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haben, und vorzüglich einen porösen Sandstein von der mildesten bis zur schärfsten Härte bedürfen, werden hier geliefert.

Die aus Stücken zusammengesetzten Steine haben in sofern einen Vorzug gegen die aus einem Stück gewonnenen, als man die einzelnen Stücke ganz nach gleicher Qualität wählen kann und dadurch ein sehr gutes Mahlwerk erzielt.

Der Absatz beider Sorten ist jedoch ziemlich gleich und erstreckt sich über ganz Deutschland, vorzüglich nach den österreichischen Staaten, namentlich Böhmen, Mähren, Oesterreich, Ungarn; nach Schweden und Rußland gehen ebenfalls Sendungen und selbst nach Italien, der Türkei und nach Amerika sind Mühlsteine von hier aus expedirt worden.

Von der Fabrik wurden erst die Ausstellungen in München und Bautzen beschickt, und es wurden die ausgestellten Steine auch dort verkauft.

Das Etablissement beschäftigt einen Comptoiristen, drei Schmiede und in den Sommermonaten siebzig Mann, als Brecher, Ausarbeiter, Kitter und Räumer, welche Zahl sich jedoch in den Wintermonaten auf zwanzig bis fünf und zwanzig Mann reduzirt.

In Berlin besitzt das Etablissement eine Commandite bei dem Herrn Mühlenbaumeister und Mühlsteinfabrikanten C. Kirchner (Montbijouplatz).

Besitzer der Fabrik sind die Herren

Carl Friedrich August Israel in Ebersbach,
Immanuel Carl Leberecht Gocht ebendaselbst und
Friedrich Ernst Burghausen in Zittau.

Diese Steinbrüche waren schon zur Zeit, als die Cölestiner noch auf dem Oybin wohnten, bekannt, und als später die reichen Besitzungen des aufgelösten Klosters an die Stadt Zittau fielen – im Jahre 1574 – wurden die Steinbrüche von der Stadt an Unternehmer verpachtet. – Die Jonsdorfer Mühlsteine erfreuten sich schon im vorigen Jahrhundert eines großen Rufs, welcher im Laufe unseres Jahrhunderts noch stieg, so daß er wohl mit Recht ein „seltener“ genannt werden konnte, Böhmen, Brandenburg und Polen wurden Hauptabsatzländer und selbst nach England gingen von Zeit zu Zeit Steine von hier. Dieses geschah zu einer Zeit, wo die Arbeit der Mühlsteine noch sehr viel zu wünschen übrig ließ. Der jährliche Absatz belief sich in der Regel auf drei bis vierhundert Stück, welche Zahl sich erst in späteren Jahren langsam hob. Der Preis der Steine war dabei ein höchst billiger zu nennen, denn er betrug für das Paar gewöhnliche Mühlsteine vier und einen halben Thaler, bei größeren und von besonders feiner Qualität, stieg der Preis wohl auch bis auf acht Thaler, gewiß ein bedeutender Abstand gegen heute, wo das Paar vierzig bis einhundert und zwanzig Thaler kostet und es Steine giebt, wo der Quadratzoll bis mit zwei Thaler zwanzig Neugroschen berechnet wird. – Der Verdienst der Arbeiter war bei solchen Preisen so groß nicht, er betrug die Woche wenig über einen Thaler, besonders geschickte Arbeiter brachten es wohl auch auf zwei Thaler. Die Arbeiterzahl selbst war gewöhnlich acht bis zwölf, nur zeitweise mehr. Späterhin, als die französischen Steine und ihre Zusammensetzung bekannt wurden, waren die damaligen Besitzer schon durch die Concurrenz und in Rücksicht auf Erhaltung des alten Rufs der Jonsdorfer Mühlsteine zum Fortschritt getrieben; sie versuchten nun gleich dem französischen Fabrikat aus mehreren Stücken zusammengesetzte Steine herzustellen, doch war die Fabrik noch viel zu wenig ausgebildet und ging man auch mit zu geringer Auswahl zu Werke, um die Concurrenz der Pariser erfolgreich bestehen zu können. Indeß war durch die Einführung der Kittung immer ein bedeutender Anfang zur erfolgreichen Betreibung des Etablissements gemacht und es gebührt das Verdienst daran den Herren Feurich und Großberg, als den damaligen Besitzern.

Im Februar des Jahres 1855 übernahmen die jetzigen Herrn Inhaber das Etablissement, welches von nun an die Firma: „Jonsdorfer Mühlsteinfabrik“ führte und ihrer umsichtigen Thätigkeit allein verdankt die Fabrik ihren jetzigen Aufschwung und die weitere Verbreitung ihres Rufs, den man fast

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Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 220. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/226&oldid=- (Version vom 11.5.2019)