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Unter den Dörfern nennen wir außer den schon erwähnten noch Maxen und Reinhardsgrimma.

Außerdem sind in vielen Städten Sachsens zum Theil sehr bedeutende Strohwaarenfabriken entstanden, welche theils selbst flechten lassen – größtenteils mit Hilfe von Maschinen – theils auch schon fertiges Geflecht verarbeiten. Solche giebt es in Dresden, wo einige sechszig mehr oder minder bedeutende Strohwaarenfabrikanten vorhanden sind, unter denen besonders das Etablissement von Julius Adelbert Urban, als das Bedeutendste, Erwähnung verdient, Leipzig zählt achtzehn derartige Etablissements; desgleichen beschäftigen sich z. B. in Buchholz, Freiberg, Johann-Georgenstadt, Oberwiesenthal und Zwickau einzelne Fabrikanten damit.

Die Etablissements in den genannten Städten liefern hauptsächlich Modeartikel, während in dem Strohdistrikt noch sehr häufig die alte praktische Waare gefertigt wird, die der Mode wenig oder gar nicht unterworfen ist und wo man deshalb auf Lager arbeiten kann, ohne befürchten zu müssen, der Vorrath könne über Nacht plötzlich seinen ganzen Werth verlieren. Hier ist immer noch der gute alte Bauerhut an der Tagesordnung, mit seinen Unterabtheilungen, dem „plattverwandten“, dem „nestverwandten“, jener einst stark in das Brandenburgische, dieser in das Niedersächsische begehrt, dem spitzen Tyrolerhut und dem „Tellerhut“. Die beiden ersten Sorten nennt das Volk überhaupt „Kappen oder Kiepen“. Doch ist dabei der „Modehut“ nicht ausgeschlossen.

Die Stroharbeit von dem rohen Halme bis zu dem fertigen Geflecht theilt sich in das Rüffeln, das Schöben, das Ausschneiden, Schwefeln, Verlesen, Flechten, Verschneiden, Weifen und Nähen.

Das Rüffeln besteht darin, daß man den geschnittenen Waizen zwei Mal durch ein rechenähnliches Instrument mit dicht neben einander stehenden eisernen Zähnen zieht, erst mit den Aehren, damit die Körner herausfallen, dann mit den ganzen Halmen, um sie von Unkraut zu befreien.

Nun beginnt das Schöben, d. h. das leere und gereinigte Stroh wird in Gebunde oder Schöben gebunden, jedes zu zwölf Männchen, oder so viel, als man mit beiden Händen fassen kann. Ein solcher Schob war früher um vier Groschen zu haben, jetzt aber ist der Preis auf das Drei- und Vierfache gestiegen, und sie sind dabei jetzt viel schwächer als ehemals. Dieses „Schöben“ bringt manchem Feldbesitzer weit über hundert Thaler jährlich ein.

Bei dem nun erfolgenden Ausschneiden wird der Halm nach Maßgabe der Knoten gewöhnlich in drei Theile geschnitten, von dem der oberste und feinste Theil ehemals weggeworfen, jetzt die werthvollste Waare liefert.

Von der Scheere geht der Halm, etwas gefeuchtet, in das Schwefelfaß, das in der Mitte einen doppelten durchbrochenen Boden hat, unter dem ein Gefäß mit brennendem Schwefel steht. Hier werden die Halme gebleicht. Zuweilen bedient man sich auch größerer Schwefelkasten, in welchen mehrere Dutzend Hüte auf einmal geschwefelt werden können. Fleckige Halme aber, sowie ganz alte Hüte können nie bleichen.

Nun werden die Halme verlesen, nämlich in Grobes, Mittles und Klares sortirt. Jede Sorte fällt wieder in mehrere Gattungen, welche die Feinheit und also auch den Werth des Geflechtes bestimmen.

Jetzt beginnt das Flechten selbst, eine ebenso mühsame und langweilige als oft schmerzhafte Arbeit, denn bei grobem Stroh arbeiten die Flechterinnen sich oft blutig; das häufige Einbrechen und Niederdrücken der harten Ecken verwundet die Haut und reißt oft selbst das Fleisch auf, so daß die fleißigste Flechterin von den heftigsten Schmerzen gezwungen, mitten in der Arbeit aufhören muß. – Zu einem Geflecht werden drei bis zwölf Halme genommen.

Da, wenn ein Halm zu Ende ist, man immer einen neuen einlegen muß, so stehen an dem Geflecht überall Spitzen hervor, die man, wenn einige Ellen fertig sind, verschneidet.

Das Geflecht wird sodann in Mandeln geweift. Jede Mandel soll fünfzehn Klaftern oder fünf und vierzig Ellen halten, hat aber gewöhnlich nur vierzig Ellen.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 206. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/212&oldid=- (Version vom 11.5.2019)