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mittel- und südamerikanischen Märkten, und durch die Messen zu Leipzig, Frankfurt an der Oder und Frankfurt am Main.

Die Mangelwaaren gehen nach Wien und allen orientalischen Märkten.

Das Etablissement beschäftigt fortwährend zwei Comptoiristen, einen Werkführer und dreißig bis sieben und dreißig Fabrikarbeiter.

Die vorhandenen beiden Wasserkräfte üben sechszehn und vier Pferdekraft aus.

Dieses Etablissement wurde im Jahre 1837 von dem gegenwärtigen Besitzer Herrn Imanuel Karl Leberecht Gocht gegründet, und hatte damals bei vier Pferdekraft Wasserkraft blos vier Loch-Walken und ein Trockenhaus zur Lufttrocknung. 1840 wurde ein Calander hinzugefügt. Die fortschreitende Entwickelung des Bleichgeschäftes veranlaßte den Herrn Besitzer 1846, die etwa vierhundert Schritt von dem Bleichetablissement gelegene sogenannte Buschmühle zu acquiriren, in welcher damals zwar der Betrieb zweier Mahlgänge fortbestand, dabei aber sofort eine leichte Vier-Loch-Walke durch deren Wasserkraft in Betrieb gesetzt wurde.

Das Bedürfniß, auch im Winter namentlich baumwollene Waaren fortbleichen zu können, gab im Jahre 1850 Veranlassung zur Anlage des Trockenthurmes. Die hierdurch nöthig gewordene vermehrte Wasserkraft veranlaßte den besseren Ausbau der Wasserkraft der Buschmühle, welcher auch im Jahre 1852 durch vollkommenen Umbau erfolgte und wodurch die Kraft wesentlich erhöht wurde. – Die Mahlgänge wurden nun cassirt, eine Sechs-Loch-Walke hergestellt, die Calander, welche früher im Bleichgeschäft ihren Platz gefunden, in die Buschmühle übersiedelt und dieser im Jahre 1854 eine zweite beigefügt.

Der im Jahre 1854 erfolgte massive Umbau des ursprünglich von Holz hergestellten Rauchhauses, gab Gelegenheit, dasselbe angemessen zu erweitern und dem Bedürfniß einer soliden und die so wünschenswerthe Sicherstellung gewährenden chemischen Bleiche Rechnung tragend, wesentlich zu verbessern, wodurch das Etablissement einen Umfang erlangte, welcher es zum Zwecke bloßer Appretur als eins der größten Sachsens erscheinen läßt.

Der stets befolgte Grundsatz des Herrn Besitzers, in Allem das erreichbar Vollkommene herzustellen, verbunden mit der größten Gewissenhaftigkeit, namentlich auch bei Anwendung des chemischen Bleichverfahrens, haben dem Etablissement einen Ruf verschafft, der ihm auch bei weniger flottem Gange des allgemeinen Geschäfts zu allen Zeiten hinreichende Beschäftigung gewährte. Ursprünglich klein, zeigte es sich bald, wie wichtig die Aufgabe des Etablissements für die Industrie dieser Gegend sei, welche ohne Bedenken zu den gewerbreichsten Distrikten Sachsens zu zählen ist. Durch das beständige Wachsen der industriellen Thätigkeit in seiner Umgebung, wurde das Etablissement selbst zur steten Fortentwickelung und Erweiterung gedrängt, und beförderte eben dadurch das Gedeihen und die gesunde Entwickelnung der Industrie so, daß es sich jetzt als eben so nothwendiges als nützliches Glied in die Reihe der industriellen Schöpfungen Sachsens stellen kann. – Die Wichtigkeit des Etablissements wird erhöht, als es mit einer zwar nicht großen, aber für seinen Betrieb genügenden Wasserkraft versehen ist, während Dampfkraft bei der Entfernung der Kohlenlager und dem gänzlichen Mangel von Eisenbahnen in den industriellsten Orten der Lausitz im Voraus die Unmöglichkeit der Rentabilität befürchten lassen würde.



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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/208&oldid=- (Version vom 11.5.2019)