Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/50

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Eisensteinablagerungen bis in die weiteste Ferne menschlicher Berechnung die Lebensfähigkeit ihrer Etablissements zu sichern und sie für einen in der That großartigen Betrieb geschickt zu machen. Erla erschien den Herren Besitzern vermöge der daselbst vorhandenen bedeutenden Wasserkräfte, der Nähe der reichen Eisenstein- und Flußgruben, und wegen bequemer An- und Abfuhre aller Materialen, sowie ihrer Erzeugnisse, auf den nach allen Seiten hinführenden gutgebauten Straßen, als das geeignetste Werk zur Verwirklichung ihrer Pläne[WS 1], und in deren Ausführung wurden die mannichfachsten und zum Theil sehr großartigen Bauten und Betriebseinrichtungen vorgenommen und in Ausführung gebracht.

So entstand in den Jahren 1837 und 38 die Maschinenbauwerkstatt, welche die Herren Nestler und Breitfeld im Verein mit dem Engländer Herrn John Payne, zur Zeit in Dippoldiswalde wohnhaft, namentlich behufs Herstellung mechanischer Webstühle, Schlicht- und Zettelmaschinen, der gangbaren Zeuge und der Wasserräder für die großartige Actien-Maschinenweberei in Auerhammer erbauten, später aber dieselbe auch auf Fabrication verschiedener anderer Maschinen einrichteten, wie bereits schon näher bezeichnet wurde.

Gleichzeitig entstand auch das Blech- und Stabeisenwalzwerk auf Rosenthal. Als die Herren Nestler und Breitfeld im Jahre 1834 mit dem Eisenwerk Erla auch Rosenthal käuflich an sich brachten, existirte daselbst eine Frischhütte mit 2 Frischfeuern; 1837 und 38 wurde dieses Hüttengebäude erweitert und ein Blechwalzwerk mit einer Walzenstraße eingebaut. 1850 bis 1852 unterlag jedoch sowohl das Walzwerksgebäude, sowie die gesammte Walzwerkseinrichtung selbst, schon wieder einem vollständigen Umbau, wodurch die Anlage auf den jetzigen Stand gebracht wurde.

Im Jahre 1854 übernahmen die Herren Nestler und Breitfeld auch die Nagelfabrik im Dorf Mittweida käuflich. Nachdem das Grundstück der Fabrik früher als Drahtwerk benutzt worden war, erstand im Jahre 1840 dasselbe Herr Gustav Jahn und gründete dort die Maschinennagelfabrik, die erste in Sachsen, nachdem bereits im Zollverein und in Oesterreich überall dergleichen entstanden waren. Unterstützt wurde der Begründer in seinem Streben namentlich von seinem damaligen Werkführer Leinbrock. Im Jahre 1845 bekam Herr Jahn für die Einführung dieses Fabricationszweiges von dem Staate eine Prämie von dreihundert Thalern, und 1845 beschäftigte er bereits sechszig Arbeiter und verarbeitete jährlich 1500 Centner obererzgebirgisches Eisen; Anfang 1848 war die Arbeiterzahl bereits auf achtzig Personen gestiegen und betrug die wöchentliche Production zwei Millionen Nägel und Schuhstifte.

Die in der Umgegend zahlreich wohnenden Nagelschmiede hatten schon bei der Errichtung diese Fabrik mit mißgünstigen Augen angesehen, noch mehr aber geschah dieses, als das Etablissement einen immer erhöhteren Aufschwung nahm, und sie ward als eine Stätte betrachtet, welche den Nagelschmieden des oberen Erzgebirges Arbeit und Brot verkümmerte. Der Groll kochte jahrelang fort, bis er endlich in dem Jahre 1848 Gelegenheit fand, sich Luft zu machen. Am 29. März 1848 rotteten sich die Nagelschmiede von Elterlein, Scheibenberg und der Umgegend zusammen und unterstützt von zuchtlosem und zerstörungslustigem Pöbel demolirten sie erst die seit einigen Jahren bestehende Nagelfabrik in Elterlein und dann, an demselben Tage noch, auch die Jahnsche in Mittweida. Durch diesen Act der Rohheit und Brutalität wurde die Fabrik jahrelang außer Thätigkeit gesetzt. – Erst später gelang es dem rastlosen Fleiß des Herrn G. Jahn, sowie besonders der unermüdeten aufopfernden Thätigkeit des jetzigen Besitzers, der Fabrik neues Leben zu schaffen.

Außer den schon genannten neugegründeten oder neu übernommenen Etablissements geben von der ausdauernden Thätigkeit der Herren Nestler und Breitfeld noch Zeugniß

a) die in den Jahren 1837 und 38 erbaute Berg- und Hufschmiede und die Ziegelbrennerei,
b) das 1845 und 46 neuerbaute Hohofengebläsehaus mit eisernem Cylindergebläse,
c) der 1846 und 47 neuerbaute Gasthof mit Nebengebäuden,
d) das 1850 bis 52 völlig neuerrichtete Kohlhaus,
e) die 1851 neu aufgeführte Bretmühle,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Plane
Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/50&oldid=- (Version vom 9.3.2019)