsen nicht einmal so viel Einwohner aufzuzählen im Stande sind, als die Königin Marienhütte Fabrikarbeiter.

Doch gehen wir auf die Einzelnheiten dieses hochwichtigen Etablissements selbst über, das gegenwärtig den Erben des Herrn Kammerherrn Georg Heinrich Wolf von Arnim auf Planitz etc. und dem Herrn Friedrich Henning von Arnim auf Crossen gehört, so finden wir als die Hauptbranchen desselben: Verkockung, Roheisenerzeugung, Gießerei, Walzwerk, Maschinenwerkstatt und Chamottziegelei, und als Haupterzeugnisse demnach: Kockse, Roheisen, Gußwaaren, Eisenbahnschienen, Laschen, Tyres, Unterlegplatten, diverse Walzeisen, diverse Maschinen, Dampfkessel und Chamottziegel.

Besuchen wir die Gebäude nach einander, so kommen wir:

1) zu den Hohöfen und der Gießhütte, worin die Erzeugung von Roheisen und Darstellung von Gußwaaren aller Art;
2) in die Walzwerkhütte, beschäftigt mit dem Anfertigen von Eisenbahnschienen, Tyres-, Laschen- und Platteneisen, sowie verschiedenen Walzeisensorten;
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 1. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_1.pdf/22&oldid=- (Version vom 17.6.2018)